Überraschung: SCR holt neuen Schweden

Garmisch-Partenkirchen - Verfrühtes Weinhachtsgeschenk für den SC Riessersee: Der Schwede Alex Deilert (22) verstärkt ab sofort die Abwehr des SCR und soll am Dienstagabend in Schwenningen schon spielen

Leicht ist es ihm nicht gefallen, diesen Schritt zu gehen. „Das macht ja auch keinen Spaß“, stellt Ralph Bader klar. Doch es musste etwas geschehen. Darüber waren sich der Manager und sein Trainer einig. Also handelten sie: Der SC Riessersee stellte gestern Verteidiger Tyson Marsh vom Trainings- und Spielbetrieb frei und präsentierte kurze Zeit später schon den Nachfolger: Der 22-jährige Schwede Alexander Deilert soll den Kanadier ersetzen und die Abwehr stabilisieren. Ein laufstarker Jungspund, der sämtliche Nachwuchs-Nationalmannschaften durchlaufen hat als Ersatz, für den routinierteren Abwehrriegel, der beim SCR nie in Fahrt kam.

Genau das ist Marsh nun zum Verhängnis geworden. „Es ist auch sehr unglücklich für ihn gelaufen“, meint Bader. „Er war viel verletzt. Aber grundsätzlich konnten wir mit seiner Leistung einfach nicht zufrieden sein.“ Am Sonntag gegen Bremerhaven hatte Marsh noch sein zweites Tor erzielt, doch alles half nichts mehr. Gestern Mittag bestellte Bader den Verteidiger zu sich ins Büro. „Ich weiß nicht, ob er es nicht sogar schon geahnt hatte“, mutmaßt der GmbH-Chef. „Es tut mir wirklich Leid, weil er ein hochanständiger Kerl war.“ Bader würde dem 27-Jährigen auch gerne bei der Suche nach einem neuen Verein behilflich sein – sofern Marsh dies wünscht. „Wir werden unsere Kontakte spielen lassen.“ Aber eines steht auch fest: „Natürlich streben wir eine Vertragsauflösung an.“ Denn finanziell ist der SCR bekanntlich nicht auf Rosen gebettet. Und einen Lottogewinn hat Bader auch nicht gelandet. Ein Risiko musste er aber nicht eingehen. „Zum Glück war unser Etat noch nicht ganz ausgeschöpft. Aber natürlich hoffen wir, dass wir uns mit Marsh einigen können.“

Der neue Mann setzte am Samstag seine Unterschrift unter den Vertrag, zwei Tage nachdem überhaupt der erste Kontakt zustande gekommen war. Am Sonntag saß er schon im Flieger, und am Abend sah er noch die letzten fünf Minuten des Spiels gegen Bremerhaven. „Ich kann es gar nicht erwarten, mit der Mannschaft zu trainieren.“ Deilert sprüht vor Elan. Denn heuer hat er noch nicht viel gespielt. „Ich habe mich gleich im ersten Spiel nach einem Check an der Schulter verletzt. Ich konnte den Arm nicht mehr heben.“ Eine längere Auszeit war die Folge. „Zwei Monate Reha.“ Doch Bader gibt gleich Entwarnung: „Er hat den medizinischen Check komplett durchgemacht und bestanden. Wir sind da schon vorsichtig.“

Rechtsschütze Deilert galt in Schweden stets als viel versprechendes Talent. Ihm wird auch großes Offensivpotenzial nachgesagt. „Die Referenzen sind sehr gut, aber wir wollen den Ball erst mal flach halten und ihm Zeit zur Eingewöhnung geben“, betont Bader. In Schwenningen soll er heute Abend aber schon auf dem Eis stehen – und das wohl neben Sepp Staltmayr. „Ich denke, es ist gut, wenn er ein bisschen Sicherheit bekommt“, sagt Trainer Zdenek Travnicek. Die täte wohl der gesamten Mannschaft gut. Der Coach fordert weiter die Rückkehr zum „einfachen Eishockey“. Vielleicht kann Deilert dem Team dazu verhelfen. Vorgenommen hat er sich’s in jedem Fall.

von Christian Fellner

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