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Mehr als einen Schritt voraus: Alex Preibisch und seine Steelers (l.) gegen Simon Mayr und den SCR. 

Eishockey: DEL 2

Top-Duell zeigt: SCR noch nicht reif für die Spitze

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Die Serie ist Geschichte: In Bietigheim kassiert der SC Riessersee wieder eine Niederlage. Beim 3:6 zeigt der Gegner, wie viel noch zur Liga-Spitze fehlt. Allerdings hält Steelers-Coach Gaudet den SCR sogar für einen Final-Kandidaten.

Bietigheim-Bissingen – Die DEL 2 hat ein neues Spielzeug. Vor einigen Tagen ging ihr eigener Podcast auf Sendung. Ausgestrahlt wird das Hörspiel über das Streaming-Portal der Liga, Sprade-TV. Gestern unterhielt man sich lange über das Spitzenspiel zwischen Bietigheim und Riessersee. Die beiden Moderatoren, zwei Eishockey-Fans, waren sich einig: In diesem Duell fallen viele Tore.

Toni Söderholm hätte sich gegen diese Aussage gewährt. Denn es trafen ja auch die zwei besten Defensivreihen der Zweiten Liga aufeinander. Außerdem hat er für Auswärtsspiele ein paar Grundregeln aufgestellt. Die wichtigste schreibt vor, die ersten zehn Minuten, besser den ganzen Abschnitt, ohne Gegentreffer zu überstehen. Sein Team scheiterte auf ganzer Linie, lag nach 20 Minuten 0:2 hinten und verlor 3:6. Die Serie von acht Siegen am Stück ist gerissen. Aber getrauert hat Söderholm natürlich nicht.

Das Spiel zeigte vielmehr, wie stark zum einen Tabellenführer Bietigheim ist und zum anderen, was dem SCR noch zu den besten zwei Teams fehlt. Natürlich gingen mit den Mittelstürmern Andreas Driendl und Jared Gomes zwei der wichtigsten Spieler ab. „Wenn beide zurückkommen, können die Riesserseer auch ins Finale kommen“, sagt Kevin Gaudet. Der Coach der Steelers hat wieder getan, was er so gerne macht: den SCR loben. Allerdings stellte er auch einen Mangel fest, der sich oft bei erfolgreichen Teams einnistet. Nach so vielen Siegen sei eine Mannschaft „flat“ – also frei übersetzt: nicht mehr so gierig. „Es ist nicht einfach, ein solches Team zu motivieren.“

Um dieses Problem sorgt sich Gaudet nicht. Gerade erst war die Heimserie von 13 Siegen in Folge gegen Freiburg zu Ende gegangen. Das stachelte an. Außerdem drängte Bietigheim, seine Vormachtstellung gegen die aufmüpfigen Garmisch-Partenkirchner zu untermauern. Im ersten Drittel schafften sie es, den SCR wie einen Trainingspartner aussehen zu lassen, der einem Schaukampf zugestimmt hatte. „Das war sehr, sehr gut – wie eigentlich das ganze Spiel“, sagt Gaudet. Gäste-Trainer Söderholm fand, dass die Steelers „richtig gut drauf waren, wir aber nicht“. Bietigheim hat das passende Werkzeug im Kader, um die Sturmwaffen des SCR zu entschärfen. Das gesamte Team der Hausherren lässt die Scheibe so sicher laufen, dass die Gäste überhaupt keine Chance auf den Puck hatten. Sobald sie versuchten, Angriffe aufzubauen, ging Bietigheim dazwischen. Nur sechsmal schoss Riessersee aufs Tor, ein wirklich gefährlicher Versuch war nicht dabei.

Um mit den Besten mitzuhalten, muss der SCR bei den Special-Teams zulegen. In Unter- und Überzahl zählt das Team nur zum Liga-Schnitt. Bietigheim nutzt dagegen sein Powerplay, um Spiele zu entscheiden. Gleich die erste Strafe brachte den Steelers das 1:0 ein. Die vier Riesserseer sahen aus, wie junge Hunde, die einem Ball hinterjagen, aber nicht rankommen, so flott bewegte sich der Puck. Nach zig Pässen schloss Matt McKnight aus kurzer Distanz ab. Beim 2:0 bediente Max Lukes neben dem Tor Sturmkollege Alexander Preibisch. Das Tor ärgerte Söderholm, weil er sich in der Vorbereitung speziell mit diesen Querpässen beschäftigt hatte. „Da hatte Bietigheim zu viele Chancen und Tore“, monier der Finne.

Weil gleichzeitig auch das Unterzahlspiel sowie Torwart Ilya Sharipov erstklassig funktionieren, kamen die Gäste nicht heran. Stattdessen baute der Spitzenreiter die Führung aus, zog auf 4:0 davon – und ließ nach. „Das kannst du dir in dieser Liga nicht erlauben“, sagt Gaudet. Mit dem Phänomen beschäftigt er sich seit Wochen. Bietigheim schafft es, einen großen Vorsprung zu erarbeiten und ihn wieder zu verspielen. Riessersee kam im dritten Abschnitt auf 3:4 heran. „Das war gut, das nehmen wir mit“, sagt Söderholm. Drei Minuten lang schnupperte Riessersee nach dem Traumtor von Maximilian Daubner am Ausgleich. Er fiel nicht. Stattdessen entschied Bietigheim das Neun-Tore-Spektakel mit zwei Treffern.

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