Huldvoll grüßt der Erfolgstrainer: Toni Krinner empfängt die Ovationen der Fans. foto: Mayr

Auf dem Weg zum Rekordtrainer

Garmisch-Partenkirchen - Toni Krinner verlängert seinen Vertrag beim SC Riessersee ohne Ausstiegsklausel bis 2016

Die beste Nachricht des Abends teilte Ralph Bader den mehr als 5000 Zuschauern schon während des Spiels mit. In einer Unterbrechung zu Beginn des letzten Drittels verkündete der Manager des SC Riessersee per Lautsprecherdurchsage, dass er den Vertrag mit Trainer Toni Krinner bis 2016 verlängert habe. Bei den Fans kam diese Botschaft so gut an, dass sie die Mannschaft noch mehr pushten und zum Sieg über die Starbulls Rosenheim trieben. Und nach dem Erfolg gegen den Tabellenführer der DEL 2 feierten sie erst das Team und ließen anschließend den Mann hochleben, der ganz getrost als der Vater des kleines Wunders von Garmisch-Partenkirchen bezeichnet werden kann. Krinner, seit einem Jahr im Amt, hat eine Mannschaft zusammengezimmert, die sich auf dem Weg zum Erreichen der Playoffs befindet.

Die Ovationen des gesamten Stadions, nicht nur der Ostkurve, wo die Hardcore-Fans stehen, haben dem 46-jährigen Bad Tölzer geschmeichelt - und viel Freude bereitet. „Das hat mir richtig gut getan und zeigt mir die Wertschätzung.“ Es war nicht die erste Liebesbezeugung, die Krinner als Trainer erfahren hat. Als er die Moskitos Essen in der Oberliga und die Grizzly Adams Wolfsburg in der 2. Liga zu Meisterehren geführt hatte, wurde ihm schon in ähnlicher Form gehuldigt. Allerdings kennt er auch die Kehrseite der Medaille, weiß, wie es sich anhört, wenn 6000 „Krinner raus“ brüllen. „Das habe ich auch schon erlebt“, sagt er.

Seine Entlassung beim DEL-Club Hannover Scorpions war das Beste, was Bader und dem SC Riessersee in den vergangenen Jahren passiert ist. Nach erfolgreich überstandenem Arbeitsgerichtsprozess war Krinner Ende 2012 bereit für neue Aufgaben und sich mit Bader schnell einig. Schnell einig: Auch die Vertragsverlängerung ging im Eiltempo über die Bühne. Am Freitag einigten sich Manager und Trainer, zwischen denen sich im Laufe der vergangenen zwölf Monate eine echte Männerfreundschaft entwickelt hat, die über das normale Verhältnis Geschäftsführer der SCR Eishockey Vermarktungs GmbH und leitendem Angestellten hinausgeht, innerhalb von 30 Minuten. Per Handschlag besiegelten sie die Fortsetzung der Zusammenarbeit. Inzwischen ist der Vertrag von beiden unterzeichnet. Erfüllt ihn Krinner bis Ende der Laufzeit, dann wäre er dreieinhalb Jahre im Amt und somit so lange, wie kein SCR-Trainer in den vergangenen 20 Jahren. „Toni Krinner ist für uns ein Glücksfall“, sagt Bader, und Krinner gibt die Blumen zurück. „Für mich ist Garmisch-Partenkirchen immer die erste Adresse seit ich hier bin. Ich fühle mich wohl und es ist reizvoll, mit diesen begrenzten Möglichkeiten etwas aufzubauen. Ich habe nicht lange überlegen müssen.“ Der bisherige Kontrakt beinhaltete eine Ausstiegsklausel, im neuen steht diese nicht mehr. Sollte Krinner eines Tages ein Angebot bekommen, das ihn reizen würde - eine Freigabe wäre für Bader nur Formsache. „Ich würde ihm keinen Stein in den Weg legen.“ Dass Bader Krinner sein Bleiben mit mit aufgebesserten Bezügen versüßt hat, wollte er nicht bestätigen. „Es soll Trainer geben, die fürs selbe Geld verlängern.“

Bader und Krinner verfolgen einen gemeinsamen Plan, den sie gedenken, in den kommenden beiden Jahren umzusetzen. Der SCR verfüge zwar nicht über annähernd finanzielle Möglichkeiten wie die Topmannschaften der Liga, doch man wolle die Chance schaffen, stets sportlich so dazustehen wie jetzt. „Wir werden nichts geschenkt bekommen, doch wir werden hart daran arbeiten, dass das gelingt“, sagt Krinner.

Von harter Arbeit spricht der Mann gern, der als Profi ein gefürchteter Torjäger war und es zum Nationalspieler brachte. Für ihn gibt es ohne Schweiß keinen Preis. Was er verlangt, lebt er vor. Er investiert sehr viel Zeit und charakterisiert sich selbst als „sehr akribisch“. Die Spieler profitieren davon, „weil ich versuche, sie jeden Tag ein bisschen besser zu machen“.

Krinners Weiterverpflichtung war nur ein erster Schritt. Der nächste sollen Verhandlungen mit den Spielern sein. „Sie wissen jetzt, mit wem sie es in den nächsten Jahren zu tun haben und dürfen sich durch gute Leistungen empfehlen“, sagt Bader.

Peter Reinbold

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