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Abschied mit einem Lächeln: Eine letzte Ehrenrunde drehte Stephan Wilhelm noch in der Ostkurve, begleitet von seinen Kindern. 

„Opa“ Wilhelm zieht den Schlussstrich unter seine Eishockey-Karriere

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Das war‘s für Stephan Wilhelm: Zwölf Spiele hat er noch einmal für den SC Riessersee in der Oberliga bestritten. Nun ist Schluss. Komplett. Unumstößlich. Auch zum EV Mittenwald wird nicht mehr zurückkehren - höchstens als Zuschauer. Im Leben des 36-Jährigen verdienen nun andere Herausforderungen höchste Priorität. 

Mittenwald – Das Wort Comeback gefällt Stephan Wilhelm nicht. „Ich habe nur ausgeholfen“, sagt er. „Ein Comeback wäre es vielleicht gewesen, wenn ich bis Ende der Saison weitergemacht hätte.“ Doch: Das tut er nicht. Für den Mittenwalder ist Schluss. Das Heimspiel gegen den EC Peiting am vergangenen Freitag war sein letztes im Dress des SC Riessersee – unumstößlich. „Es langt jetzt einfach“, betont der 36-Jährige. „Für mich war es nie ein Thema, weiterzuspielen, auch wenn es viele gerne gesehen hätten. Ich habe immer gesagt, dass ich weg bin, wenn die Jungs alle wieder da sind.“ Wilhelm steht zu seinem Wort. Er geht sogar noch einen Schritt weiter. Er kehrt auch beim EV Mittenwald nicht mehr aufs Eis zurück. „Ich habe mit dem Vorstand telefoniert und ihm gesagt, dass ich nicht mehr spielen werde.“ Stephan Wilhelm gibt es künftig nur noch als Zuschauer oder Co-Trainer der U9 beim SCR.

Die Gründe sind vielschichtig. „Die vergangenen fünf, sechs Wochen waren sehr intensiv“, sagt er offen. Vor allem aber liegt nun eine neue Herausforderung vor der jungen Familie Wilhelm: Der Vater hat dem Sohn offiziell zum 1. Januar die Firma überschrieben. Nun steht der Junior in der Verantwortung – und will sich dieser für den Familienbetrieb mit voller Kraft stellen. Eishockeytechnisch habe er in 19 Profijahren genug erlebt, sehr viel Positives. „Ich hatte beim SCR damals schon einen schönen Abschied, dann kam vergangene Saison der Bezirksliga-Titel mit dem EVM, es passt jetzt einfach, das war ein schöner Abschluss.“

Wilhelm habe der Eishockeysport immer Spaß bereitet. „Und das wird er immer tun“, fügt er. Die Rückkehr für zwölf Spiele zum SCR bereut er keineswegs. „Ich hatte es versprochen, und es war schön, vor allem auch für meine Kinder, die mich noch einmal sehen konnten“, betont er. Doch ist es ihm nun wichtig, den klaren Schlussstrich zu ziehen.

Dazu gibt es einen Hintergrund. „Ich habe genau eine solche Situation schon erlebt und gesehen, wie es für junge Spieler ist, wenn ihnen ein älterer den Platz wegnimmt.“ Wilhelm war damals 22 Jahre alt, spielte nach dem finanziellen K.o. des SCR im Dezember 2003 zwei Saisons in Essen. „Die Situation war ähnlich, nur war der Spieler damals schon Trainer, kam zurück und zog die gesamte Saison durch.“ Die Leidtragenden waren die Talente, die fortan auf der Bank schmorten. „Für einen jungen Spieler ist es ein Scheißgefühl, wenn du dann zuschauen musst. Genau das will ich persönlich anderen Spielern nie antun.“ Gerade, da der SCR über viele junge Burschen verfüge, die am Anfang ihrer Karriere stehen. „Sie haben ihre Chance verdient, sie sollen ihren Weg gehen können.“

Wilhelm hat das Intermezzo von immerhin zwölf Partien dennoch genossen. Auch wenn er sich im ersten Training dachte: „Puh, das ist schon schneller als in Mittenwald.“ Er fand sich fix zurecht, bediente sich seiner Routine aus fast 400 DEL-Partien. „Ich glaube, ich bin ganz gut reingekommen“, bilanziert er bescheiden. Wilhelm wich auch nicht davor zurück, Verantwortung zu übernehmen. „Ich hab’ in der Kabine schon meinen Mund aufgemacht. Ich denke, das musste ich auch. Ich weiß aus meiner Erfahrung, wann man etwas sagen muss oder auch mal einen Scherz macht.“

Vor allem gefiel dem „Opa“ – so scherzten die Kollegen auf der Bank – der Kontakt mit dem Team. „Es war schön, die Burschen alle persönlich kennenzulernen. Die Mannschaft ist ein Super-Haufen.“ Dem traut er die Playoffs durchaus zu. „Ich denke, das klappt, auch wenn es sehr eng ist in der Oberliga. Die Burschen hätten es verdient, sie arbeiten so hart dafür.“ Er wird die Entwicklung verfolgen. Abseits des Eises. Wo er im Stadion mit einer Bratwurst in der Hand sitzen wird, hat er den Kollegen schon verraten.

Bei den Mittenwalder Kameraden schaut er heute Abend im Training vorbei. Mit einem Kasten Bier. „Ich habe ihnen die Situation im Mannschafts-Chat schon erklärt“, sagt er. Aber für Wilhelm ist selbstverständlich, dass er persönlich Abschied nimmt. Vielleicht sieht man ihn demnächst mit den Alten Herren auf dem Eis – egal ob in Mittenwald oder in Garmisch-Partenkirchen. Denn ganz loskommen wird er nie vom Eishockey. Nur ein Wort nimmt er nicht mehr in den Mund: Comeback. Das wird’s nicht mehr geben.

Talente sollen nicht
sitzen müssen

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