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Abgang: Axel Kammerer ist nicht mehr Trainer des SC Riessersee.

Trainer beurlaubt - Was halten Sie davon?

Kammerers Abrechnung

Garmisch-Partenkirchen - SCR-Manager Ralph Bader hat Trainer Axel Kammerer beurlaubt, weil die sportliche Lage des SC Riessersee desolat ist. Die Misere glaubt Kammerer aber nicht alleine verantworten zu müssen. Die Mannschaft und Bader sieht er als Gründe für sein Scheitern.

Aus dem Mann spricht der Frust. „Ich bin enttäuscht“, sagt Axel Kammerer. „Sehr enttäuscht.“ Der Zeitpunkt seiner Beurlaubung als Trainer des Eishockey-Zweitligisten SC Riessersee, die ihm Geschäftsführer Ralph Bader am Montagvormittag mitteilte, habe ihn „überrascht“. Als Opfer sieht sich der Ex-Nationalspieler, als Opfer der Profis und von Bader. Es ist eine Art Abrechnung, denn dem Team und dem SCR-Manager stellt er kein gutes Zeugnis aus.

Er habe noch nie eine Mannschaft trainiert, die derart große Defizite im läuferischen, spielerischen und technischen Bereich aufgewiesen habe. Ein Urteil, das auch Rico Rossi, der Coach der Heilbronner Falken, nach dem 3:0-Erfolg im Olympia-Eisstadion über den SCR gefällt hatte. „Er hat Recht“, sagt Kammerer. „Wir haben zu viele Dritt- und Viert-Reihe-Spieler. Es fehlt einfach die Klasse.“ Kammerer, der sich seit seinem Amtsantritt immer vor das Team gestellt hatte – selbst bei desolaten Auftritten –, holt jetzt, da von allen Zwängen und jeglicher Zurückhaltung befreit, den Knüppel aus dem Sack und drischt auf es ein. Intern habe er seine Spieler schon mal als „Beamte“ bezeichnet, „die immer pünktlich kommen, es aber nicht schaffen, über sich hinauszuwachsen, mehr zu geben“. Es irritiert ihn, „dass ich nie so richtig an die Mannschaft rangekommen bin. Das ist mir noch nie passiert. Ich konnte nie so spielen lassen, wie ich es tun wollte“. Deshalb sei seine Handschrift in Garmisch-Partenkirchen nicht so zum Tragen gekommen.

Ihr Fett bekommen nicht nur die Eishockey spielenden Angestellten des SCR weg, auch Bader sieht der 48-Jährige als Grund für sein Scheitern. Als „unberechenbar“ charakterisiert er den Geschäftsführer der SC Riessersee Eishockey Vermarktungs GmbH. Und: „Er mischt sich in alles ein und reagiert zu wenig souverän. Das Arbeiten war mit unwahrscheinlichen Schwierigkeiten verbunden.“

Kammerer streitet gar nicht ab, sehenden Auges in sein Unglück gestürzt zu sein. „Ich wusste, was mich erwartet, und um das schwierige Umfeld.“ Damit meint er nicht allein die Person Bader, sondern die finanziellen Mittel, mit denen der SC Riessersee ausgestattet ist und mit der eine wettbewerbsfähige Mannschaft aufgestellt werden musste. Bei den Transfers aus Übersee, die zum großen Teil auf seine Kappe gehen, habe der Faktor Geld eine große Rolle gespielt. „Ich habe mit vielen anderen, besseren Spielern verhandelt, doch ist deren Verpflichtung immer daran gescheitert, dass wir nicht genug zahlen konnten. Dabei hat es sich nur um kleine Summen gehandelt.“

Es ist ein Blick zurück im Zorn. Die Liebe zum Eishockey und zu seinem Beruf hat Kammerer trotzdem nicht verloren. „Auch den Job beim SC Riessersee habe ich gerne gemacht.“ Allerdings blickt er in eine ungewisse Zukunft. Innerhalb von 16 Monaten wurde ihm zum zweiten Mal der Stuhl vor die Tür gesetzt. Im Oktober 2011 hatten ihm die Schwenninger Wild Wings nach nur fünf Spielen ohne Sieg gekündigt. Wie er sich sein weiteres Berufleben vorstellt? „Wenn heute jemand anruft und mir eine Trainertätigkeit anbietet, würde ich etwas tun.“ Muss er aber nicht. Bezahlt wird er weiter von SC Riessersee. Sein Vertrag endet erst zum Saisonende.

Mit dem Kapitel SCR hat er nach dem für ihn unerfreulichen Ende abgeschlossen. Zu einer versöhnlichen Aussage, was die sportliche Zukunft seines Ex-Arbeitgebers betrifft, kann er sich nicht durchringen. „Ich werde die weitere Entwicklung verfolgen.“ Der Frust sitzt eben tief, sehr tief.

In den nächsten zwei bis vier Spielen wird Marcus Bleicher als Interimslösung den SC Riessersee betreuen.

Peter Reinbold

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