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Abschied in Blau: Sepp Staltmayr (l.) und Benedikt Kastner (r.) haben heuer letztmals für den SCR verteidigt. 

SCR: Zwei Eckpfeiler brechen weg

Garmisch-Partenkirchen - SC Riessersee: Verteidiger Sepp Staltmayr (35) und Benedikt Kastner (29) beenden ihre Karrieren

Der SC Riessersee verliert „zwei tragende Säulen“. Manager Ralph Bader wird bei diesem Duo, das er gestern offiziell verabschiedete, ganz bewusst ein wenig rührselig. Denn Sepp Staltmayr und Benedikt Kastner, das sind zwei Typen, „die sich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt haben, zwei Eckpfeiler, die echte Identifikationsfiguren bei uns waren“. Nun aber kehren sie dem SCR den Rücken, beenden ihre Karrieren. Staltmayr, 35, hat den richtigen Zeitpunkt zum Ausscheiden erkannt. Bei Kastner, erst 29, spielt der Körper nicht mehr mit. Schwere Verletzungen haben den Verteidiger aus der Bahn geworfen, vergangene Saison absolvierte er gerade noch 15 Spiele. „29 Jahre ist eigentlich kein Alter, aber ich weiß einfach nicht, ob die Schulter noch einmal besser wird“, sagt Kastner. Daher der Schlussstrich.

In gewisser Hinsicht sind beide Haudegen damit vielleicht auch vielen leidigen Diskussionen aus dem Weg gegangen. „Stalti hat zu mir gesagt, dass er lieber jetzt aufhört, bevor ihn die Fans aus dem Stadion pfeifen.“ Dass es läuferisch für den Routinier aus Peißenberg immer schwieriger wurde in der DEL 2, steht außer Frage. „Er hat aber vieles immer mit seiner überragenden Fitness wettgemacht“, betont Bader. Gäbe es beim SCR Rekordbücher mit Ergometer-Werten, dürfte der Name Staltmayr in jeder Rubrik ganz weit oben stehen. „Beide waren Spieler, bei denen man die Einstellung nie hinterfragen musste. Sie haben einfach ihr letztes Hemd gegeben.“

Bader verschweigt auch nicht, dass es für beide Abwehrmänner keine Selbstverständlichkeit gewesen wäre, neue Verträge zu kommen. Hintergrund ist einmal mehr die viel zitierte Ü23-Regel, die vorsieht, dass ab der kommenden Eishockey-Saison jedes Team nur noch zehn Spieler einsetzen darf, die älter als 23 Jahre sind. „Du musst dir jetzt ganz genau überlegen, wie du diese Stellen über alle Mannschaftsbereiche verteilst.“ Mit Eichinger, Wilhelm, Hüfner und Thomas hat der SCR in der Defensive schon vier Ü23- Spieler im Kader.

Für Kastner wer das Karriereende in jedem Fall ein schwerer Schritt. „Es ist mir nicht leicht gefallen“, sagt er offen. Doch plagt ihn die Schulter auch fünf Monate nach der Verletzung im Oktober immer noch. „Wenn ich Dinge über dem Kopf mache, merke ich einfach, dass die Kraft nicht mehr so vorhanden ist“, räumt er ein. Zweimal hat er sich innerhalb von vier Jahren dieselbe Verletzung zugezogen, renkte sich zweimal die Schulter aus. Dabei riss jeweils das Labrum, die Umrahmung der Schulterpfanne, die den Oberarmkopf im Schultergelenk hält. „Es ist alles ein wenig instabil.“ Dazu kamen ein Meniskusriss und der Mittelhandbruch. Für die Schulter bekam er von Spezialisten eine Schiene. „Ohne die dürfte ich sowieso nicht mehr spielen.“

Er wird es wohl nicht mehr, auch nicht bei einem anderen Verein. „Ich wollte beim SCR meine Karriere beenden“, sagt Kastner. Angebote wird es nun genügend geben. Den Tölzer Coach Axel Kammerer traf er bereits in München, Toni Krinner dürfte aus Kaufbeurer Sicht bestimmt anklopfen. „Ich will mir den Stress nicht mehr antun.“ Die 100-prozentige Überzeugung klingt da zwar noch nicht durch, fest steht für ihn und seine Frau aber immerhin, dass sie das Werdenfelser Land so schnell nicht mehr verlassen. „Meine Frau hat nun eine gute Arbeit und ihr gefällt es hier richtig gut.“ Ideal für Kastner. „Denn ich tue mir hier sicher leichter, einen Job zu finden.“ Als gelernter Bürokaufmann tendiert er in diese Richtung.

Sepp Staltmayr braucht sich keine Gedanken zu machen. Der arbeitete zuletzt schon in der Kaffee-Rösterei von Ex-Torwartkollege Hardi Wild. Sicher ist er auch dort schon ein Eckpfeiler.

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