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So sieht Frust aus: die Riesserseer (v.l.) Aziz Ehliz, Dennis Lobach und Jannik Woidtke nach Spielende. 

SCR findet kein Mittel gegen die Peitinger Mauer

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Nächster Dämpfer für den SC Riessersee: In Peiting geht das Team nach einem ordentlichen Start am Ende leer aus. 

Peiting – George Kink wollte diesmal wenig sagen. Doch genau damit offenbarte er der Eishockey-Welt nur seinen ganzen Frust. Gerade bei Auswärtsspielen kennt man den Trainer des SC Riessersee als einen Unterhalter des Publikums bei den Presserunden nach den Spielen. In Peiting beschränkte sich sein Statement auf fünf Sätze. Auf die Frage, ob er denn mit der Reaktion auf die schwache Leistung vom Freitag zufrieden sei, antwortete er gar nicht, was dann auch wieder eine deutliche Replik und ein Spiegel des Seelenlebens war. In Kink brodelte es.

Bei der 2:4-Niederlage gestern Abend spielte sein Team nicht schlechter, aber auch nicht viel besser als gegen die Blue Devils Weiden. Die Zwischenrunde droht deshalb für den SCR zum Debakel zu werden. Nach dem 5:4 über Weiden hatte Kink den Angriff auf die Top-Drei für beendet erklärt. Mittlerweile geht es nicht mehr nur um das Sportliche, sondern um essenzielle Fragen und um die Gunst der Zuseher. Nur mehr knapp über 1000 verfolgten die Partie am Freitag, was automatisch wieder Druck auf die Mannschaft erzeugt, die Ergebnisse liefern muss. Eine Negativ-Spirale, die sich nur mit Siegen aufhalten lässt.

Spiele wie in Peiting verschlimmern die Lage. Erschreckend war, dass der SCR nach ordentlichem Start stark abbaute. Sebastian Buchwieser, der ECP-Coach, gab zu, dass der Gegner „anfangs übermächtig erschien“. Sein Peitinger Team ist so sehr geschrumpft, dass es gar den zurückgetretenen Bad Bayersoier Anton Saal reaktiviert hat. Für ein paar Minuten trat der SCR wie diese Übermacht auf. Die vierte Reihe um Torschütze Thomas Radu erzielte das 1:0. Blöderweise kassierte sie wenig später den Ausgleich (von Rückkehrer Saal) und fand sich danach auf der Bank wieder. „Die Hausaufgaben starten im eigenen Drittel“ – diese Botschaft schickte Kink an seine Jungen.

Mit den Schwierigkeiten des Toreschießens schlug sich danach der Rest rum. Moritz Miguez bezwang als zweiter und letzter Riesserseer ECP-Torwart Florian Hechenrieder. „Zu viele Chancen liegen gelassen“, merkt der Trainer an. Das stimmte, vor allem in Abschnitt eins. In den restlichen 40 Minuten quälten sein Team jedoch viel gröbere und grundlegendere Dinge. Der Peitinger Trainer hatte sich ein Mittel ausgedacht, das der Außenseiter gerne wählt: Zugang zum Angriffsdrittel abriegeln. Dadurch legte der ECP das Passspiel des SCR lahm und zwang ihn, den Puck tief in die Zone zu schießen. Das schnörkellose Spiel „mögen sie nicht so sehr“, erkannte Buchwieser. Kollege Kink sah „Probleme im offensiven Scheibenspiel“. Einfacher ausgedrückt: Viel zu wenige Pässe landeten am Ziel.

Trotzdem kamen beide Mannschaften zu mehreren Großchancen, weil ihnen (selbst in Überzahl) unerklärlich häufig der Puck entwischte. Daniel Allavena und Hechenrieder entschärften diverse Alleingänge. Beim Ausgleich von Maximilian Schäffler präsentierten sich die Hausherren deutlich Puck-gieriger vor dem SCR-Tor. Diesen „Kampf und die Moral des kleinen Kaders“ hob Buchwieser hervor. Peiting hielt sich bis zum Ende an seinen Plan – im Wissen um Konter, die bei dieser Art Eishockey zwangsläufig anfallen. Florian Stauder verwertete einen zum 4:2. Zuvor hatte ein Überzahltor von Ty Morris das Duell nach einer von mehreren Strafzeiten entschieden.

Unbegreiflich, wie ein läuferisch derart überlegenes Team so viel Zeit auf der Strafbank verbringt. Kink schob’s auf die Jugend. „Wir denken zu offensiv. Das ist ein Problem im System.“ Es ist einer von vielen Kratzern, die der Coach lackieren muss. Nach den zwei Unfällen an diesem Wochenende sind einige hinzugekommen.

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