Wichtige Personalie beim SC Riessersee: Routinier Uli Maurer (35) spielt eine weitere Saison für seinen Heimatverein. Doch auch ein Wechsel ins Berufsleben stand zur Debatte.
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Die Führungspersönlichkeit bleibt: Uli Maurer will seine Erfahrung weiter dem SCR zur Verfügung stellen.

Routinier bleibt beim SC Riessersee

Noch genug Energie für den SCR: Uli Maurer hängt ein Jahr dran

  • vonPatrick Hilmes
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Wichtige Personalie beim SC Riessersee: Routinier Uli Maurer (35) spielt eine weitere Saison für seinen Heimatverein. Doch auch ein Wechsel ins Berufsleben stand zur Debatte.

Garmisch-Partenkirchen –Irgendwann kommt es für jeden Sportler, das Karriereende. Die Fragen lauten nur: Wie soll es aussehen und wann soll es sein? Damit hat sich auch Uli Maurer beschäftigt. Mit 35 Jahren nach mittlerweile 18 Jahren im Eishockey-Profigeschäft stellen sich diese Fragen für den Akteur des SC Riessersee quasi von alleine. Nun hat er Antworten gefunden. Und sie heißen: so nicht und noch nicht. Maurer hat beim Oberligisten seinen Vertrag um eine weitere Saison verlängert.

Das Eishockey- gegen das Freizeit-Dress getauscht, anstatt Helm trägt Maurer ein Cap und berichtet im Büro von SCR-Geschäftsführer Pana Christakakis sitzend von seiner Entscheidungsfindung: „Ich hatte mir Gedanken gemacht, ob ich in die Berufswelt einsteige. Es haben sich auch Angebote aufgetan.“ Doch dann kam Corona und Maurer begann wieder mit dem Training, erst individuell, später auch mit der Mannschaft. „Dabei habe ich gemerkt, dass die Lust wieder da ist. Es macht mir viel Spaß mit den Jungs, auch wenn sie es manchmal nicht merken, wenn sie einen Anpfiff von mir kriegen“, erzählt Maurer schmunzelnd.

Zudem konnte er sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, welches Ende seine Karriere genommen hätte. Mit dem 3:1-Heimsieg Anfang März über Rosenheim inklusive eigenem Treffer wäre seine letzte Partie keine schlechte gewesen, aber es wäre ein abrupter und ungewollter Schlusspunkt gewesen. „So konnte ich das nicht sein lassen. Es hätte mich geärgert aufzuhören, ohne mir selber das Ende aussuchen zu können“, betont Maurer.

Zwei Meter entfernt sitzt Pana Christakakis in seinem Stuhl mit einem breiten Lächeln angesichts des Ja-Worts Maurers für eine weitere Saison. „Wir freuen uns sehr darüber, dass Uli bei uns bleibt. Er ist ein Weiß-Blauer durch und durch. Gerade in der jetzigen Situation ist dies ein erneutes Zeichen von ihm, wie sehr ihm unser SCR am Herzen liegt“, lautet Christakakis’ Statement.

Die Freude seitens der Riesserseer ist verständlich, ist der Außenstürmer doch eine der tragenden Säulen beim SCR. Und das hat Maurer nicht nur in der abgebrochenen Saison mit 21 Toren und 28 Vorlagen in 39 Einsätzen unter Beweis gestellt. Zusätzlich betont Christakakis, dass Maurer eine „absolute Führungspersönlichkeit“ und seine Erfahrung „unentbehrlich“ für das Team sei.

Das führt zu einem weiteren Punkt, warum Uli Maurer seine Schlittschuhe nicht schon jetzt an den Nagel hängen konnte. „Der Flori (Kapitän Florian Vollmer, Anm. d. Red.) wäre brutal beleidigt gewesen“, gibt Maurer lachend zu Protokoll. „Der Altersunterschied in der Mannschaft ist ja schon ziemlich groß. In der Kabine und im Bus sind wir froh, dass wir uns haben. Die Gesprächsthemen sind ja doch andere. Bei uns im hinteren Teil des Busses geht es darum, wie es den Kindern geht. Vorne geht es um Handy-Apps und so was.“

Heißt nicht, dass sich Maurer eine ältere Truppe wünscht. „Ich arbeite gerne mit den Burschen, und das ist ja auch das Konzept hier, von dem ich völlig überzeugt bin. Aber ich bin über jeden ’Alten’ froh. So ein bissel Erfahrung ist ja nicht schlecht.“

Und die Liste mit den Gründen, warum Maurer ein Jahr dranhängt, ist noch nicht am Ende. Zum einen ist da sein Tatendrang. „Ich mache zu gerne Sport. Ich habe da noch wirklich Feuer in mir. Ich wüsste gar nicht wohin mit der Energie, wenn ich das nicht mehr so professionell machen würde. Ich bin von Geburt an ehrgeizig und möchte die Energie, solange der SCR sie brauchen kann, dort lassen.“ Bei seiner Entscheidungsfindung galt es natürlich, auch seine Frau und die zwei Kinder zu berücksichtigen. Ein Veto gab es seitens der Familie aber keineswegs. „Meine Frau sagte: ’Mach wie du es magst, aber komm mir bloß nicht heim und schimpf dann nur’. Sie kennt mich, ich bin halt manchmal der Schimpfer“, erzählt Maurer grinsend.

Und der „Schimpfer“ kann es nicht erwarten, wieder auf dem Eis zu stehen und um Punkte zu kämpfen. Er braucht einen Fixpunkt, auf den er zusteuern kann. „Es ist für den Kopf schwierig, weil man kein Ziel hat. Wir trainieren so ein bisschen ins Blaue hinein.“ Aber immerhin kann Maurer wieder beschwerdefrei trainieren, was in den vergangenen zwei Jahren nicht immer der Fall war. „Es waren keine schlimmen Verletzungen, aber es ärgert einen brutal, wenn man immer wieder zurückkommen muss. Das ist das Schlimmste in der Karriere und kostet am meisten Energie. Aber wie es mir jetzt geht, bin ich total zufrieden.“

Fehlt noch die Rückkehr in den Ligabetrieb. Wann das sein wird, ist fraglich. Eines steht für den Garmisch-Partenkirchner jedoch fest: Ein Spiel, wie in der Fußball-Bundesliga, vor leeren Rängen, das kommt nicht infrage, auch aus finanzieller Sicht. „Es ist traurig, zu sehen, dass das Produkt Fußball ohne Zuschauer funktioniert. Das ist ein Armutszeugnis für die Sportart, dass du als Bratwurstkäufer und Schalträger nicht mehr gebraucht wirst. Eishockey ohne Fans kann ich mir nicht vorstellen.“

Vorstellen will er sich auch noch nicht, was nach der nächsten Spielzeit geschieht, ob er aufhört oder nicht. Zunächst kann das Ende noch warten. Patrick Hilmes

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