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Pechvogel: Erneut hat es Jannik Woidtke erwischt. Ein Finger ist gebrochen – er muss operiert werden. 

Unruhige Zeiten beim SCR: Saisonende für Woidtke, Zuschauerschwund, aber der EHC hilft verstärkt

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Es rumort wieder ein wenig im Umfeld des SC Riessersee: Viele sind unzufrieden, die Mannschaft, die Fans, die Verantwortlichen. Alle wollen Abhilfe schaffen: So möchte der EHC München die Garmisch-Partenkirchner noch besser unterstützen, schickte zuletzt bereits Trainer Clément Jodoin zum Training. Unterdessen gibt es eine Hiobsbotschaft von Verteidiger Jannik Woidtke: Der hat sich einen Finger gebrochen - Saison beendet.

Garmisch-Partenkirchen – Die Gerüchteküche brodelt mal wieder. Nicht ungewöhnlich in einer Phase, wie sie der SC Riessersee gerade durchläuft. Auf das erste größere Tief der Oberliga-Saison war die Eishockey-Mannschaft Ende November Anfang Dezember im alten Jahr zugesteuert. Da platzte dann Aufsichtsratsmitglied Christian Schwinghammer der Kragen. Der SCR handelte, holte Simon Mayr, reaktivierte Stephan Wilhelm, und der Schlingerkurs fand ein Ende. Auch mit kleinem Kader schlug sich das Team wacker, arbeitete sich ins gesicherte Mittelfeld der Tabelle. Die Kritik verstummte zusehends.

Nun aber wendet sich das Blatt wieder. Die negativen Stimmen werden lauter. Und: Der Zuschauer lässt es Verantwortliche wie Mannschaft spüren, dass er unzufrieden ist mit den Darbietungen. Er bleibt einfach daheim. 923 Besucher gegen Lindau (ohne Gästefans), 1039 am Blaulichttag gegen Weiden, nur 1201 im Spitzenspiel gegen Memmingen – die Zahlen sind mau, die Ergebnisse obendrein durchwachsen.

Klar also, dass sich die Eishockey-Interessierten so ihre Gedanken machen. „Es gibt kein Geld?“, „Die spielen gegen den Trainer!“, „Der Kink muss raus“ – das sind die üblichen Parolen. Andere wollen von einem Ultimatum gehört haben. Neun von zwölf möglichen Punkten müssten her – aus dem vergangenen Wochenende plus die kommenden Selb-Spiele –, sonst drohen Konsequenzen. Es habe schon eine Krisensitzung gegeben. Da macht einiges die Runde ums Olympia-Eissportzentrum.

Was wirklich los ist, in dieser Frage lassen sich die Verantwortlichen erst einmal nicht so richtig in die Karten schauen. Eines aber ist wahr: Eine Zusammenkunft gab es, die entscheidenden Köpfe saßen an einem Tisch. „Das Wort Krisensitzung nehme ich aber nicht in den Mund“, sagt Christian Winkler, der Sport-Manager des EHC Redbull München. Er gehörte dem Zirkel an, weil eben auch über die Kooperation mit dem DEL-Klub gesprochen wurde. „Das Treffen war schon länger geplant.“ Natürlich verhehlt er nicht, dass die aktuelle Situation des SCR ebenfalls großen Raum einnahm. „Ich denke, das war ein sehr guter Abend, die Dinge wurden direkt angesprochen.“ Welche? Da geht Winkler nicht ins Detail. So viel nur: „Ich sehe das ganze Projekt auf einem guten Weg, wir wollen die Kooperation auf jeden Fall weitermachen, und ich stehe weiterhin dazu, dass Schorschi Kink ein junger, sehr talentierter Trainer ist.“ Das waren seine Erkenntnisse im Schnelldurchlauf.

Sehr offen geht Pana Christakakis zumindest mit der Situation um. „Klar sind wir alle unzufrieden, auch der Trainer und die Mannschaft“, betont der Geschäftsführer der GmbH. „Wir alle versuchen, Lösungsmöglichkeiten zu finden.“ Ein Ansatzpunkt ist verstärkte Hilfe aus München. Die gab es bereits in der Vorwoche: Clément Jodoin, Mitglied des EHC-Trainerstabs, absolvierte in der vergangen Woche bereits zwei Einheiten mit dem SCR-Team, stand am Freitag gegen Lindau auch mit an der Bande. „Die Münchner wollen uns helfen“, sagt Christakakis. Aber: Auch in der Landeshauptstadt gestaltet sich die Situation gerade nicht so einfach. Chefcoach Don Jackson hat sich in seine Heimat verabschiedet, da bei seiner Frau ein medizinischer Eingriff bevorsteht. Was der SCR mit EHC-Unterstützung in den Griff bekommen will, sind die Auftritte der Special Teams, vor allem im Powerplay. „Wir verlieren Spiele, weil es nicht funktioniert“, nennt Christakakis die Quintessenz vieler Gespräche zuletzt. Die Partie in Rosenheim sei ein Paradebeispiel dafür gewesen: „Wir machen nichts aus eineinhalb Minuten fünf gegen drei, Rosenheim schießt bei zwei Situation ein Tor und trifft dreimal Latte und Pfosten.“

Entwarnung kann er hinsichtlich der Finanzen geben: Zwar liege der SCR bei den Tickets aktuell zirka 20 000 Euro unter dem Plan, dafür habe er noch einen Puffer in ungefähr dieser Höhe durch mehr verkaufte Dauerkarten. Dazu komme ein Plus von rund 7000 Euro aus der Gastronomie. „Wir sind also noch im grünen Bereich, aber bei weitem nicht da, was wir uns er hofft haben.“ Das verheimlicht er nicht.

Zu allem Überfluss trifft den SCR nun wieder eine neue Hiobsbotschaft: Die Saison für Jannik Woidtke ist vorzeitig beendet. Der Verteidiger verletzte sich in der Partie gegen Lindau, brach sich einen Finger, der nun operiert werden muss. Heute ist es bereits soweit. „Er fällt mindestens acht Wochen aus, das war’s damit für heuer.“

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