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Der Siegesschrei: Philipp Wachter (r.) nach seinem dritten Streich, den Florian Vollmer vorbereitet hatte. 

Eishockey

Wachter rettet den SCR

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Was für ein kurioser Abend im Olympia-Eissportzentrum: Ein über 40 Minute unteriridischer SC Riessersee, starke Klosterseer, ein vollkommen überforderter Schiedsrichter in einer harmlosen Partie, der die Statuten für die Verlängerung nicht kennt, und ein Philipp Wachter, der mit einem Dreierpack den SCR vor einer absoluten Schmach bewahrt. 

Garmisch-PartenkirchenDie Verzahnungsrunde zwischen der Oberliga und der Bayernliga hat ihre erste kleine Sensation – aus Sicht der Liga ganz sicher: Denn der SC Riessersee musste am Freitagabend den ersten Punkt in dieser Runde abgegeben. Beim 5:4-Sieg nach Verlängerung gegen den EHC Klostersee zeigte nicht nur der SCR eine mehr als schwache Vorstellung, eine Katastrophe war der Auftritt von Schiedsrichter Dominik Merath. Höhepunkt des Wahnsinns war, dass der Referee vor der Verlängerung nicht einmal wusste, mit wie vielen Spielern überhaupt gespielt wird. Er ordnete 4:4 an über zehn Minuten – die SCR-Verantwortlichen kramten in den Statuten, die offenbar eine Regelung wie beim DEB besagen: Also 3:3 über fünf Minuten. Vielleicht wird diese kuriose Partie also noch ein Nachspiel haben. Die Reaktion des Referees darauf: Der SCR solle doch einen Zusatzbericht schreiben, er lasse jetzt so weiter spielen. Tja, und genau in dieser späten Phase der Verlängerung holte sich der SCR noch den Zusatzpunkt: Philipp Wachter wuchtete zum dritten Mal an diesem Abend den Puck in die Maschen zum 5:4.

Doch was war das für ein seltsamer Abend im Olympia-Eisstadion: Dass ein Gegner kommen würde, der die Geduld der Riesserseer strapazieren würde, ja, damit musste man rechnen. Dass die Mannschaft aber derart darauf reagieren würde, das kam am Freitagabend völlig überraschend. Bei aller Jugend des SCR-Teams – was die Gastgeber in dieser Partie zeigten, war schlichtweg über 40 Minuten unterirdisch. „Wir waren nicht bereit“, sagte Trainer George Kink nur kurz. Ideenlos, kraftlos, läuferisch teilweise nicht auf der Höhe des Geschehens, so hat man den SCR in der Oberliga-Hauptrunde nicht einmal gesehen. Unglaublich, wie eine Drucksituation aufs Nervenkostüm eines haushohen Favoriten drücken kann.

So schlecht war’s im Grunde gar nicht losgegangen. Klostersee präsentierte sich als erstes Team mit einer echten Defensiv-Taktik. Da war kein Forechecking, da war lediglich eine weiß-rote Wand, die sich an der roten Linie aufbaute. Angriff für Angriff des SCR prallte darauf und zerbröckelte an ihr. Die Hausherren fanden aber kein Mittel, auch nur irgendwie strukturierte Spielzüge vorzutragen. Klar, das Team versuchte alles. Doch je länger das Spiel dauerte, desto mehr Blei lagerte sich in den Beinen an. Schon im zweiten Drittel gab es nur noch die Brechstange zu sehen. Dabei war doch die Ausgangssituation gar nicht übel gewesen. Emil Quaas und Jakob Mayenschein standen auf dem Eis. Zwei Münchner, mit denen man gar nicht unbedingt gerechnet hatte.

Es war also nicht nachvollziehbar, was da unten auf dem Eis passierte. Der SCR spielte sich von Minute zu Minute mehr in Probleme. Im ersten Abschnitt verhinderte Daniel Fießinger im Kasten noch gröberen Schaden. Philipp und Nicolai Quinlan hatte da beste Chancen. Beim SCR: Wenn man ehrlich ist, gab es keine Möglichkeit, von der man sagen würde: Der muss drin sein. Das Selbstvertrauen schwand schnell gegen Null. Und in Unterzahl verlor der SCR dann endgültig die Geduld. Er ließ sich locken, bekam eine gute Chance durch Mayenschein, der allein vorm Kasten aber am überragenden Goalie Dominik Gräubig scheiterte. Im Gegenzug machte Oldie Bob Wren das 1:0. Schuss, Nachschuss – niemand störte.

Und was soll man sagen: verdient. Klostersee wurde immer mutiger, spielte mit, schnürte plötzlich den SCR in sein eigenes Drittel ein. Bald war der SCR mit dem Resultat gut bedient. Er brachte es aber nicht in die nächste Pause, denn Jens Glombitza erhöhte in einer dieser Drangphasen auf 2:0.

Mit Powerplay ging es in den Schlussabschnitt – und plötzlich war der SCR im Spiel. Victor Östling traf von außen zum 1:2, keine zwei Minuten später hämmerte Wachter den Puck erstmals in die Maschen. Der Ausgleich. Nun war der SCR am Drücker. Allerdings half nun auch langsam Referee Merath beim Gegner mit. Immer wieder schickte er einen Riesserseer – vornehmlich Kapitän Florian Vollmer – raus. Und Wren schlug wieder zu. Diesmal aber dauerte es nur 19 Sekunden, ehe Leon Müller wieder auf 3:3 stellte. Erneut Wachter sorgte dann drei Minuten vor dem Ende für Jubelstürme, doch wieder fand der Schiedsrichter eine Möglichkeit, Klostersee eine Überzahl zu geben. Genaro Hördt nutzte die Chance im Nachschuss. Unfassbar. Auf normales Eishockey konnte sich da schon keiner mehr konzentrieren. Nach der Diskussion über die Verlängerung machte Wachter 1,6 Sekunden vor dem Ende das erlösende 5:4. Ein irrer Eishockey-Abend.

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