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Von wegen beste Aussichten: Geschäftsführer Udo Weisenburger und Mitarbeiter Stefan Endraß (l.).

Kooperation mit EHC erst einmal „hinfällig“

SCR: Droht nun sogar die Insolvenz?

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Die Führung des SC Riessersee ist geschrumpft: Udo Weisenburger und Stefan Endraß sollen in den nächsten Tagen die Lage in den Griff kriegen – per Schuldenschnitt. Währenddessen verliert der SCR nicht nur seine Spieler, sondern auch den Kooperationspartner.

Garmisch-Partenkirchen/München– Stefan Endraß ist ein einsamer Mann im Büro des SC Riessersee. Er bezeichnet sich selbst als den „einzigen und letzten Mitarbeiter“ der GmbH. Katja Haas, bislang auch in der Geschäftsstelle, hatte zum 1. Mai gekündigt. Sie folgte einem Angebot aus der österreichischen Heimat. Den Dampfer, der wegen seiner vielen Lecks und Löcher unterzugehen droht, steuern nur noch Kapitän Udo Weisenburger und sein Erster Offizier Endraß. „Ich werde Udo mit Rat und Tat zur Seite stehen“, betont Endraß. Im Februar hatte ihn der SCR als neuen Geschäftsführer vorgestellt. Nun stellt der 36-Jährige klar: GmbH-Boss war er nie. „Zu keinem Zeitpunkt.“ Vielmehr leitet er die Geschäftsstelle. Auf diese rechtliche Nuance achtet Endraß bewusst. Im schlimmsten Fall (einer Insolvenz) haftet der Geschäftsführer: Weisenburger.

Die beiden versuchen verzweifelt, den Patienten am Leben zu erhalten. Es braucht dazu keinen Defibrillator sondern Geld. „Ziel ist, die finanzielle Lage in den Griff zu bekommen“, sagt Endraß. Das müsse in den nächsten Tagen passieren. Weisenburger plant einen Schuldenschnitt – die radikalste Art der Sanierung, bei der Gläubiger auf ihre Forderungen (teilweise) verzichten. Darüber hatte der SCR-Chef unsere Zeitung bereits am Mittwochabend informiert. Einigt sich Weisenburger nicht mit seinen Gläubigern oder treibt kurzfristig kein Geld auf, dürfte ein Insolvenzverfahren nicht zu vermeiden sein. Zur Lage wollte sich Endraß gestern nicht weiter äußern. Er verwies auf Weisenburger, der jedoch nicht erreichbar war, obwohl er ein Treffen mit der Tagblatt-Sportredaktion angekündigt hatte, in dem er alle Papiere, Daten und Fakten offenlegen wollte. Eine neue Heimat für den SCR könne man erst finden, wenn das Führungsteam die Schieflage gemeistert hat.

Seeliger vom DEB: „Alle Augen können wir nicht zudrücken“

Geht es nach dem Unternehmer aus Grainau, treten die Werdenfelser künftig in der Oberliga an. Oliver Seeliger, beim DEB für die Dritte Liga zuständig, sagt: Der SCR erhält natürlich eine Chance, sofern er bis 31. Mai alle Unterlagen für eine Lizenzierung einreicht. Noch kennt Seeliger keine Zahlen aus Garmisch-Partenkirchen. Deshalb traut sich der Ligenleiter nicht, eine Prognose abzugeben. „Es ist schwer zu beurteilen, weil wir nicht wissen, wie es im Einzelnen aussieht.“ Seeliger verweist auf den EV Landshut im Jahr 2016 – ein „ähnlicher Fall“. Die Niederbayern hatten sich damals ebenso mit einem Schuldenberg aus der DEL2 zurückgezogen. In der Saison darauf traten sie eine Klasse tiefer an – mit Stefan Endraß als Geschäftsführer und vielen Auflagen der Liga. Ähnlich könnte es beim SCR laufen, wenn der DEB eine Perspektive auf Besserung sieht. Man gebe den Vereinen gerne eine Chance, sagt Seeliger. „Aber alle Augen können wir nicht zudrücken.“ Selbst sein Kollege Rene Rudorisch von der DEL2 hält noch eine Hintertüre für den SCR offen. Bis 24. Mai haben die Werdenfelser Zeit, die Unterlagen einzureichen. Diese Option schließt die SCR-Führung jedoch kategorisch aus.

Rat an die Spieler, sich nach einem neuen Verein umzuschauen

Endraß informierte per Telefon am Mittwoch alle Spieler über das riesige Loch und riet ihnen, sich nach neuen Vereinen umzuschauen. Ihre Verträge sind nur für die Zweite Liga gültig. Die ersten Profis sind offenbar fündig geworden. Das Tagblatt hat erfahren, dass es Richie Mueller zurück nach Frankurt zieht sowie Lubor Dibelka mit den Tölzer Löwen verhandelt. Die Tölzer sollen sich auch schon beim EHC Red Bull München gemeldet und über eine Kooperation gesprochen haben. Christian Winkler, Manager des Deutschen Meisters, wollte sich dazu nicht äußern. Er sagte, dass er die neuesten Entwicklungen beim Partner „mit großem Bedauern“ zur Kenntnis nehme und mögliche Veränderungen „zu gegebener Zeit“ bekannt gegeben werden. Endraß teilte mit, dass die „Kooperation erst einmal hinfällig“ ist. Coach Toni Söderholm, den die Münchner bezahlt haben, wird zum EHC zurückkehren und den Trainerstab des Deutschen Meisters erweitern.

Wie es beim SCR weitergeht, kann Endraß nicht sagen. „Ich habe keine Glaskugel. Wir können es nicht vorhersehen.“ Auf jeden Fall werden Weisenburger uns sein letzter Mitstreiter „alles versuchen“.

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