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Durchgesetzt: Bastian Eckl (l.) im privaten Duell gegen Martin Guth.

SCR einen Schritt zu schnell für Füssen

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Der Aufwärtstrend hält an: Der SC Riessersee siegt erstmals in dieser Oberliga-Saison in Füssen. Und das auch noch souverän. Bastian Eckl ringt Gegner auch im Zweikampf nieder.

Füssen– Der Humor des Füssener Stadion-DJs ist schwarz und gnadenlos. Beim letzten Tor des SC Riessersee spielte er die Liedzeile „Feiern bis zum Ende“ aus einem Ballermann-Hit von Mia Julia ein, der für gewöhnlich auf Mallorca für Stimmung sorgt. Im Fall des EV Füssen war das die musikalische Demütigung für Fans und Mannschaft. Denn natürlich feierte kein einziger Füssener. Dieser Part war dem SCR vorbehalten, auch wenn die Party mit den Fans in der Kurve nicht sonderlich lange ausfiel. Mit dem 6:2-Erfolg bestätigen die Garmisch-Partenkirchner ihre aufsteigende Form. Solch souveräne Siege hat man – vor allem gegen Füssen – nicht oft gesehen. „In den zwei bisherigen Spielen hier hatten wir gar nichts zu melden“, sagt Trainer George Kink. Aber die Zeiten haben sich geändert.

Die Allgäuer klagen über ihr erstes Loch. „Die Jungs sind geistig müde“, hat Trainer Andreas Becherer erkannt. Nur einen Punkt aus fünf Spielen hat Füssen geholt. Schlimm sei das nicht. „Jede Mannschaft trifft es im Laufe der Saison“, betont er. Der SCR hat die Schwächephase gerade hinter sich. Wobei Kink relativiert: Er denke noch nicht, dass sein Team nun auf einer Welle gen Spitze surft. „Alle Teams liegen eng beisammen.“ Seinem Kollegen ging es um einen Unterschied, der die beiden Kontrahenten trennte und der in beinahe alle wichtigen Szenen zum Vorschein trat: „Wir sind einen Schritt zu langsam“, sagt Becherer. Nehmen wir das 1:0. Nach 20 Sekunden. Die erste Sturmreihe sah aus, als wüsste sie bereits, wie ihr Angriff zum Einstieg abzulaufen hat. Anders gesagt: Für sie lief die Aktion auf dem Eis in halber Geschwindigkeit. Zwei zielgenaue Pässe und Victor Östling stand frei. „Ein Traumstart“, sagt Kink.

Sein Plan aus der Krise heraus hatte vor allem Geduld vorgesehen. Trotz der Führung forderte er auch danach Geduld. Ein Ausflug von Daniel Allavena endete mit dem 1:1. „Passiert, er ist der Jüngste der Liga“, sagt Kink. Geduld brauchte es in erster Linie gegen die Verschanzungstaktik der Allgäuer. Hin und wieder habe sich eine Lücke ergeben. Diesmal verhielten sich die Gäste wie dieser Trupp Uruk-hai mit ihrem Rammbock im zweiten Teil von „Der Herr der Ringe“. Sie kundschafteten die Schwachstelle aus und öffneten das Tor mit ihrem Prellbock: Bastian Eckl scheiterte erst noch, Tobias Kircher verwertete den Nachschuss zum 2:1. Wieder war Füssen zu spät dran. Es gab dann noch eine dritte Szene mit Symbolkraft für die Füssener Unterlegenheit, den Faustkampf zwischen Eckl und Martin Guth, der sich über eine halbe Minute zog. Am Ende beförderte Eckl seinen Gegner zu Boden. Coach Kink hieß die Aktion gut. Lieber einen fairen Zweikampf als einen „blöden Stockschlag“ zum Frustabbau, also besser ein Duell vor allen als eine hinterhältige Attacke.

Mit der kleinen Keilerei begannen jedoch auch die Plagen mit Schiedsrichter Christian Höck, der sich nicht so recht für eine Linie entscheiden konnte. Mal kleinlich, mal generös – er sprang umher wie eine Sinus-Kurve. „Hat das Spiel ein bissl kaputtgemacht“, sagt Kink. Die Füssener kamen weit weniger mit den Pfiffen des Offiziellen klar. In der Phase der großen Diskussionen kassierten sie drei Gegentore. Riessersee zog auf 5:1 davon. „Wir haben kontrolliert, das war heute der Schlüssel“, lobt Kink. Im letzten Abschnitt kam Füssen zwar auf 2:5 heran. Doch der Hoch-Risiko-Move von Becherer, der seinen Torwart vier Minuten vor Ende vom Eis nahm, führte nur zum sechsten Tor durch Eckl. Passend zum musikalischen Einspieler bot dann auch Andreas Becherer noch eine humorvolle Erklärung für die Lage des EVF: „Während andere am Montag im Entmüdungsbecken einen Cappuccino trinken, gehen unsere arbeiten.“

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