Mannschaftsbild des SC Riessersee vor der Saison 1980/1981.
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Dieses Team sollte DM-Titel Nummer zehn für den SCR ergattern: Max Fink (untere Reihe, 2.v.r) lernte in dieser Zeit extrem viel von Ausnahme-Goalie Vladimír Dzurilla (untere Reihe, 2.v.l).

DER LETZTE DM-TITEL, TEIL II - Max Fink blickt zurück auf die erste Finalpartie 1981 gegen Düsseldorf

Gelernt vom Besten

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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In der Saison 1980/1981 gewann der SC Riessersee seine zehnte und bisher letzte Deutsche Eishockey-Meisterschaft. Das Tagblatt widmet sich diesem historischen Titel mit einer vierteiligen Serie. In Teil zwei erinnert sich Max Fink zurück an das erste Finalspiel gegen die Düsseldorfer EG.

Garmisch-Partenkirchen – Der 18. März im Jahr 1981, ein Mittwoch, war ein ganz und gar gewöhnlicher Wintertag in einer Zeit, in der es noch so etwas wie Winter gab. Die Wetterstation auf der Zugspitze meldete minus 17 Grad und fast sechs Meter Schnee. Auf Sizilien spuckte der Ätna mal wieder. Aber davon erfuhren die Deutschen erst am Abend in der Tagesschau. Mehr gab die Großwetterlage der Weltpolitik nicht her. Ach und in Garmisch-Partenkirchen versammelten sich 9000 Menschen im Eisstadion, um zu sehen, was noch niemand zuvor gesehen hatte: Das erste Playoff-Endspiel um eine Deutsche Meisterschaft zwischen dem SC Riessersee und der Düsseldorfer EG, das 4:2 für den SCR endete.

Max Fink im Jahr 1980.

Max Fink – oder wie die Werdenfelser sagen: der Fink Max – saß mit seinen Kollegen in der Kabine. Er, Nummer 22, neben Vladimír Dzurilla, seinem Torwartkollegen, die Nummer eins. Er weiß nicht mehr viel von diesem Abend, aber er weiß noch, wie nervös sie alle waren. „Eine Riesen-Anspannung“ bemerkte er. Und das heißt schon etwas, wenn Fink das sagt, damals 26 Jahre alt und drei Jahre zuvor schon Torwart beim entscheidenden letzten Spiel um den Titel gegen Köln. Nicht die 9000 Zuschauer ließen die Ganserlhaut sprießen. Man war in diesen Zeiten an Massen gewohnt. Gut, vielleicht nicht in der Vorrunde. Da sanken die Zahlen nämlich auf ein beängstigend niedriges Level, 3000 im Schnitt, obwohl das Team jung und gut war. Erster nach der Vorrunde. Diese 9000 Besucher dürften auch gemogelt gewesen sein, erinnert sich Fink. Mehr waren’s. „Ich möcht’ gar nicht wissen, wie viele drin waren. Jeder Kontrolleur hat ja noch a paar gekannt“, sagt er. In Auto-Kolonnen reisten sie aus dem Süden Münchens an. 12 000, wie 1978, waren’s dann auch wieder nicht. „Da hatten sie es übertrieben.“

Max Fink, heute ist der Bart gewichen.

Gezittert haben die Riesserseer, weil sie am meisten zu verlieren hatten. Obwohl viele im Land das neue nordamerikanische Format beklatschten, baute es doch Druck auf den SC Riessersee im Vorfeld des Finales auf. Im schlimmsten Fall wäre er als der erste Vorrundenmeister ohne Titel in die Historie eingegangen, und diese Auszeichnung braucht keiner. „Es hätte auch in die Hose gehen können“, sagt Fink. Aber sie hatten ja den Doktor, Ján Starsí, den Jano, sein akademisches Eishockey und Vlado Dzurilla. Starsi unterschied sich diametral von seinem Vorgänger und Landsmann Joschi Golonka, den Fink einen „reinen Vulkan“ nennt. Unter Starsi wurde nicht geprügelt, sondern gespielt. Er formte die Profis um, verlangte „Hirnleistung“ von ihnen, ließ Spielzüge einüben, redete ständig mit seinen Cracks und – um den Stilwechsel auf allen Ebenen zu vollziehen – konzentrierte sich aufs Verteidigen, der Schlüssel zum Sieg in Spiel eins.

Riessersee stellte die mit Abstand beste Defensive der Saison und mit Dzurilla den besten Torwart, den Weltmeister, der die Kanadier beim Kanada-Cup 1976 entzaubert hatte. So oft Fink „schlucken musste“ in dieser Saison, weil er nicht ins Tor durfte, so viel hat er vom Slowaken gelernt. „Der hat alles an Wissen weitergegeben. Er war ein hervorragender Charakter.“ Natürlich war auch Dzurilla ein Irrer auf Eis. Anders kann man doch nicht erklären, was er abzog. Bei Ligaspielen zog er den Brustschutz gar nicht erst an. Um beweglicher zu sein. Darum ging es damals. Die Ausrüstung war viel kleiner, das Tor aber gleich groß. Über den Kopf stülpte er eine „Papperdeckel-Maske“, kein Gitter. Um mehr zu sehen. „Ich wär körperlich kaputt gewesen. Wenn dich ein Schlagschuss getroffen hat, hast oft ins Krankenhaus müssen.“ Aber Dzurilla hat’s riskiert. „Der hat ein ganz anderes Volumen gehabt“, scherzt der 66-Jährige, der noch immer im Immobiliengeschäft tätig ist.

Kampf um den Puck: Der SCR und die DEG schenkten sich nichts, wie in diesem Duell zwischen dem Riesserseer Doug Gibson (r.) und Düsseldorfs Udo Kießling.

Dieses erstes Finale, quasi das große Abtasten, war das Spiel von Dzurilla und seinen Mannen. Peter Gailer und Butzi Reil, das Knochenbrecher-Duo des deutschen Eishockeys, Hans Konstanzer, der sehr von Starsis Taktik profitierte, natürlich Ignaz Berndaner, der Olympiaheld von 1976. Mit ihnen ist Fink groß geworden, auf der Alleestraße beim Straßenhockey, auf der er Torwart wurde. „Die anderen haben gesagt, der ist zu faul zum Laufen.“ Schon stand Fink im Tor.

Nach der Meisterschaft wechselte er zum EHC München in die Zweite Liga, um wieder öfter zu fangen. Hinter Dzurilla zu stehen, sei „wie wenn du hinter Manuel Neuer bist, da hast du die Arschkarte“, scherzt er heute. Nach einem Jahr EHC hörte er auf. Auch wenn Fink im Finale 81 auf der Bank saß, „willst du den Titel, du bist beteiligt“. Auf dem Meisterfoto kniet er neben Berndaner - und in der Nähe von Dzurilla, der an diesem 18. März 1981 wieder fast alles hielt.

Playoff-Finale, Spiel 1, 18. März 1981

SC Riessersee - Düsseldorfer EG 4:2

Tore: 1:0 (4.) Gibson, 2:0 (8.) Reil, 3:0 (13.) Diepold, 3:1 (41.) Krueger, 3:2 (46.) Kießling, 4:2 (47.) Reindl

Zuschauer: 9000

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