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Abschied von Weiß-Blau : Valentin Gschmeißner wechselt die Farben, wird künftig ein Schwarz-Gelber. 

Eishockey: SC Riessersee

Für Gschmeißner ein Glücksfall

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Kurz vor den Schreckensnachrichten beim SC Riessersee über neue finanzielle Nöte hatte der Verteidiger Valentin Gschmeißner (24) kein weiteres  Angebot für eine neue Saison erhalten. Letztlich ein Glücksfall für ihn: Er kam beim Erzrivalen Tölzer Löwen unter - und hofft nun auf weitere Duelle mit seinem Heimatverein 

Seehausen – Die Frage, die Valentin Gschmeißner in den vergangenen Tagen zu hören bekam, war im Grunde immer ähnlich formuliert. Motto: Ist das wirklich dein Ernst? „Da musste ich schon schmunzeln“, räumt er ein. „Die Leute haben mich gefragt, ob ich es wirklich übers Herz bringe, nach Tölz zu gehen.“

Was bleibt ihm denn anderes übrig? Der Seehauser ist Eishockeyprofi – und will es bleiben. Da der SC Riessersee dem Eigengewächs noch vor allem Brimborium um die Zukunft des Vereins keinen Vertrag für die nächste Saison mehr angeboten hatte, musste sich der 24-Jährige umschauen. „Und mit Bad Tölz habe ich einen Super-Verein gefunden.“ Bei den Löwen zu spielen, passt Gschmeißner bestens ins Konzept. „Ich bin daheim in meiner Region, bleibe im gewohnten Umfeld, und ich kann alles perfekt mit dem Studium in Einklang bringen.“ Neben dem Eishockey arbeitet er an seinem Abschluss in Betriebswirtschaftslehre. „Und ich bin jetzt dann hoffentlich bald fertig.“ Ein Engagement in der Ferne wäre ihm da sehr ungelegen gekommen.

Vielleicht hätte Gschmeißner als angehender BWL-Fachmann mal einen Blick in die Bücher beim SCR werfen sollen. Die Zustände bei seinem alten Klub treffen ihn ins Mark. „Wir haben unter der Saison überhaupt nichts mitbekommen“, sagt er. Seinen Wechsel nach Tölz sieht er mittlerweile als Glücksfall. So bleibt ihm erspart, was einige seiner Ex-Kollegen und Spezl nun durchmachen. Das Warten und Bangen. „Ich würde mir wünschen, dass das Team in der DEL2 bleibt, der SCR ist immer noch mein Heimatverein.“ Es tue ihm für die vielen Fans leid wegen der Aufbruchsstimmung, die zum Ende hin herrschte, vor allem aber für die Teamkameraden. „Ich trainiere fast täglich mit Uli Maurer. Er hat seine DEL-Karriere aufgegeben, um nach Hause zu kommen. Nun das.“ Gschmeißner spricht auch ganz offen aus, dass die April-Gehälter bisher nicht geflossen seien.

Dass es zum Absprung vom SCR kam, überraschte den Neu-Verteidiger selbst. „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich kein Angebot bekommen würde.“ Als er jedoch vom Schicksal von Simon Mayr erfuhr (Anm.d.Red.: Am Dienstag wurde dessen Wechsel nach Bayreuth bekannt), dämmerte ihm, es könne auch ihn erwischen. „Am Anfang war ich ziemlich enttäuscht.“ Doch er begriff schnell, dass „ich im Endeffekt jetzt Glück hatte.“ Er hat sich vorgenommen, aus dieser Erfahrung das Positive herauszufiltern. „Es geht immer irgendwie weiter.“ Denn nicht nur zu den Tölzer Löwen hatte Gschmeißner schnell Kontakt aufgebaut. Zwei oder drei andere Klubs buhlten auch um die Dienste des jungen Deutschen.

Kein Wunder: In den Playoffs der DEL2 hatte er beste Werbung für sich betrieben. Er entwickelte sich zu einem der stabilsten Verteidiger des Zweitliga-Vizemeisters. Das fällt auch anderen Teammanagern auf. Der Kontakt in den Nachbar-Landkreis fiel deshalb leicht, weil er Geschäftsführer Christian Donbeck aus seiner Landshuter Zeit kannte. „Ich hatte per Förderlizenz ja mal ein paar Spiele dort gemacht.“

Daher war den Tölzer Löwen auch klar, wen sie sich angeln, dass Gschmeißner kein gelernter Verteidiger ist. Ein durchaus wichtiger Faktor. Ein zum Abwehrmann umfunktionierter Stürmer muss in seiner neuen Rolle nicht immer glücklich werden. Das zeigte sich beim SCR am Beispiel von Sean Fischer. Der war als Verteidiger aus Weißwasser gekommen, konnte die Erwartungen in der Defensive aber nie erfüllen.

Das Beispiel hat Gschmeißner live miterlebt. Sein Vorteil: Der Allrounder hängt nicht zwischen den beiden Positionen fest. „Mein Ziel war, bei einem neuen Verein als Verteidiger zu unterschreiben.“ In dieser Funktion fühlt er sich mittlerweile pudelwohl. „Das macht mir Spaß, du kannst selbst entscheiden, wie offensiv du dich einbringst.“ Die Umstellung fiel ihm nicht schwer. „Als Toni Söderholm mir in der Vorbereitung gesagt hat, du spielst heute Verteidiger, da war ich schon nervös.“ Geholfen hat ihm, dass er auch als Stürmer nicht der Scorer war. „Ich hatte ja eher defensive Aufgaben.“ Nun sieht er sich „fix als Verteidiger“.

Ob er künftig gegen den SCR Checks austeilen kann – „ich hoffe es“. Schließlich sei der Fortbestand der Riesserseer für die Löwen von enormer Bedeutung. „Wir wollen nicht Bayreuth, sondern den SCR als Gegner.“ Er spricht’s schon ganz gelassen aus.

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