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Der Ort der Entscheidung: das Amtsgericht in Weilheim. 

Es geht um die Zukunft

SC Riessersee: Jetzt steht die Abstimmung über den Insolvenzplan an

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Der SC Riessersee braucht am  Dienstag die einfache Mehrheit der Gläubiger, dann ist der Traditionsverein dabei in der Eishockey-Oberliga Süd in der kommenden Saison. Im Amtsgericht in Weilheim stimmen die Gläubiger am Vormittag über den Insolvenzplan ab. SCR-Anwältin Birgitt Breiter hat zuletzt umfangreiche Vorarbeit geleistet.

Garmisch-Partenkirchen – Der Tag X ist gekommen: Am Dienstag geht es für den SC Riessersee um die Zukunft. Dann entscheidet sich vor Gericht in Weilheim, ob die Gläubiger mitspielen, die Planinsolvenz durchgeht, die GmbH gerettet werden kann. Folglich auch, ob das Team kommenden Saison in der Oberliga antreten wird.

Der SCR braucht die einfache Mehrheit „in Summe und nach Köpfen“, erklärt Anwältin Birgitt Breiter. Heißt im Klartext: Mehr als die Hälfte der Gläubiger hat dem Insolvenzplan zuzustimmen, zudem müssen mindestens 51 Prozent der Gesamt-Summe an offenen Forderungen erreicht werden. Mit Tendenzen hält sich Breiter zurück: „Vor Gericht kann man sich nie sicher sein“, sagt die Bad Tölzerin. Allerdings hat sie in den vergangenen Tagen und Wochen viel mit den Gläubigern gesprochen und dabei sehr erfreuliche Rückmeldungen erhalten. „Die Grundstimmung ist absolut positiv, so etwas habe ich noch nie erlebt.“

Gebuckelt haben die Verantwortlichen mächtig. Den Insolvenzplan in Abstimmung mit Sachwalter Dr. Robert Hänel zu erstellen, war die Hauptaufgabe für Breiter und Interimsgeschäftsführer Stefan Endraß. Ein immenser Aufwand, galt es doch, Vergleiche mit allen Gläubigern der SCR GmbH zu schließen. Allein dieser Akt gestaltet sich nicht so einfach: „Zunächst einmal muss jeder Anspruch geprüft werden, ob er überhaupt begründet ist“, schildert Breiter. „Dann musst du in jedem einzelnen Fall vorrechnen, was derjenige mit Insolvenzplan und ohne erhält.“ Am Ende müssen die Gläubiger durch die Planinsolvenz besser gestellt sein als bei einem Scheitern des Rettungsversuchs. Sonst weist das Gericht das Vorhaben ab.

Zum Paket an Hausaufgaben gehörte zudem eine Budgetplanung für die Saison 2018/19. Dafür mussten erst einmal fehlende Steuererklärungen angefertigt und beim Finanzamt abgeliefert werden.

Die SCR GmbH hat allerdings nicht nur Verbindlichkeiten auflaufen lassen, in der Tat gibt es auch offene Forderungen. Beispielsweise gegen verschiedene Unternehmen von Ex-Gesellschafter Udo Weisenburger wie die TAA Group. Dass der Grainauer vertragliche Verpflichtungen nicht erfüllt hat, ist ein offenes Geheimnis. Der SCR muss somit nun gegen den eigenen ehemaligen Chef gerichtlich vorgehen. Eine Pflicht, das macht Breiter klar. Denn aus diesen Ansprüchen können wiederum die jetzigen Gläubiger weiter bedient werden. „Bevor die Planinsolvenz durch ist, müssen die Klagen aber bei Gericht bereits eingereicht sein.“ So geschehen am vergangenen Freitag.

Wie viele Betroffene persönlich zum Termin im Amtsgericht Weilheim erscheinen – das Verfahren ist nichtöffentlich –, kann Breiter nicht abschätzen. „Es gibt Gläubiger wie Leasing-Firmen, die irgendwo in Deutschland sitzen, die gar kein Interesse an so einem Verfahren haben“, betont Breiter. „Die halten sich total bedeckt.“ Keine Antwort auf den Insolvenzplan kommt aber einer Enthaltung gleich – und hat keine negativen Folgen für den SCR.

Um möglichst viele Rückmeldungen zu bekommen, haben Breiter und Co. in der vergangenen Woche noch einmal zum Rundumschlag ausgeholt. Montag und Dienstag schickten sie Schreiben mit Vollmachten raus. „Am Mittwoch haben wir dann gleich hinterhertelefoniert“, sagt sie. Denn die Schriftstücke sind nur gültig, wenn sie bis zum Erörterungstermin vor Gericht auch im Original vorliegen. Montagfrüh marschierte Breiter daher mit großem Interesse nochmals zum Briefkasten – und fand darin wieder eine kleinen Packen. „Wir haben echt eine ordentliche Anzahl eingesammelt.“

Mit einem guten Gefühl wird sich Breiter daher am Dienstag auf den Weg ins Gericht machen. „In jedem Fall werd’ ich aber wieder furchtbar aufgeregt sein“, sagt sie. Obwohl sie zahlreiche Verfahren dieser Art bereits abgewickelt hat – diese Anspannung ist ihr immer geblieben. „Und immerhin ist es die erste Insolvenz, die ich mit einem Sportverein durchziehe.“ Bekommt der SCR grünes Licht, gilt es lediglich noch eine 14-Tage-Frist für Einwände abzuwarten. In dieser Zeit sind aber keine grundlegenden Änderungen mehr zu erwarten.

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