Eines ist nun fix: Der SC Riessersee hat die Abbruchsaison 2019/20 mit einem Minus von rund 35 000 Euro abgeschlossen. Diese Summe fängt erst einmal der Hauptsponsor auf. Bei der Aufstellung des neuen Budgets mussten die Verantwortlichen den Rotstift ansetzen.
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Hat bereits einen Vertrag: Der Finne Eetu Arkiomaa ist einer von offenbar drei Spielern, die einen Kontrakt für die nächste Saison ebsitzen

Oberligist SC Riessersee beantragt Lizenz und hofft auf Hilfe aus der Politik

  • Christian Fellner
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Eines ist nun fix: Der SC Riessersee hat die Abbruchsaison 2019/20 mit einem Minus von rund 35 000 Euro abgeschlossen. Diese Summe fängt erst einmal der Hauptsponsor auf. Bei der Aufstellung des neuen Budgets mussten die Verantwortlichen den Rotstift ansetzen.

Garmisch-Partenkirchen – Eine Entscheidung ist gefallen beim SC Riessersee: Die GmbH des Klubs hat sich um eine Oberliga-Lizenz für die kommende Saison beworben, die Unterlagen fristgerecht beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) eingereicht. Zu diesem Fazit kamen die Mitglieder des Fördervereins, der 90 Prozent der Anteile an der GmbH hält, in einer finalen Sitzung in der vergangenen Woche. Rund um diesen Entschluss türmen sich aber allerhand Fragen auf. Wie es tatsächlich weitergeht beim SCR, das werden erst die kommenden Wochen und wohl Monate ans Licht bringen?

Pana Christakakis spielt mit offenen Karten. Das haben die Verantwortlichen in den düsteren Stunden nach dem DEL2-Aus versprochen, und daran wollen sie sich halten. Daher verhehlt der Geschäftsführer nicht, dass er dem Vorstand des Fördervereins einen Etat für die Saison 2020/21 präsentierte, der eine gewisse Unterdeckung beinhaltete. „Ich habe ihnen auch offen gesagt, dass wir uns mit diesem Budget besser nicht für die Oberliga bewerben.“ Er wolle keine Saison mit einem geplanten Minus angehen. „Hoffnung ist für uns keine Strategie“, sagt er deutlich. Christakakis rechnet mit Einbußen beim Sponsoring von rund 25 Prozent, zudem mit einem Rückgang bei Ticketverkäufen in einem ähnlichen Rahmen. „Viele Menschen werden Angst haben, eine Veranstaltung zu besuchen.“ Mindereinnahmen, die kaum kompensiert werden können. „Vielleicht tut sich bei einigen Sponsoren im Laufe der Saison dann etwas“, betont Christakakis. Erst einmal müsse er aber mit diesen Zahlen kalkulieren.

Ein Vorteil, der dem SCR aktuell zugutekommt: „Wir haben bisher sehr wenige Spieler unter Vertrag.“ Bekannt sind Florian Vollmer und Eetu Arkiomaa. Dem Vernehmen nach soll ein weiterer Spieler einen Kontrakt unterzeichnet haben. „Dadurch haben wir noch volle Kontrolle“, sagt Christakakis. Nicht unwichtig, denn auch beim Kader wird der Rotstift angesetzt werden müssen. „Natürlich wäre es schön, wenn wir unsere Einnahmenseite stärken könnten, aber wenn wir realistisch sind, müssen wir die Ausgaben reduzieren.“ Dazu gehört auch der direkte Sportbereich. Der Geschäftsführer spricht von 40 000 Euro an Bruttogehältern, die über die gesamte Saison eingespart werden sollen. Daher wird es in nächster Zeit nicht viele Vollzugsmeldungen auf dem Personalsektor geben. „Mit unseren einheimischen Spielern haben wir gesprochen, die sind alle über die Situation informiert.“

Hilfe in dieser prekären Lage erhofft sich der SCR von der Politik. Anton Speer hatte bereits bei Abbruch der Vorsaison im März erklärt, er werde ein offenes Ohr für den Traditionsklub haben. Nun erneuerte der Landrat sein Angebot, den SCR unterstützen zu wollen. Christakakis telefonierte eine halbe Stunde mit Speer. „Er wollte von uns eine Zahl hören, wie hoch unser Defizit nach der Saison war.“ Die Antwort bekam er prompt. 35 000 Euro fehlten durch das vorzeitige Ende. Die Abschlussrechnung haben die Finanzverantwortlichen nun aufgestellt. Diese Summe steuerten dieBrüder Schwinghammer jetzt bei – ohnehin Hauptsponsoren –, um diese Lücke erst einmal zu schließen. Allerdings handelt es sich dabei um einen Vorschuss, nicht um eine weitere Aufstockung des eigentlichen Sponsorings. „Das Geld fehlt mir somit in der Saison“, verdeutlicht Christakakis. Der hat nun die Hoffnung, dass Speer seine Beziehungen spielen lassen und eventuell eine Geldquelle auftun kann.

Auch mit der politischen Spitze der Marktgemeinde kommen die SCR-Macher diese Woche zusammen. „Die Bürgermeisterin ist offenbar auch gesprächsbereit.“ Dieses Signal hat Christakakis bereits bekommen. Ihm geht es um laufende Kosten, die den SCR in nicht unerheblichem Maße treffen – beispielsweise Pachtkosten im Olympia-Eissportzentrum.

Der Klub wird aber auch selbst aktiv, um zusätzliche Einnahmen zu generieren. Einige Aktionen sind in der Planung. Eine verrät Christakakis bereits: „Wir werden ein Aufwärmtrikot für die Mannschaft haben, auf dem Fans für einen Beitrag von beispielsweise 50 Euro ihren Namen drucken lassen können.“

Alle diese Bemühungen sollen in einer Oberliga-Spielzeit münden, die dem SCR eine schwarze Null beschert. „Das wäre das Ziel.“ Einfach dürfte das nicht werden, denn nach wie vor weiß keiner, wann es losgeht und unter welchen Bedingungen. Fix ist: Alle bisherigen Süd-Ligisten haben zumindest Lizenzunterlagen eingereicht. Ein kleiner Lichtblick.

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