Häufig Gast bei Zweitligaspielen in Garmisch-Partenkirchen: Franz Reindl im Gespräch mit SCR-Manager Ralph Bader. seh

„Es gibt keine Alternative“

Garmisch-Partenkirchen - DEB-Generalsekretär Franz Reindl macht klar, dass es eine 2. Liga nur unter dem Dach des Verbands geben wird

In der großen weiten Welt ist er derzeit viel unterwegs. Bis gestern weilte Franz Reindl in Paris. Mit seinen Kollegen vom französischen Eishockey-Verband hatte der Generalsekretär des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) viel zu besprechen. Frankreich und Deutschland bewerben sich gemeinsam für die Ausrichtung der Eishockey-Weltmeisterschaft 2017. Die Präsentation geht im Mai beim Kongress in Stockholm (Schweden) über die Bühne. Mitbewerber ist die Kombination aus Dänemark und Lettland. „Unser Konzept bietet große Vorteile“, sagt der Ex-Nationalspieler des SC Riessersee, der seit rund 20 Jahren in Diensten des DEB steht. Vor allem die räumliche Nähe der beiden Spielorte Köln und Paris sei „ein Pfund, mit dem wir wuchern können. Deshalb sind unsere Chancen grundsätzlich gut“.

Die WM 2017 hat Reindl bis auf wenige Dinge erledigt, auf der zweiten Baustelle („Die ist gar nicht nötig“) hat er gerade mit den nötigsten Arbeiten begonnen. „Ich hatte in der Vergangenheit nicht allzu viel Zeit, mich damit zu befassen.“ Er kennt aber alle Internas, weiß, um was es sich dreht. Die 2. Bundesliga, das Bemühen von neun Clubs, die sich vom Verband abspalten wollen, hält Eishockey-Deutschland in Atem. Nachdem die Eishockey-Spielbetriebsgesellschaft (ESBG), in der die Zweitligisten organisiert waren, den Kooperationsvertrag mit dem DEB gekündigt hatte, bietet der Verband den Clubs an, wieder in seinen Schoß zurückzukehren. Was bis auf den SC Riessersee, den ESV Kaufbeuren und den EV Landshut alle in Bausch und Bogen ablehnen. Sie planen eine Hinwendung zur Deutschen Eishockey-Liga (DEL) und denken an eine DEL II (wir berichteten). Die nennt Reindl „ausgeschlossen“ und auch nicht im Sinne der Clubs, da er den Inhalt der Gespräche kennt, die die Proficlubs miteinander führten. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Zweitligisten nur als Ausbildungsclubs für die DEL fungieren wollen. Dafür ist das Produkt 2. Liga zu groß und zu gut“, meint der Garmisch-Partenkirchner.

Und er macht deutlich, dass sich der DEB von neun Clubs, nachdem die Hannover Indians wegen Insolvenz zwangsabgestiegen sind, nicht am Nasenring durch die Manege führen lassen wird. Rund 150 000 Euro Abgaben, die dem DEB zustehen, hat die ESBG bis heute nicht bezahlt. „Geld, das uns fehlt“, sagt Reindl. Geht diese Summe nicht bald ein, „sehen wir uns gezwungen, Maßnahmen im Nachwuchsbereich zu kürzen, da wir Geld, das wir nicht haben, nicht ausgeben können“.

Die Fronten sind verhärtet. Als Hardliner sieht Reindl ESBG-Geschäftsführer Alexander Jäger, der die Loslösung vom Verband mit Nachdruck betrieben hat und betreibt. Reindl glaubt, die Triebfeder des Mannes, der erst seit einem Jahr im Amt ist, zu kennen. „Er kämpft um seinen Job. Wenn die 2. Liga unter unserem Dach spielt, ist er den nämlich los.“

Und er ist sich ganz sicher, dass die Rebellen sich eines Besseren besinnen werden. „Wenn sie in einem regulären Spielbetrieb spielen wollen, müssen sie das tun“, unterstreicht Reindl. Die DEB-Offerte gelte bis zum 15. Mai. Wer sich bis dahin nicht bewerbe, könne auch nicht die Leistungen in Anspruch nehmen, die der Verband bietet. „Zu unserem Angebot gibt es keine Alternative. Wer nicht bei uns mitmacht, der kann zum Beispiel in der Werdenfelser Hockey-Liga antreten, aber nicht bei uns. Wir von der Administration werden hart bleiben.“

Die 2. Liga wird es nach den Worten Reindls mit Sicherheit geben, selbst wenn sich zunächst nur Riessersee und Kaufbeuren anmelden würden. „Das wäre der schlimmste Fall, der worst case, aber zu lösen“, sagt er. Der Notplan: Um auf eine Soll-Stärke von zwölf zu kommen, werde man Gespräche mit Oberligisten führen oder sogar eine Qualifikationsrunde spielen. Sicher ist aber auch, dass selten etwas so heiß gegessen wie es gekocht wird. Ein Hintertürchen tut sich schneller auf, als man glaubt. Diese Erfahrung hat Reindl schon häufiger gemacht. „Im deutschen Eishockey ist alles möglich.“

Peter Reinbold

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