Die Verteidiger (v. l.) Tyson Marsh, Brock Sheahan, Tim Katzer, Matthias Mayr, Marcus Weber, Sepp Staltmay und Andreas Feuerecker hat SCR-Trainer Zdenek Travnicek um sich geschart. foto: cf

Experten sehen SCR als Absteiger Nummer 1

Garmisch-Partenkirchen - Urteil überrascht Trainer Zdenek Travnicek nicht - Manager Ralph Bader gibt Michael Rimbeck befristeten Vertrag

Das Studium eines Eishockey-Fachblatts, das in diesen Tagen sein Sonderheft für die 2. Bundesliga auf den Markt geworfen hat, erschreckte Zdenek Travnicek nicht sonderlich. Eine Expertenkommission, bestehend aus drei ehemaligen Zweitliga-Trainern (Tobias Abstreiter, Wayne Hynes und Peter Draisaitl) und einem Fachredakteur, stuft den SC Riessersee als Abstiegskandidat Nummer eins ein - ein Urteil, das der neue SCR-Coach so erwartet hat, „weil wir Aufsteiger sind. Dass wir so weit hinten gesehen werden, kann auch positiv sein. Wir können nur überraschen und mit freiem Kopf spielen.“ Den drei Kollegen lässt er ihre Meinung, und auch Papier hält er für geduldig. „Mich interessiert nicht sehr, was geschrieben wird.“

Seit sechs Tagen ist Travnicek im Amt und hat schon zahlreiche Duftmarken gesetzt. Das Training beschreiben die Spieler als sehr abwechslungsreich, mit Übungen, die für viele völlig neu sind. Und der 43-jährige Tscheche setzt auf individuelle Einheiten. Am Dienstag beschäftigte er sich zuerst 40 Minuten mit den Verteidigern, danach die gleiche Zeit mit den Angreifern. „Defensiv- und Offensivspieler haben einen speziellen Bewegungsablauf, den es immer wieder zu schulen gilt“, erklärt er. Am Donnerstagvormittag unterzog er die beiden Torhüter Hardi Wild und Daniel Huber einer Spezialbehandlung, bei der der Schweiß in Strömen floss, beide Goalies danach völlig ausgepowert waren. Sie ertrugen die Fron, die Travnicek „harte Arbeit“ nennt, wie der Rest des Kaders ohne Klagen - was der SCR-Trainer erfreut registrierte. „Kompliment an Ralph Bader. Er hat eine Mannschaft zusammengestellt, in der Charakter und Mischung stimmen.“ Noch beschäftigt sich Travnicek hauptsächlich mit der Kraft- und Konditionsarbeit, allerdings streute er immer wieder taktische Elemente ein, auf die sein Spielsystem aufbaut. „Wir lernen Schritt für Schritt.“

Wie weit das Gelernte den Spielern bereits in Fleisch und Blut übergangen ist, dürfen sie in den beiden Testspielen beweisen. Am Samstag gastiert der SC Riessersee beim österreichischen Zweitligameister HC Innsbruck, am Sonntag kommt der ESV Kaufbeuren ins Olympia-Eisstadion (19 Uhr). Das Spiel betrachtet Travnicek als „echten Härtetest, schon allein vom Tempo her“. Nachdem Christian Völk, Tim Richter und Tobias Biersack ihre Blessuren auskuriert haben und Tim Regans Kontrakt seit 1. September läuft, kann Travnicek seinen kompletten Kader einsetzen - und noch ein bisschen mehr. SCR-Geschäftsführer Ralph Bader nahm zunächst bis zum 31. Oktober Michael Rimbeck unter Vertrag, der zur letztjährigen Oberliga-Meistermannschaft gehörte, aber aussortiert werden sollte. Bislang hielt sich der 22-Jährige beim SCR fit und wartete auf die Angebote anderer Clubs. Mit der Rimbeck-Verpflichtung entsprach Bader dem Wunsch Travniceks, der plant, „solange wie möglich mit vier Sturmreihen zu spielen“. Rimbeck erhalte die Chance, sich zu empfehlen. „Finanziell gehen wir kein Risiko ein“, sagt Bader.

Peter Reinbold

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