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Warten auf die Rückkehr: Victor Östling fehlt der Mannschaft an allen Ecken und Enden.

Noch schweigen die Alarmglocken beim SC Riessersee

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Gut ein Viertel der Hauptrunde in der Oberliga Süd ist absolviert – 9 von 32 Partien sind es exakt. Bis auf zwei Teams hat der SC Riessersee alle Konkurrenten einmal durch. Peiting und Höchstadt fehlen noch – die sind am kommenden Wochenende dran. Die Bilanz fällt bisher sehr durchwachsen aus. Nur zwei Siege in regulärer Spielzeit stehen zu Buche.

Garmisch-Partenkirchen– Aktuell ist die Mannschaft von Trainer George Kink nach einem Null-Punkte-Wochenende auf Platz neun durchgereicht worden. Das Tagblatt versucht, das bisherige Geschehen einzuordnen.

. Das Tabellenbild

Rang neun täuscht über das wahre Leistungsvermögen des SCR definitiv hinweg. Wie erwartet, zeigt sich die Süd-Staffel der Oberliga bisher sehr ausgeglichen. Nur Absteiger Deggendorf hat sich eine kleine Lücke an der Spitze erarbeitet. Am Tabellenende haben vor allem Höchstadt, Lindau und überraschenderweise Regensburg einen sehr schweren Stand. Von Rang zwei bis neun ist dagegen alles dicht gedrängt. Dass der SCR das Schlusslicht dieser Mittelfeldgruppe ist, sollte nur eine nicht ganz ernst zu nehmende Momentaufnahme darstellen.

. Der Status quo:

Der SC Riessersee hat im ersten Viertel viel verschenkt. Das ist Fakt. In zahlreichen Partien erwies sich das Team als körperlich dem Gegner überlegen, konnte aus seiner Dominanz aber kein Kapital schlagen. „Wir belohnen uns nicht“ – dieser Satz gehört bereits zum Standard-Repertoire von Coach Kink. In der Tat passt der Ertrag in keiner Weise zum Aufwand. Der SCR bietet temporeiches Power-Eishockey – ihm fehlt nur oftmals ein sehr entscheidender Punkt: Tore. Doch diese Flauten sind nicht neu. Auch unter dem jetzigen Bundestrainer Toni Söderholm gab es diese Phasen immer wieder – vor allem in den ersten Monaten einer Spielzeit. Des Finnen liebster Spruch dazu: „Das macht mir keine Sorgen, schlimmer wäre es, wenn wir überhaupt keine Chancen hätten.“ Das ist bei den Garmisch-Partenkirchnern nicht annähernd der Fall. Im Gegenteil: Es gab bisher kaum eine Partie, in der die Mannschaft nicht als Sieger vom Eis hätte gehen können.

. Die Mankos

Die Effizienz: Der Chancenwucher ist enorm. Nimmt man die Partie gegen an diesem Abend unterirdische Lindauer aus, tut sich der SCR sehr hart, sein Potenzial auf dem Eis in Zählbares umzusetzen. Selbst Routiniers wie Uli Maurer versenken die Scheibe nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

Die Disziplin: Definitiv ein Thema. Da kann man noch so viel den Schiedsrichtern ankreiden – der SCR kassiert in dieser Saison zu viele Strafzeiten. Das Team ist Vorletzter in der Fairplay-Wertung, ein Missstand, der vollkommen neu ist. Bei der physischen Überlegenheit sollte die Strafbanktüre nicht so oft auf der Riesserseer Seite geöffnet werden.

Die Defensive: Das Team dieser Saison hat noch nicht das Level der alten Mannschaft erreicht. Immer wieder verteilen die Riesserseer Geschenke an die Gegner, viele Treffer fallen sehr leicht. Das eigene Drittel zu dominieren – das ist das hehre Ziel. Es zu erreichen, „das könnte uns die gesamte Hauptrunde beschäftigen“, befürchtet Kink. Zu viele Veränderungen hat es in der Mannschaft gegeben.

. Der Erklärungsversuch

Der große Knackpunkt ist die Verletzungsmisere. Warum es den SC Riessersee immer derart erwischt, das wäre eine eigene wissenschaftliche Studie wert. Liegt es womöglich an den professionellen Strukturen, ist das Programm zu viel für Oberliga-Spieler? Andererseits gibt es kaum einen, der sich nicht lobend darüber äußert. Vor allem bei Neuzugängen ist dieser Ansatz ein Entscheidungskriterium.

Fakt ist: Der SCR hat in dieser Saison inklusive Vorbereitung nur wenige Tage mit dem kompletten Kader arbeiten können. In der Testphase mussten Partien mit 13 Spielern absolviert werden. Der Ausfall von Victor Östling, dem stärksten Mann der Vorbereitung, traf das Team hart. Calder Brooks, der als Ersatz von Gönnern verpflichtet wurde, den SCR keinen Cent kostet, kommt bis dato lange nicht an das Leistungsvermögen des Schweden heran. Insgesamt sieben Neuzugänge mussten und müssen unter widrigen Bedingungen integriert werden. Auch wenn viele Riesserseer Eigengewächse sind – einige haben zuletzt wenig oder unter komplett anderen taktischen Voraussetzungen gespielt.

. Das Fazit

Dass der SCR jetzt noch nicht in Hochform aufläuft, erklärt sich im Grunde von selbst. Die Mannschaft steckt in der Findungsphase. Das Potenzial ist da, muss nur zuverlässiger abgerufen werden.

. Die Finanzen

Noch schweigen die Alarmglocken bei der SCR GmbH. Geschäftsführer Pana Christakakis spricht ganz offen: „Nach acht Heimspielen inklusive der Vorbereitung liegen wir bei einem Minus von 600 Euro gegenüber unserem Plan.“ Die Weiden-Partie ist da noch nicht eingerechnet, das Redbull-Spiel ebenfalls nicht berücksichtigt, dient weiterhin als Reserve. Kein Drama, dennoch stimmt Christakakis die Perspektive ein wenig nachdenklich. „Der klassische Durchhänger im November steht uns ja eigentlich erst noch bevor.“ Um dem Trend vorzubeugen, gibt es in den nächsten Monaten Aktionen. Die erste bereits am kommenden Sonntag. Gegen Höchstadt sind Kinder und Jugendliche eingeladen, die sich über ihren Sportverein oder die Schule anmelden. Lehrer oder Trainer können dies in der Geschäftsstelle des SCR im Eisstadion tun – per E-Mail an info@scr.de oder telefonisch unter 0 88 21/73 22 061. Das erste Feedback ist gut: „Wir haben schon 578 Anmeldungen.“

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