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Unter Freunden: EHC-Kapitän herzt nach seinem besonderen Heimspiel den SCR-Kollegen Uli Maurer, der seinerseits von den Münchner Fans gefeiert wurde.

Teilerfolg für den SCR: Oberligist schlägt München im Penaltyschießen

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Es war ein Eishockeyfest am späten Sonntagnachmittag: Fast 2000 Zuschauer kamen trotz der hochsommerlichen Temperaturen, um den SC Riessersee und den EHC Red Bull München zu sehen. Dass der Dreifach-Meister der Jahre 2016 bis 2018 dominierte und 8:1 gewann, war vorherzusehen. Doch auch der SCR war ein Gewinner an diesem Tag.

Garmisch-Partenkirchen – Natürlich fiel das Ergebnis am Ende noch standesgemäß aus. 1:8 – das drückte die Kräfteverhältnisse schon sehr gut aus. „Es wäre auch schlimm, wenn sich keine spielerischen Unterschiede bemerkbar machen würden“, sagt Christian Winkler. Der Münchner Manager verfolgte gestern Nachmittag in aller Ruhe das große Eishockey-Duell im Olympia-Eissportzentrum. Und er sah wie an die 2000 weitere Zuschauer ein unterhaltsames Spiel, das freilich das DEL-Topteam dominierte, in dem aber auch der SC Riessersee ein paar Szenen bekam. „Der SCR hat sich nach Kräften gewehrt, ich denke, am Ende haben beiden Seiten etwas davon gehabt“, urteilt Winkler.

Mehr als 30 Grad waren es vor der Halle. In der Arena ließ es sich gut aushalten. Und als es auf 16 Uhr zuging, da wuchs auch in der Kabine beim SCR die Anspannung. „Als die Jungs das Lineup von München gesehen haben, da wurde einigen sicher bewusst, was da kommen wird“, sagt Trainer George Kink. Eine Sturmformation mit den drei Olympia-Helden Patrick Hager, Yasin Ehliz und Neuzugang Philipp Gogulla zum Beispiel, dann die Reihe mit den NHL-Cracks Patrick Roy und Chris Bourque. Da darf einem als Oberliga-Spieler schon mal kurz das Herz in die Hose rutschen. In den ersten Minuten sah man es den Gastgebern an, dass sie Respekt hatten. Vom Eröffnungsbully ging es in Richtung Danny aus den Birken. Ja, der hütete tatsächlich den den Kasten der Riesserseer. Und das war gut so. „Neun Paraden in drei Minuten, und was für welche“, sagt Kink. „Wenn er die nicht rausholt, ist nach drei Minuten schon alles durch.“

So dauerte es eine Zeigerumdrehung mehr, bis das 1:0 fiel. Tja, und wer was es wohl? Maximilian Kastner natürlich. Das Garmisch-Partenkirchner Eigengewächs. Er durfte sogar als Kapitän der Münchner in der Heimat auflaufen – und drückte dann eben den Puck zur Münchner Führung über die Linie. Kastner jubelte nicht, sparte sich das. „Das ist für mich selbstverständlich, der SCR ist mein Heimatverein, gegen den trifft man eh nur ungern.“

Dennoch gab er den Startschuss aus Münchner Sicht. Das 0:2 folgte prompt. Da konnte auch aus den Birken nichts tun. Der SCR bekam keine Luft zum Atmen. Die Münchner waren überall. Geordneter Spielaufbau – kaum möglich. Wenn zu Beginn ein paar Aktionen kamen, dann von der EHC-Youngster-Reihe auf Riesserseer Seite: Justin Schütz, Dennis Lobach und der etwas routiniertere Maximilian Daubner gaben mächtig Gas. „Eine unglaubliche Power“, betont Kink anerkennend. Kein Wunder war es dann, dass Letzterer nach dem zwischenzeitlichen 0:3 tatsächlich den Abschlusstreffer für den SCR markierte. Da ließ sich der EHC doch wirklich einmal auskontern, Daubner schlenzte den Puck millimetergenau in den rechten Torwinkel. Da gab’s nichts zu halten für Daniel Fießinger, die Riesserseer Nummer eins im Kasten der Münchner.

Vielleicht machte dieser Treffer dem SCR ein wenig Mut. Denn in der Folge diktierte zwar weiterhin der dreifache Meister der Jahre 2016 bis 2018, doch die Hausherren stemmten sich immer besser dagegen. Gestützt auf den bärenstarken Kevin Reich, der ab dem zweiten Drittel den Kollegen aus den Birken ersetzte (siehe Artikel rechts), hielt der SCR in den zweiten 20 Minuten ein 0:0 und damit das 1:3. „Da haben wir uns echt gefangen“, urteilt Kink erfreut. Auch Don Jackson, Cheftrainer der Münchner, erkannte das neidlos an. „Das Garmischer Team hat einen guten Job gemacht, stark defensiv gespielt, und es hatte sogar ein paar gute Chancen.“ Lobach, Aziz Ehliz und Silvan Heiß scheiterten aber, die beste Möglichkeit bot sich Florian Vollmer im Schlussabschnitt, als ein Münchner Verteidiger ihn mit einem Fehlpass bediente. Doch der SCR-Kapitän war zu überrascht, verzog freistehend.

So kam es am Ende, wie es kommen musste. Beim SCR schwanden die Kräfte, die Münchner nutzten die Lücken und schraubten das Resultat in standesgemäße Höhe. „Dann siehst du halt den Unterschied so richtig“, kommentiert Kink.

Einen Erfolg verbuchte der SCR am Ende aber doch. Jackson hatte die Idee gehabt, nach den regulären 60 Minuten noch eine Verlängerung und ein Penaltyschießen dranzuhängen. Kink willigte ein. Mehr Show für die Fans, mehr Trainingseffekt für sein Team. Der SCR überstand die sieben Minuten mit drei gegen drei und schlug dann im Penalty-Duell mit 2:1 eiskalt zu. Und es waren nicht einmal die Förderlizenzspieler, die trafen: Heiß narrte Fießinger mit einem Beinschuss, Moritz Miguez machte den Sack mit einer schönen Aktion zu.

Und noch ein Riesserseer war ein Gewinner. Ging fast ein wenig unter. Jackson kam als Erster drauf: „Nur ein Goalie hat einen Shutout gemacht.“ In der Tat: SCR-Talent Daniel Allavena, der ein Drittel lang den Münchner Kasten komplett sauber hielt. Klar war es nur eine kleine Randnotiz an einem Tag, der für den SCR tatsächlich zum Eishockeyfest wurde. Auch, weil alle Helfer und Arbeiter im Stadion auf ihr Honorar verzichteten. Eine feine Geste, die auch die Münchner Fans mit viel Applaus honorierten.

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