Noch einer Neuer: SCR-Trainer Axel Kammerer kann nun auch auf Stürmer Erik Condra bauen. foto: cf

Der etwas andere Weg

Garmisch-Partenkirchen - Erik Condra ist der dritte NHL-Spieler beim SC Riessersee - Manager Bader fordert, die Trendwende zu bestätigen

So ganz alltäglich ist die Situation beim SC Riessersee derzeit nicht. Dass ein Verein in der sportlichen Misere nicht gleich das schwächste Glied, den Trainer, opfert, sondern bei der Mannschaft ansetzt, das ist nicht die gängigste Lösung. „Ich habe vor 14 Tagen schon gesagt, dass wir einen anderen Weg gehen. Und dem trage ich nun Rechnung“, betont Manager Ralph Bader. Gestern konnte er in der Pressekonferenz vor dem Ravensburg-Heimspiel freudig verkünden, dass der Deal mit dem EV Füssen geklappt hat: Erik Condra, 26-jähriger NHL-Stürmer von den Ottawa Senators, kommt zum SC Riessersee - als nun dritter Spieler aus der besten Liga der Welt. „Ob er schon gegen Ravensburg dabei ist, hängt vom amerikanischen Verband ab, der die Freigabe neu erteilen muss.“ Aber Bader ist zuversichtlich: „Ich gehe davon aus, dass es klappt.“ Betreuer Sigi Hempel setzte sich am Nachmittag ins Auto und holte den neuen Mann in Füssen ab.

Auf die Frage, wie Condra ins Budget passt, reagiert der GmbH-Chef zwar mittlerweile allergisch, aber er lässt sich dann doch zu einer Antwort überzeugen: „Finanziell ist alles im Etat drin“, beruhigt er die Kritiker. Vor allem aber, weil Sponsor Teamspeak sein Engagement nochmals ordentlich aufgestockt hat. „Daher ist es uns auch möglich, solche Dinge zu tun“, stellt Bader klar. Eines betont der Manager aber auch ausdrücklich: „Wir schmeißen sicher keine Unsummen aus dem Fenster. Nur durch die Sponsoren ist es uns nun einfach möglich, auch kurzfristig mal so etwas zu machen.“

Bader will raus aus dem Tief und dem Tabellenkeller. „Es werden sich nun bestimmt einige Spieler wundern, dass sie auf der Tribüne sitzen.“ Zudem ist auch geplant, dass die jüngeren Akteure Förderlizenzen für die Oberliga bekommen. „Das heißt ja nicht gleich, dass wir sie weggeben. Aber es braucht sich momentan kein Spieler sicher zu sein, dass er spielt.“ Auch das eher eine ungewohnte Situation.

Mittendrin im gesamten Personal-Karussell steht Trainer Axel Kammerer. Der wird von Bader jetzt in die Pflicht genommen. Seine Forderung ist klar: „Er bekommt jetzt - glaube ich jedenfalls - bessere Qualität. Und damit muss die Trendwende, die wir ja durch die beiden Auswärtssiege eingeleitet haben, bestätigt werden.“ Eine neue Negativserie könne der SCR nicht brauchen. „Wir haben Adam Henrich und Condra verpflichtet, damit wir besser werden. Wir müssen punkten, und das jetzt auch mit Gewalt.“

Kammerer wünscht sich ebenso einen Erfolg gegen Ravensburg. Nur sieht er sich quasi gezwungen, auch diesen Gegner wieder als absolutes Topteam zu preisen. Doch er stimmt mit Bader überein in seinem Appell an die Mannschaft: „Wir müssen jetzt zuhause mal ein Topteam schlagen.“ Denn es sei schon ärgerlich, im heimischen Stadion nicht zu punkten. Das räumt er ein. Von einem Heimkomplex allerdings will er noch nicht sprechen.

Wie er das Team gegen Ravensburg aufstellt, darüber hat er sich schon Gedanken gemacht: Condra soll mit Matt D’Agostini und Florian Vollmer spielen. „Aber ich weiß halt auch nicht, ob die beiden harmonieren, bloß weil sie NHL-Spieler sind.“ Adam Henrich stürmt mit Michael Kreitl und Tim Regan. In der Abwehr möchte er auf die Klosterseer Leihgabe Christian Hummer bauen. Der soll gemeinsam mit Peter Kathan Tore verhindern. Für Rick DiPietro, David Appel und Andrew Lord bleibt damit nur ein Platz auf der Tribüne oder im VIP-Raum. „Ich werde mit ihnen darüber reden“, sagt Kammerer.

Auch mit Condra wird er das Gespräch suchen. Der US-Boy freut sich auf die neue Aufgabe, eine Liga höher als in Füssen. „Ich wollte einfach besseres Hockey spielen“, spricht er offen. Die Trainingseinheit am vergangenen Donnerstag habe ihm gut gefallen. „Hier gibt es viele nordamerikanische Spieler, das macht alles ein bisschen einfacher.“ Dass der SCR derzeit tabellarisch nicht so gut dasteht, stört ihn nicht. „Ich hoffe einfach, dass ich ein bisschen helfen kann, das zu verändern.“ Das wollen sie derzeit alle beim SC Riessersee. (cf)

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