SCR-Spieler Robin Soudek im Duell mit Felix Linden, hier noch im Trikot der Selber Wölfe.
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Zuletzt Gegner, künftig Teamkollegen: Robin Soudek (vorne) weiß, wie hartnäckig Felix Linden als Verteidiger sein kann. Künftig muss sich der SCR-Stürmer nur noch im Training gegen den 27-Jährigen durchsetzen.

SC Riessersee verstärkt die Defensive mit Felix Linden von den Selber Wölfen

Mehr als ein Lückenfüller

  • vonPatrick Hilmes
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Die erste Verpflichtung des SC Riessersee für die kommende Saison in der Eishockey-Oberliga Süd: Der SCR hat sich die Dienste von Felix Linden gesichert, der mit den Selber Wölfen die Oberliga-Meisterschaft geholt hat.

Garmisch-Partenkirchen – Eine Lücke gilt es in den meisten Fällen zu füllen. Das ist in vielen Bereichen der Fall, auch im Eishockey. Das hat der SC Riessersee in der vergangenen Saison der Oberliga Süd oftmals schmerzlich erfahren müssen. Immer wieder präsentierte sich die Defensive nicht sattelfest. Das beweisen die Statistik der Hauptrunde mit im Schnitt 3,4 kassierten Treffern pro Spiel sowie die der drei Playoff-Partien gegen Höchstadt (16 Gegentore). Entsprechend war den Verantwortlichen des SCR nach der Saison klar: Es bedarf Nachbesserung in diesem Bereich.

Nun ist der Traditionsklub fündig geworden und präsentiert mit Felix Linden den ersten Zugang für die kommende Saison. Nicht falsch verstehen, Linden soll zwar die Lücke in der Defensive schließen, ist aber viel mehr als nur ein Lückenfüller. Der 27-Jährige ist nämlich mit den Selber Wölfen Oberliga-Meister geworden und gilt als Top-Verteidiger. „Er hat bei Selb mit Lukas Slavetinsky eines der besten Defensivpaare der Liga gebildet“, sagt SCR-Geschäftsführer Pana Christakakis.

Christakakis nutzt die Gunst der Stunde

Stellt sich die Frage, warum ein solcher Spieler nach dem Aufstieg in die DEL2 die Wölfe verlässt? Die Oberfranken kommunizierten, dass sich der Akteur aus eigenen Stücken vom Verein verabschiedet. Laut Linden ist das aber nicht richtig. „Ich wäre gerne den Weg in die DEL2 mitgegangen. Aber die Verantwortlichen sagten mir bereits frühzeitig, dass sie mit jemand anderem planen.“ Die Wölfe ließen ihm zwar ein Hintertürchen offen, er könne sich über die Playoffs nochmals empfehlen, aber Linden suchte sich über seinen Berater einen neuen Verein. So erfuhr auch Christakakis von Lindens Wechselbereitschaft und nutzte die Gunst der Stunde. „Wir hatten ihn schon vor einem Jahr auf der Liste, da hatte er aber schon in Selb unterschrieben.“ Der Riesserseer Geschäftsführer zeigte großes Interesse am gebürtigen Bad Sodener (Hessen) und erhielt den Zuschlag vor der Konkurrenz. „Es gab einige attraktive Angebote, aber Pana hat sich sehr um mich bemüht. Da brauchte ich dann nicht mehr lange überlegen.“

Die Argumente pro Garmisch-Partenkirchen: Die Nähe zum Wohnort im Allgäu, wo Linden mit Frau und Kind lebt, die Perspektive des Vereins, 2024 in der DEL2 spielen zu wollen, und die Rahmen- sowie Trainingsbedingungen. „Wird an den richtigen Stellschrauben gedreht, ist Garmisch-Partenkirchen ein perfekter Standort für einen DEL2-Klub“, betont Linden.

Linden soll Führungsrolle einnehmen

Eine dieser Stellschrauben ist die besagte Defensive. Linden selbst hat in den Duellen mit dem SCR während der Saison aber nicht den Eindruck gewonnen, dass das sportliche Abschneiden der Weiß-Blauen einzig auf die Verteidigung zu münzen ist. „Es war ja schwierig mit der Kooperation mit München, auf der Torhüterposition fehlte auch aufgrund von Verletzungen die Konstanz. Zudem gehören die Stürmer genauso mit zur Verteidigung. Man muss auf dem Eis eine Einheit sein.“ Laut Christakakis wird er künftig ein sehr wichtiger Teil dieser Einheit sein: „Er soll bei uns eine Führungsrolle einnehmen und wird uns weiterhelfen.“

Die Vorzeichen dafür stehen bestens. Mit Linden hat der SCR einen erfahren Akteur verpflichtet, der auf 186 DEL2-Spiele (Bayreuth und Lausitz) sowie 212 Oberligapartien (Füssen, Leipzig, Regensburg, Rosenheim, Selb) verweisen kann. Am Titelgewinn der Wölfe war der Verteidiger mit den Gardemaßen von 191 Zentimetern und 92 Kilogramm eine der tragenden Säulen, auch in puncto Scorerpunkte – zwei Tore und neun Assists in den Playoffs.

Nachholbedarf im kulturellen Bereich

Nachholbedarf hat er aber noch im kulturellen Bereich. „In Garmisch-Partenkirchen war ich nur einmal auf Klassenfahrt“, erzählt er schmunzelnd, verspricht im selben Atemzug aber, dem bald Abhilfe zu schaffen. Im Privaten gilt Linden als ruhiger und gelassener Typ. „Ich bin nicht der Redseligste“, gesteht er. Auf dem Eis ändert sich das aber. „Da blühe ich etwas auf und versuche viel mit meinen Mitspielern zu kommunizieren.“ Zudem gilt er als sehr diszipliniert, was er dem Leistungssport zu verdanken hat. Im zarten Alter von vier Jahren fing er mit Eishockey an, wechselte mit zwölf Jahren auf das Sportinternat in Hohenschwangau und durchlief die Jugendteams des EV Füssen, ehe er in der Saison 2013/14 seine erste Spielzeit als Profi für den EVF bestritt. „In dem Alter gehen andere in die Disco und feiern. Als Leistungssportler geht das nicht, das prägt einen dann sehr.“

Eingeprägt hat sich auch, dass es für ihn mit der Rückennummer 49 besser als mit der 94 läuft. „94 ist mein Geburtsjahr, aber als die vergeben war, hab’ ich die Zahlen umgedreht. Seitdem bin ich verletzungsfrei.“ Aberglaube und Eishockey – gehört halt auch zusammen. Beim SCR wird er die 49 wieder tragen dürfen.

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