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Wieder nix mit Derby-Sieg: SCR scheitert an Hexer Rämö

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Von: Simon Nutzinger

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Notfalls mit dem Rücken: ECT-Goalie Mikko Rämö hält auch diesen Versuch von Jared Gomes. © Andreas Mayr

Der Zweite verliert beim Letzten – solche verrückten Dinge passieren im Derby: Beim 2:3 in Tölz unterlaufen dem SCR zu viele Fehler. In der Offensive fehlen die Ideen, um am neuen Hexer der Löwen vorbeizukommen.

Bad Tölz – Für die Knaller sorgten an diesem Abend die falschen Riesserseer. Gerade als ganz Tölz jubelnd auf Mikko Rämö zustürmte, knallte es hinter dem Torhüter zweimal. Aus dem Block der Gäste waren zwei Böller Richtung Eis geflogen. Eine unmögliche Aktion, die die Feierlichkeiten der Löwen für einen Moment unterbrach.

Auf der anderen Seite der Eisfläche standen die Garmisch-Partenkirchner. Einige stützten sich auf ihre Schläger, weil es sie offensichtlich nicht mehr ohne hielt. Die Blicke richteten sich zur Fankurve. Man wusste nicht, ob sie sich nun für die Aktion der Fans schämten oder über die 2:3-Niederlage ärgerten. Vermutlich traf sie in diesem Augenblick der Frust über die vorigen 60 Minuten härter.

Zum zweiten Mal in dieser Saison verlor der SCR beim Erzrivalen, zum zweiten Mal belohnten sich die Tölzer für den ganzen Schweiß, den sie auf dem Eis vergossen hatten. Gegen eine Mannschaft, die ihnen technisch und individuell überlegen ist, halfen nur die Tugenden der Tüchtigen: Kampf, Einsatz und ganz viel Wille. Und natürlich dieser finnische Hexer, den in Tölz bereits nach acht Spielen alle lieb haben.

Der ECT hat auf die harte Tour erfahren müssen, was es in der Zweiten Liga braucht, um als Aufsteiger erfolgreich zu sein: einen Goalie, der Spiele entscheidet. Anfangs hatten sie auf Andreas Mechel gesetzt, einen soliden Mann, der seinen Job als Ersatztorhüter bei Top-Team Bietigheim verrichtet hatte. Aber mit der Rolle als Nummer eins wuchsen Druck und Ansprüche. Viele knappe Partien verlor Tölz, weil Mechel zwar ordentlich hielt, aber keine Unhaltbaren herausfischte. Manche sagen, mit diesem Rämö würde der Aufsteiger nicht am Ende herumdümpeln. Eiskalt wie der Winter in Finnland hielt er beinahe jeden Schuss der Gäste. Manchmal saß er im Spagat auf dem Boden, manchmal kniete er und einmal lag er sogar auf dem Rücken, als er einen Versuch von Jared Gomes entschärfte.

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Frustrierte Riesserseer nach der Schlusssirene. © Andreas Mayr

Der SCR hatte nicht schlecht gespielt. Im ersten Drittel legte er sich die Tölzer Löwen zurecht. Von rechts nach links und wieder zurück wanderte die Scheibe. Die Gäste wollten sich für die 3:7-Schmach im Oktober revanchieren. Vielleicht sogar zu sehr. Das kam auch Coach Toni Söderholm so vor. „Aber lieber ist die Mannschaft übermotiviert als das Gegenteil.“ Für „den Frühling“ – also die Playoffs – müsse sie noch lernen, in diesen Partien schlau zu spielen. Allein siebenmal spielte Riessersee in Überzahl – nur ohne Ertrag. Es fehlte an kleinen Sachen, an präzisen Pässen, an Arbeit vor dem Tor. „Die Qualität war nicht da. Der letzte Pass oder Schuss ist immer im Schlittschuh gelandet.“ Ja, die Werdenfelser waren spielerisch besser und tonangebend. Aber die letzte Konsequenz vor dem gegnerischen Tor ging ab.

Dazu erlaubten sie sich zu viele Aussetzer. Beim 0:1 nach vier Minuten ließ sich Christian Hummer im eigenen Drittel an der Bande den Puck abluchsen. Philipp Schlager bediente Johannes Sedlmayr, der Goalie Kevin Reich umkurvte. Das zweite Gegentor nach elf Minuten ging auf die Kappe des Torwarts. Einen – zugegebenermaßen scharf abgefeuerten – Schlagschuss ließ er abprallen. Julian Kornelli nutzte das Geschenk aus. Söderholm nimmt den jungen Iserlohner in Schutz. „Überhaupt kein Vorwurf, er hat uns immer wieder im Spiel gehalten.“ Bei solchen Abwehrfehlern habe man es als Torhüter schwer.

Dem SCR vorzuwerfen, dass er sich nicht wehrte, wäre falsch. Er versuchte viel, doch auch während einer doppelten Überzahl-Phase fehlte die zündende Idee. Unverändert das Bild im zweiten Drittel: Die Riesserseeer drängten den ECT in sein Drittel, schnürten ihn teilweise ein. Doch das Tor blieb wie vernagelt. Die Endstation hieß Rämö. Auch als Joel Johansson in der 31. Minute alleine auf den Finnen zulief, hielt Rämö. Dass er doch zu überwinden ist, bewies fünf Minuten später Stephan Wilhelm. Nach Ablage von Tim Richter zimmerte er die Scheibe mit Höchsttempo in den Winkel. Ein klasse Treffer. Doch leider – aus Sicht des SCR – erwies er sich nicht als der erhoffte Knotenlöser.

20 Sekunden vor Ende des zweiten Drittels folgte der nächste Dämpfer. Gerade hatte Eder die Ausgleichschance vergeben, da zeigten die Tölzer dem SCR, was Effektivität bedeutet. Im Konter über links schoss Vihko die Scheibe ins kurze Eck. Goalie Reich gab erneut keine glücklich Figur ab. Von diesem Schock erholte sich der SCR nicht mehr. Es dauerte bis 90 Sekunden vor Schluss, ehe Richard Mueller zum 2:3 traf. Zu wenig. Nicht nur die Fans enttäuschte das, auch den Trainer. „Das war nicht das, was wir können.“

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