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Kommt als Deutscher Zweitliga-Meister zum SCR: Richard Mueller stemmt nach dem entscheidenden vierten Sieg im Finale gegen Bietigheim den Pokal in die Höhe. 

Eishockey: DEL 2

Top-Stürmer Mueller zum SCR: Wirbel um Gehalt

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Transfer-Hammer Teil II beim SC Riessersee: Nach Lubor Dibelka kommt Top-Stürmer Richard Mueller aus Frankfurt. Sein alter Arbeitgeber spricht von einem hohen Preis. „Stimmt nicht“, kontert Tim Regan.

Garmisch-Partenkirchen– Zu den vielen Titeln, die Richard Mueller in seiner Laufbahn gewonnen hat, gehört die Auszeichnung zu „Frankfurts Sportler des Jahres 2016“. In seinen drei Jahren hatte sich der Deutsch-Kanadier ins Herz der Stadt geschossen mit zig Toren und dem Aufstieg in die Zweite Liga. Natürlich war es ein Zufall, dass der Flügelstürmer den Preis an dem Wochenende überreicht bekam, an dem der SC Riessersee in Frankfurt antrat. In der Drittelpause der Partie ehrten die Löwen ihren Torjäger, Weather-Girl Dynelle Rhodes sang ihren größten Hit („It’s raining men“), Frankfurt gewann.

Eine große Show boten die Löwen. Doch nur ein kleines Grüppchen wusste damals, dass Mueller kommende Saison in Garmisch-Partenkirchen spielen wird. Wahrscheinlich nur der 34-Jährige selbst, Geschäftsführer Ralph Bader und Trainer Tim Regan. Bereits im Sommer hatte der dreimalige Deutsche Meister (mit Berlin) seinen Kontrakt beim SCR unterschrieben – wie unsere Zeitung schon vor Wochen berichtete.

Zwei-Jahres-Vertrag für den Torjäger

Es lief so ab: Riessersee fragte an. Mueller gefiel das Angebot, auch weil es bei den Löwen rund gegangen war. Eine Chaos-Saison endete enttäuschend im Viertelfinale (0:4 gegen Rivale Kassel). Man hörte, dass die Team-Chemie nicht passte. Der Verein mistete aus. Aber Mueller, die Identifikationsfigur, blieb natürlich. Sein Vertrag galt noch für die Spielzeit 2016/17. Doch die Offerte aus dem Süden überzeugte ihn. Man habe ihn nicht mit Geld gelockt, betont Regan, der mittlerweile als Sportdirektor für den Verein arbeitet. „Er hat beobachtet, wie sich die sportliche Situation in den vergangenen zwei Jahren bei uns entwickelt.“ In der DEL2 hat sich herumgesprochen, was für ein „attraktiver Standort“ Garmisch-Partenkirchen ist, sagt der Ohlstädter. Dazu bot der SCR einen Zwei-Jahres-Vertrag – und damit Sicherheit für einen Routinier, der am kommenden Samstag seinen 35. Geburtstag feiert. Im August zieht Mueller samt Familie in die neue Heimat. Regan stellt klar: „Der entscheidende Faktor war nicht das Geld.“

Chernomanz: „Er war zu teuer für uns“

Rich Chernomaz, Sportlicher Leiter in Frankfurt, sieht das ganz anders. Er sagt: „Wir haben nicht einen Spieler im Kader, der so ein Angebot bekommen hat. Wir hatten keine Chance gleichzuziehen. Er war zu teuer.“ Regan kontert. „Das stimmt überhaupt nicht.“ Muellers Abgang hat den Sport-Chef der Löwen gespalten. Ober er enttäuscht ist? „Ja und nein“, antwortet der Kanadier. Einerseits bedauert er den Entschluss. Nach all den erfolgreichen Jahren und Muellers Stellenwert. „Klar sind wir sauer.“ Andererseits deutet Chernomanz auf andere Galionsfiguren im Team. Nils Liesgang, Lukas Laub, seit Kurzem Playoff-Monster Brett Jaeger. „Wir haben einige“, betont der 53-Jährige. Dazu verweist er auf Muellers Alter. „Wäre er 27, hätte ich ihm das gleiche Angebot gemacht.“ Mittlerweile verfolgt der Sportdirektor die Philosophie, mit einer jungen Mannschaft anzugreifen. Es klappte. Die Löwen wurden Meister. „Mit einem Durchschnittsalter von 25“, wie Chernomanz herausstellt. Lieber verpflichte er einen Brett Breitkreuz (28) weiter als Mueller. „Das war eine leichte Entscheidung.“

Regan vermutet, dass der Wechsel die Frankfurter kalt erwischt hat. „Wenn du einen Top-Spieler verlierst, ist das natürlich enttäuschend.“ Deshalb auch Chernomanz’ Reaktion. Der SCR-Verantwortliche glaubt aber, einen großen Fang gelandet zu haben. Trotz Muellers Alter gehört der Flügelflitzer zu den schnellsten Stürmern der Zweiten Liga. Herausragend auch sein Tor-Instinkt. „Er kann im Fünf-gegen-Fünf, in Unterzahl und in Überzahl treffen.“ In 170 DEL2-Partien für Frankfurt hat der Deutsch-Kanadier 116 Treffer erzielt. Vor zwei Jahren holte der Ex-Nationalspieler (sieben Einsätze/fünf Treffer) die Torjäger-Krone. Nun soll der Meisterlöwe, der mit der Trikotnummer 61 aufläuft, vor allem das maue Powerplay ankurbeln. Regan sagt: „Mit ihm und Lubor (Dibelka/Anm.d.Red.) haben wir uns punktuell sehr gut verstärkt.“

Der Kader 2017/18

Tor: Matthias Nemec.

Verteidigung: Julian Eichinger, Christian Hummer, Benjamin Hüfner, Simon Mayr, Felix Thomas, Stephan Wilhelm.

Sturm: Jared Gomes, Andreas Driendl, Mattias Beck, Louke Oakley, Lubor Dibelka, Richard Mueller.

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