+
Steht im Kreuzfeuer: SCR-Geschäftsführer Udo Weisenburger. 

Schwere Anschuldigungen gegen Udo Weisenburger

Unterstützer-Gruppe des SCR wirft hin: „Wir wurden belogen“

  • schließen

Nach dem Aus für die DEL2 gibt nun auch die Helfer-Gruppe des SCR auf. Schuld sei Udo Weisenburger. Für sie ist klar: Die Insolvenz ist die Konsequenz.

Garmisch-PartenkirchenIst der SC Riessersee bereits tot – und keiner merkt es? Keiner will es merken? Es hat den Anschein. In jedem Fall verliert der Eishockeyklub wertvolle und vor allem finanzkräftige Hilfe. Denn die Unternehmergruppe, die im Hintergrund wochenlang mitgearbeitet hatte, um einen Ausweg aus dem Schlamassel zu finden, hat aufgegeben. „Es funktioniert nicht mit Udo Weisenburger“, sagt ein Vertreter der Gruppierung, der dem Tagblatt bekannt ist, aber seinen Namen nicht veröffentlicht haben will.

Red Bull München steigt aus

Seit 18. Mai bastelten die Geschäftsleute an einer Lösung, waren bereit, einen sechsstelligen Betrag aus eigenen Mitteln zur Verfügung zu stellen, um zumindest den Schuldenschnitt zu ermöglichen. „Wir wollten die GmbH auf Null stellen.“ Doch das ehrgeizige Ziel ist Vergangenheit. Das Geschäftsgebaren von Gesellschafter Weisenburger machen die Unternehmer nicht mehr mit. Alleine die Ereignisse vom Donnerstag schlugen dem Fass den Boden aus. „Er hat uns wieder belogen“, betont der Sprecher der Gruppe – und fügt an: „Wir wurden in den sechs Wochen immer wieder belogen.“ Die Unterstützer zogen die Reißleine. „Es macht einfach keinen Sinn mehr.“

Ob Weisenburger alleine in der Lage ist, das sinkende Schiff zu retten, darf stark bezweifelt werden. Denn er hat das Chaos der abgelaufenen Vizemeister-Saison zu verantworten, niemand sonst. Das wird aus dem Gespräch mit dem Beteiligten schnell klar. „Er hat sich immer nur alles schön geredet, ihm ist gar nicht klar, in welcher Situation er sich befindet.“ Die Lage ist beängstigend. Das Gerede von der Oberliga scheint nur ein Spiel auf Zeit zu sein. Wie soll Weisenburger diese Hürde packen? Vor allem ohne Hilfe der Gönner – ohne Partner Red Bull München. Der macht den Gang in die dritte Klasse nicht mit. Der Deutsche Meister hat für den schlimmsten Fall längst einen neuen Klub an der Hand.

Totales Chaos: Formfehler, Vereinbarungen für die falsche Liga, fehlende Zahlen

Das Thema DEL2 ist durch – seit Donnerstagabend offiziell. Die Ligenverwaltung hat viel Geduld bewiesen, alle Türen längstmöglich offen gehalten, wollte dem SCR die Chance geben. Doch es hat nicht funktioniert. Das Finanzamt beendete alle Hoffnungen. Schlampige Arbeit attestierten die Experten der Behörde dem SCR laut dem Sprecher der Rettungsgruppe: Formfehler, Vereinbarungen für die falsche Liga, fehlende Zahlen aus der Vergangenheit. Dass eine Staatsbehörde einem Rettungskonzept nicht mehr zustimmt, das offenbar lange Zeit auf einem guten Weg war, ist nachvollziehbar. Der SCR-Sympathisant möchte dem Finanzamt nicht den Schwarzen Peter zuzuschieben. Woran das Vorhaben letztlich gescheitert ist – daraus macht er keinen Hehl: Allein die Person Weisenburger habe es vermasselt. Den Karren der SCR-Vermarktungs-GmbH aus dem Dreck zu ziehen – „das war mit ihm nicht möglich“. Dabei hatten die Handelnden Erfolge verzeichnet: Die Vorbereitungen zum Schuldenschnitt – Gläubiger verzichten auf mindestens 50 Prozent ihrer Forderungen – waren gut verlaufen. Die Gruppe hatte einen Tag vor Fristablauf zur Nachbesserung fast alle Betroffenen im Boot. Fehlte nur das Finanzamt. Weisenburger und sein Geschäftsstellen-Mitarbeiter Stefan Endraß waren am Mittwoch dort gewesen, um das finale Ja einzuholen. Sie bekamen es nicht.

