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Ralph Bader kann der Kooperation mit der DEL wenig abgewinnen.

Bader: DEL will keinen Aufstieg

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Garmisch-Partenkirchen - Ralph Bader, Geschäftsführer des SC Riessersee, spricht Klartext zur gescheiterten Verzahnung der Profi-Ligen im deutschen Eishockey

In Ralph Bader rumort es seit einiger Zeit. Nur gut, dass er viel zu tun hat, wenige Wochen vor dem Saisonstart beim SC Riessersee. Denn sonst hätte er seinem Ärger schon früher Luft gemacht. Nun aber ist es soweit: Jetzt muss es raus. Die Absage der DEL an eine Verzahnung mit der DEL2 ist dem GmbH-Geschäftsführer des Eishockey-Zweitligisten ein Dorn im Auge. Unabhängige Rechtsanwälte hatten die Unterlagen geprüft und waren zu dem Schluss gekommen, dass die Auflagen der DEL nicht erfüllt worden seien. Auf- und Abstieg sind nicht nur in weite Ferne gerückt, sondern so gut wie sicher passé.

Dass im Verfahren Fehler passiert sind, das streitet Bader nicht ab. Das hebt er sogar hervor. „Rein rechtlich sind wir von der DEL2 selbst schuld, weil wir nicht alle Forderungen der DEL zum Stichtag pünktlich erfüllen konnten.“ Sechs Teams mussten jeweils eine Bürgschaft in Höhe von 816 000 Euro bringen sowie einem 6000-Punkte-Plan gerecht werden. Das gelang eben nicht ganz zum 31. März dieses Jahres. Doch steht für den 51-Jährigen fest: „Wenn man von Seiten der DEL ein bisschen Willen zeigen würde, hätte das keine Rolle gespielt, dass einige Teile einige Tage später in der DEL-Zentrale eingetroffen sind.“ Bader unterstellt den Bossen der Eliteliga ganz klar: „Teile der DEL wollen diesen Auf- und Abstieg einfach nicht. Es sind nicht alle Gesellschafter dagegen, auch nicht der komplette Aufsichtsrat, aber eben immer noch die mächtigen Herren.“

Das gesamte Verfahren bewertet Bader im Nachhinein als Farce. „Im Grunde genommen waren die Auflagen schon so hoch, dass wir sie nicht erfüllen konnten, da konnte man sich bei der DEL ruhig zurücklehnen. Ehrlich wäre es, wenn die Verantwortlichen endlich sagen würden, dass sie keinen sportlichen Auf- und Abstieg wollen.“ Die Vertreter der Eliteliga hätten ihr Ziel mit diesem Prozess nun erreicht.

Drängt sich die Frage auf, warum die Klubs der DEL2 die Forderungen damals hingenommen haben? „Für uns waren sie alternativlos“, erklärt der SCR-Manager. „Wir hatten die Pistole auf der Brust und haben zähneknirschend zugestimmt.“ Einen Fehler räumt er im Rückblick ein. „Wir hätten vorher in unseren Reihen fragen sollen, ob wir überhaupt sechs Klubs zusammenbekommen, die die Bürgschaft aufbringen könnten.“ Bader aber verweist auf den Zeitdruck. „Wir mussten uns schnell entscheiden.“

Im guten Glauben waren die Vereinsvertreter auch. „Es ist ärgerlich, denn wir haben nun drei Jahre lang gemacht, was die DEL wollte“, sagt Bader. Alles in der Hoffnung, dem Thema Auf- und Abstieg ernsthaft näher zu kommen. „Wir haben Richtlinien erfüllt, um Pluspunkte zu sammeln.“ Offenbar alles umsonst. Bei einer Tagung in Frankfurt in der vergangenen Woche entschieden die DEL2-Gesellschafter, auf den Weg zum Schiedsgericht zu verzichten. Aus Perspektivlosigkeit. Zu viel will Bader nicht verraten, was dort diskutiert worden ist. Eines aber steht für ihn fest: In puncto Hörigkeit gegenüber der DEL wird sich wohl etwas ändern. Vielleicht kippen ja sogar Beschlüsse wie die Reduzierung der Ausländerzahl oder der Ü23-Spieler in der Zukunft wieder. Bader möchte das nicht kommentieren. Nur so viel. „Irgendwann läuft ja auch der Kooperationsvertrag aus. Schlussendlich müssen wir uns alle fragen, was die Annäherung an die DEL gebracht hat, wenn die Liga am Aufstieg nicht interessiert ist.“ Klar sei, dass es für einige Standorte in der DEL2 schwieriger werden könnte, das Niveau aufrecht zu erhalten. „Die gibt es“, bestätigt Bader. Sponsoren zu überzeugen, wird ohne die Verzahnung mit der DEL nicht einfacher. „Aber wir werden von oben eh nicht als Profiliga wahrgenommen.“

Ganz aufgeben wollen die DEL2-Teams aber noch nicht. Immerhin haben sie Geschäftsführer René Rudorisch beauftragt, wieder Verhandlungen zu führen. „Es geht um neue Bedingungen. Sechsmal 816 000 Euro, das werden wir sicher nicht mehr akzeptieren“, stellt Bader klar. Der SCR-Macher würde sich auch wünschen, dass der Deutschen Eishockey-Bund (DEB) sich in dieser Frage als Vermittler mehr einbringt. „Wir sind schließlich alle dort wieder Mitglied und zahlen unseren Beitrag.“

Es spricht der Frust aus ihm. Und in Sachen DEL ist Bader auch kein Einzelkämpfer. Da herrscht überwiegend Einigkeit in der Zweiten Liga.

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