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Endstation Eisenhut : In dieser Szene scheitert Richard Mueller noch, in der Verlängerung schlug er dann zu. 
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Eishockey

Mueller erlöst sich und den SCR

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Fünf Spiele hatte der Topscorer des SCR nicht mehr getroffen, nun ist die Torflaute beendet: Richard Mueller sorgt in der Verlängerung für sie Entscheidung gegen Dresden

Garmisch-Partenkirchen – Was hat er da nur gesagt? Vielleicht sollte man sich die Aufzeichnung der Pressekonferenz gestern Abend mit einem Finnisch-Dolmetscher noch einmal ansehen. Wäre schon interessant. Denn auf Deutsch wollte Toni Söderholm seine Ansichten über die Schiedsrichter-Entscheidungen nicht mitteilen. „Kostet“, rief ihm Franz Steer kurz zu. „Dann mach’s auf Finnisch“, empfahl Moderator Charly Leitner. Also sprudelte Söderholm los.

Ja, so aufgebracht hat man den Trainer SC Riessersee selten gesehen. Er stand nach Ende der regulären 60 Minuten in der Bandentür und wollte nicht mehr weg. Er suchte das Gespräch mit den Referees. Die machten aber keine Anstalten. Im Grunde genommen wartete man nur darauf, bis die Schiedsrichter zwei Minuten für Spielverzögerung aus dem Hut zaubern würde. Trauten sie sich dann aber wohl doch nicht. Auf einen Fingerzeig von Tim Regan gab Söderholm dann doch nach.

Vielleicht war es eine Geste, die sein Team nochmals anstachelte. Da steht einer hinter uns – diese Symbolik konnte man daraus schon ableiten. Die Mannschaft dankte es auf ihre Art, indem sie den Dresdner Eislöwen nach nicht ganz zwei Minuten der Verlängerung doch noch einen Treffer einschenkte und somit zumindest zwei Punkte in Garmisch-Partenkirchen behielt.

Richard Mueller spielte den Erlöser. Fünf Partien hatte er nicht mehr getroffen. Nun endlich brachte er die Scheibe mal wieder hinter die Linie. „Es war sicher eine Erleichterung für ihn. Ich bin froh, dass er wieder getroffen hat“, betonte Söderholm. Denn der Coach räumte ein, dass der Deutsch-Kanadier bereits leicht unruhig geworden sei. „Er hat ein wenig Stress bekommen.“ Bei einem Torjäger wirkt ein Treffer da manchmal Wunder. Ein entscheidender möglicherweise sogar noch mehr. Mit seinem harten Flachschuss überwand der Topscorer der Weiß-Blauen Dresdens Goalie Marco Eisenhut dann also doch noch.

Der hatte sich wie seine Vorderleute zuvor gegen die Niederlage gestemmt. Die rückte im Schlussabschnitt näher für die Eislöwen. Denn da gaben die Hausherren, bei denen Andreas Driendl wieder mitwirkte, noch einmal Gas. Im zweiten Abschnitt hatten sie sich nämlich nach dem frühen 1:0 durch Mattias Beck im ersten Abschnitt einen mehr als unnötigen Ausgleich eingefangen. Zunächst war Christian Hummer der Puck an der gegnerischen blauen Linie über den Schläger gesprungen – Eisfehler, Pech. Dann sprintete er hinterher, doch anstatt sauber zu klären, schob er den Puck Julian Eichinger zu, der Druck von zwei Dresdnern bekam. Die Scheibe war weg, Nick Huard sagte Dankeschön – 1:1.

Ärgerlich, denn die Riesserseer taten sich wieder so schwer, einen Torerfolg zu verbuchen. Eisenhut war immer im Weg. „Vor allem im letzten Drittel hatten wir einige Chancen für die drei Punkte“ – so sah es auch Söderholm. Aber die Scheibe wollte nicht rein. Valentin Gschmeißner scheiterte an der Latte, Louke Oakley schaffte es zwar, den Puck durch Eisenhuts Beine zu bugsieren, er blieb aber auf der Linie liegen. Das klärte ein Videobeweis sage und schreibe sechseinhalb Minuten nach der eigentlichen Szene. Solange war die Partie ohne Unterbrechung gelaufen. Enorm. Spricht für das hohe Tempo – und Niveau.

Und dann kam der Aufreger: Wechselfehler? Oder nicht? 1:26 vor dem Ende. Die Hauptschiedsrichter hatten ausgewunken, einer der Linienrichter aber pfiff ab. Lange diskutierten die Offiziellen untereinander, dann das Urteil: keine Strafe. Da platzte Söderholm der Kragen.

Am Ende aber konnte der Trainer mit dem Resultat leben. „Ich bin schon zufrieden mit den zwei Punkten, das war ein guter Sieg für uns.“ Und die Signalwirkung ist nicht zu unterschätzen. So geht der SCR mit bester Stimmung in die Länderspielpause.

Die kommt laut Söderholm zum idealen Zeitpunkt. „Eine Pause ist immer gut, aber wir können sie wirklich jetzt alle brauchen. Das war schon viel: 17 Runden und die gesamte Vorbereitung.“ Für den SCR in jedem Fall ein gutes erstes Drittel der Saison.

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