Ein Riesenproblem. Der Rettungsplan war hinfällig. Die einzige Lösung des Konflikts: Die Verbindlichkeiten bei der Behörde hätten komplett – und sofort, im Laufe des Donnerstags – bezahlt werden müssen. Eine Summe von rund 195 000 Euro. Aus einer Saison. Wie das möglich ist? Das kann nur Weisenburger beantworten. Lohn- und Umsatzsteuer verlangt die Behörde. Es lag am Geschäftsführer, die Lücke zu schließen. Doch es kam nichts. Der GmbH-Verantwortliche versprach, das Geld beizubringen. Als es fällig wurde, hörten die Unterstützer nichts mehr von ihm. Er sei auf einer Beerdigung, informierte er sie schriftlich. Ein Termin, von dem er bei der letzten Telefonkonferenz am Abend zuvor offenbar noch nichts gewusst hatte.

Erst am Nachmittag tauchte er aus der Versenkung auf. Das Tagblatt hatte ihn kontaktiert, um den Stand der Dinge zu erfragen, ihn mit einem Fakt unter vielen Fakten konfrontiert. Als Reaktion verwies er zunächst nur auf die Allgemeinplätze der vergangenen Tage und Wochen. „Wir arbeiten alle an einer Lösung“, ließ er wissen. „Es ist kompliziert“, das Thema sei „äußerst sensibel“, das Schicksal des SCR hänge „nicht allein vom Finanzamt“ ab. Am Abend meldete er sich telefonisch, informierte die Zeitung vom Aus in der DEL2, ließ aber die Hoffnung von der Oberliga aufleben.

„Sechs Wochen Hölle, sechs Wochen Lügen“

Die Geschäftsleute haben alle Hoffnung aufgegeben. „Wir lassen es“, sagt der Sprecher. Auch die beteiligte Anwältin habe dringend abgeraten, weitere Schritte zu unternehmen, sich noch tiefer in die Sache reinzuknien – ohne Aussicht auf Erfolg. In seiner Stimme schwingt Verärgerung mit. Aber auch Wehmut. „Es tut uns so leid für alle, vor allem für die Fans, aber mit Udo Weisenburger haben wir keine Chance.“ Das macht er deutlich: „Sechs Wochen Hölle, sechs Wochen Lügen“ – auf dieses traurige Fazit kommt er.

Die Probleme, in denen die GmbH steckt, sind riesig. Der Vertreter der Rettungsgruppe gibt einen Einblick: „Die Leute sollen jetzt wissen, was wirklich los ist.“ Das sei den Beteiligten ein Anliegen. Die offenen Rechnungen dürften sich auf einen mittleren sechsstelligen Betrag belaufen. Busunternehmer, Gemeindewerke, Ausrüster, Security-Firma, Spieler – viele davon haben lange kein Geld gesehen. Zudem hat Weisenburger seine Einlage von mehr als 450 000 Euro, für die er bei der Lizenzierung im Budget gebürgt hat, nur zu einem minimalen Bruchteil erbracht. Von den sehr guten Einnahmen aus der Gastronomie, die in eine eigene GmbH ausgelagert worden war, kam so gut wie nichts bei der Sport-GmbH an. Und das bei über 90 000 Zuschauern in der abgelaufenen Saison, die sicher viel konsumiert haben. Dieser Gesellschaft hatte auch der „Club Eleven“ in Garmisch-Partenkirchen angehört. Laut einer Immobilienanzeige soll diese GmbH nun sogar aufgelöst werden.

Weisenburger, der Totengräber?

All das haben die Unternehmer bei ihren Recherchen im Rahmen ihres Rettungsversuchs in den vergangenen Wochen herausgefunden. Sie waren bereit, diese Probleme anzugehen. Doch ohne die Hilfe Weisenburgers, der sich drei der sechs vergangenen Wochen im Ausland zwischen China, Rumänien und Spanien aufhielt, konnten sie das Malheur nicht beseitigen. Unvorstellbar, dass der SCR-Boss nicht früher gehandelt hat. „Wenn er sich im Herbst gemeldet hätte, hätte man etwas tun können.“ So aber gab der SCR-Macher niemandem eine echte Chance, das Profi-Eishockey zu retten.

Wie es nun weitergeht, ist unklar. „Die logische Konsequenz ist die Insolvenz“, betont der Geschäftsmann. Weisenburger wird sie anmelden müssen. Oder es übernimmt ein Gläubiger. Zahlungsunfähig ist die SCR-GmbH offenbar seit Längerem – bei der langen Liste an Gläubigern. Verzögert der Geschäftsführer diesen Schritt weiterhin, reitet er sich immer tiefer in rechtliche Probleme hinein. Ein Wort kann sich der Sprecher am Ende nicht verkneifen: „Totengräber“ fällt immer wieder. Wenn Udo Weisenburger nun nicht in Harry-Potter-Manier Geld herbeizaubert, dann wird er wohl genau dazu für den SC Riessersee werden.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

SCR: Neuer Geschäftsführer in der neuen Saison
Stefan Endraß verlässt den SC Riessersee – allerdings erst im Frühjahr 2019. Doch schon vor dem letzten Testspiel gegen Landshut am Freitagabend hat der Drittligist mit …
SCR: Neuer Geschäftsführer in der neuen Saison

Kommentare