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Bislang letzter Auftritt in der Runde der Besten: Michael Rimbeck (r.) und Florian Vollmer gegen Bietigheim 2014.

Heuer soll es besser laufen

Das Ende der Dramen: So sehen die SCR-Spieler die bitteren Niederlagen der vergangenen Jahre

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Florian Vollmer, Michael Rimbeck und Stephan Wilhelm haben schon vieles erlebt beim SC Riessersee. Sie verraten, wie sie mit den vergangenen Pre-Playoff-Pleiten umgegangen sind.

Garmisch-Partenkirchen – Im Sport hat es schon die unterschiedlichsten Methoden gegeben, mit traumatischen Niederlagen umzugehen. Eine besonders grausame, aber effektive wählten einmal die NBA-Basketballer aus San Antonio. Nachdem sie im Finale eine hohe Führung und den Titel verspielt hatten, trommelte sie ihr Coach zu Beginn der neuen Saison in einer Militär-Basis zusammen. Er verdunkelte den Raum und quälte sie immer und immer wieder mit den Szenen des historischen Debakels. Sie brannten sich ein und dienten als Kraftstoff, der sie ein ganzes Jahr antrieb, bis sie im Finale denselben Gegner schlugen. Späte, aber süße Vergeltung war das.

Von solchen psychischen Spielchen hält Florian Vollmer nichts. Er hat in all den Jahren beim SC Riessersee einige Niederlagen erlebt, die geschmerzt haben. Zuletzt schied er mit dem SCR dreimal in Folge in den Pre-Playoffs aus. Als erstes Team im deutschen Profi-Eishockey ging es in den Urlaub. Dreimal bekamen die Garmisch-Partenkirchner nur die Vorband zu hören. Vor dem große Konzert schmiss man sie raus. In etwa so muss sich das angefühlt haben. Um die Dramaturgie auf die Spitze zu treiben: In jedem Jahr entschied sich die Saison erst im dritten und letzten Pre-Playoff-Duell. Der SCR verlor sie alle. Gegen Dresden. In Rosenheim. In Bayreuth. Es gibt keine Steigerung zu dieser 1:2-Niederlage im Vorjahr. 8,1 Sekunden vor Ende erzielte Bayreuth das Tor, das ein Jahr mit 52 Ligaspielen, acht Vorbereitungspartien und drei Pre-Playoff-Begegnungen mit einem Moment beendete. „Das schaust du dir nicht mehr an“, sagt Vollmer – der Kapitän beim Zweitligisten. Stephan Wilhelm, ein Jahr älter und DEL-Veteran, ärgerte sich „tierisch“. Doch er versuchte so schnell zu vergessen, was nicht zu vergessen ist. „Du hast die 8,1 Sekunden immer im Kopf“, sagt Michael Rimbeck, ein weiterer aus der Werdenfelser Fraktion, der das Drama mitgemacht hat. Doch es bringe nichts, ewig daran „herumzuknabbern“, sagt Wilhelm. Bei Rimbeck dauerte es schon ein bisschen, bis er davon wegkam. „Es gab viel hätte, wenn und aber“, sagt er. Letztlich half ihnen diese märchenhafte Saison, mit dem Tigers-Trauma seinen Frieden zu finden, es zu begraben. Was in diesem Jahr anders laufe? Vollmer antwortete: „Diesmal sind wir Erster.“ Oft lassen sich die kompliziertesten Dinge so einfach erklären.

Es nützt, die Umstände zu betrachten. In den vorigen zwei Spieljahren hatten Verletzungen das Personal und die letzten Kräfte bei den Verbliebenen verzehrt. Kontingentspieler tauchten nur noch auf dem Spielbericht auf. Lediglich an den Einheimischen hat es nie gelegen. Die Ewig-Treuen dürsten nach Playoffs. „So oft waren wir nicht dabei“, sagt Rimbeck. Zuletzt trat Riessersee vor vier Jahren in einem Viertelfinale gegen Bietigheim an. Diese Serie – 1:4 endete sie – zeigt, wie sehr sich Playoff-Momente festigen. Rimbeck und Vollmer erinnern sich an viele Details. An den Auswärtssieg beim Favoriten im ersten Spiel. An die knappe Heimniederlage. „Wir waren am Anfang die bessere Mannschaft“, sagt Rimbeck. Vollmer führte sein Team als Top-Scorer und Torjäger an. „Wir waren näher am Weiterkommen, als es das Ergebnis sagt.“ Doch der Kader damals bestand aus zu vielen Kämpfern. Er habe keine Tiefe gehabt, sagt Vollmer. In Bietigheim spielten „mehr Füchse, die eine Partie entscheiden können“, ergänzt Rimbeck. Vier Jahre später beneiden die anderen Teams den SCR um seine Füchse – Routiniers wie Andreas Driendl, Richard Mueller, Wilhelm, Vollmer.

Ihre Erfahrung hat den Zweitligisten auf Rang eins geführt. An die Öffentlichkeit hatten sie im Sommer kommuniziert, einen direkten Playoff-Platz erreichen zu wollen. Aber in der Kabine sprachen sie über die Top-Vier, über Heimrecht in der ersten Runde. Als Bietigheim, der Favorit, im Endspurt patzte, machten sich die Werdenfelser auf zur Jagd. Sie holten den Vize-Meister ein. Doch dieser Vorrunden-Titel ist mehr eine symbolische Sache. Der Heimvorteil, so sieht es Joel Johansson, komme nur in einem Entscheidungsspiel zum Tragen. Riessersee hat 22 von 26 Duellen zuhause gewonnen. „Wirklich 22?“, fragt Johansson. „Das ist unfassbar gut.“ Allerdings sieht er auch eine Last in der Spitzenposition. Im ersten Spiel, das heute stattfindet, liege aller Druck dieser Eishockeywelt auf dem Heimteam, seiner Mannschaft. Verteidiger-Kollege Wilhelm geht dennoch ganz gelassen in die Meisterrunde. Es gebe nun acht Teams, jedes möchte die Meisterschaft holen. „Alle haben dieselben Chancen“, betont er. Stürmer Rimbeck denkt nur noch an die zwölf Siege, die es bis zur Meisterfeier braucht. In manchen Vereinen befestigen die Spieler eine Strichliste in der Kabine. Kapitän Vollmer verrät nicht, wie es beim SCR abläuft. Erst nach dem möglichen Titel möchte er das Geheimnis lüften. Den Silberpokal, den der DEL2-Meister erhält, sieht man immerhin schon auf einer der vielen Türen im Olympia-Eissportzentrum.

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