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Stefan Endraß fungiert als Interims-Geschäftsführer.

Doch noch ein gutes Ende?

Zweite Chance für den SCR: Erst Planinsolvenz, dann Oberliga

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Der SC Riessersee erhält eine zweite Chance: Gelingt es, die GmbH im Rahmen einer Planinsolvenz von den Schulden zu befreien, steht der Weg in die Oberliga offen.

Garmisch-Partenkirchen– Acht Tage sind die Schreckensnachrichten rund um den SC Riessersee alt. „Aus in der DEL2“, „Sechs Wochen Hölle: Unterstützergruppe wirft das Handtuch“ – so titelte das Tagblatt. Das Ende schien nah. Würde der Traditionsverein dieses Mal die volle Breitseite abbekommen? Im Klartext: Bricht alles zusammen, gibt es kein Eishockey mehr? Wenige hätten diese Fragen am vergangenen Wochenende mit „Nein“ beantwortet. Wohl auch nicht die Geschäftsleute, die im Hintergrund viel Engagement in einen Rettungsversuch gesteckt hatten und einmal mehr von Gesellschafter Udo Weisenburger enttäuscht wurden.

Birgitt Breiter hat bereits die Tölzer Löwen saniert.

Irgendwo aber brannte noch ein kleines Flämmchen Hoffnung. Vielleicht brannte es in der Kanzlei von Birgitt Breiter in Holzkirchen. Die Fachanwältin für Insolvenzrecht sagt eines ganz klar: „Wir dürfen den SCR nicht sterben lassen.“ Dass sie Bad Tölzerin ist, verheimlicht sie nicht. Die schwarz-gelben Löwen hat sie bereits bei der Sanierung maßgeblich begleitet. Nun will sie ihren Anteil beisteuern, um dem SCR aus der Klemme zu helfen. Breiter gehört der Rettergruppe seit der ersten Stunde an. Sie war es auch, die am Donnerstag vor einer Woche DEL2-Ligenleiter René Rudorisch vom Verzicht der Teilnahme am Lizenzierungsverfahren informiert hatte. Leicht war ihr das nicht gefallen. „Die Unterstützer hatten so viel auf die Beine gestellt, aber es ging nicht anders mit einer GmbH, die man nicht mehr beurteilen kann.“ Zu groß waren die finanziellen Unwägbarkeiten.

Vermarktungs-GmbH des SCR muss entschuldet werden

Trotz der erneuten Ohrfeige durch Weisenburger, der seinen Verpflichtungen im Kampf um den DEL2-Start nicht nachkam, war es auch Breiter, die die Gruppe noch einmal motivierte, das Projekt nicht aufzugeben. „Der DEB kam mit der Aussage, dass wir in der Oberliga spielen könnten, wenn wir die Insolvenz durchbringen“, sagt sie. „Wir haben das als eine echte Alternative gesehen.“

Bereits am Montag dieser Woche fuhren Breiter und Geschäftsstellenleiter Stefan Endraß erstmals nach München zum Verband, um in Gesprächen die Rahmenbedingungen abzustecken.

Des Rätsels Lösung soll in einer Planinsolvenz liegen. Die Vermarktungs-GmbH des SCR muss entschuldet werden. „Wir bereiten den Antrag derzeit vor“, sagt Breiter. Am Dienstag will sie ihn beim Gericht in Weilheim vorbeibringen – persönlich. Für Montagabend hat sie ein Gläubigertreffen anberaumt. Dort soll ein Ausschuss gebildet werden. Der Zeitplan ist straff. „Sportlich“, bestätigt Breiter. Denn ein Ziel haben Endraß und sie: „Vor Saisonbeginn wollen wir alles abgewickelt haben.“ Das ist dem Duo wichtig. Denn: „Wir möchten unseren Partnern und Sponsoren zeigen, dass ihr Engagement nicht in die Vergangenheit geht, sondern in die Zukunft“, stellt Endraß heraus.

„Wenn wir uns nicht sicher wären, ... würden wir den Weg nicht gehen.“

Er selbst wird in dieser Zeit als Interims-Geschäftsführer fungieren. Klar ist: Udo Weisenburger wird kein Teil des neuen SCR sein. Seine Aufgabe besteht nun darin, die Retter bestmöglich zu unterstützen, Unterlagen und Informationen beizusteuern – und den Insolvenzantrag zu unterschreiben. Das muss er als aktueller Geschäftsführer der GmbH tun. Angst, dass der Grainauer noch einmal zum Stolperstein werden könnte, hat Breiter nicht. „Er wird das nicht tun“, sagt sie klar. „Er wird seine Ämter niederlegen und die Anteile abgeben.“

Damit wäre der Weg frei für die Planinsolvenz. Breiter skizziert den Ablauf wie folgt: Nach der Abgabe des Antrags werde das Gericht einen Gutachter bestellen. Mit der Eröffnung des Verfahrens rechnet sie in der Kalenderwoche 29 ab dem 16. Juli. „Wir werden dann relativ schnell einen Insolvenz-Plan aufstellen.“ Ende August soll das Projekt zum Abschluss gebracht werden – in jedem Fall, bevor die Oberliga am 28. September in die Saison startet.

Die Chancen auf ein gutes Ende stufen Breiter und Endraß hoch ein. „Wenn wir uns nicht sicher wären, dass das Vorhaben von Erfolg gekrönt wird, würden wir den Weg nicht gehen“, betont Endraß. Der Retter-Initiative stehen arbeitsreiche Wochen bevor. „Das wird sehr intensiv“, bestätigt er.

Mit einer Problematik muss der Verein leben

Bei allem Kampf um den Fortbestand dürfen auch die Rahmenbedingungen für den Sportbetrieb nicht vergessen werden. Der SCR braucht eine Mannschaft. „Auf dem Papier haben wir derzeit null Spieler“, räumt Endraß ein. Doch auch in dieser Hinsicht sind die Macher schon deutlich weiter. „Erste Gespräche haben stattgefunden, wir sind mit vielen in Kontakt.“ Konkretes soll es in den kommenden Wochen geben. „Wir hatten für die DEL2 ja bereits Spieler verpflichtet, einige sind interessiert, auch in der Oberliga bei uns zu spielen.“

Fix ist, dass Endraß gemeinsam mit Toni Söderholm am Kader bastelt. Der Trainer bleibt dem SCR – für den Erfolgsfall – erhalten. Damit verbunden ist die Kooperation mit dem EHC Red Bull München. „Wir haben in den vergangenen Wochen zahlreiche Gespräche geführt, auch mit vielen Zweitligisten, aber die Entwicklung beim SCR stets verfolgt“, sagt EHC-Geschäftsführer Christian Winkler. „Wir halten diesen Weg für unterstützbar. Für uns ist er die beste Lösung.“ Winkler betont, dass auch Cheftrainer Don Jackson und Söderholm voll hinter einer Fortsetzung der Zusammenarbeit stehen, macht aber klar, dass diese einen „Riesenvertrauensvorschuss“ bedeute.

Der SCR peilt also die Oberliga an. Sollten die Gläubiger mitspielen – und das tun sie laut ersten Kontakten von Breiter – wäre der Weg frei. Mit einer Einschränkung. Die Statuten des DEB sehen vor, dass ein Klub in einer Planinsolvenz zwar am Spielbetrieb teilnehmen könne, nicht aber an einer Endrunde. Heißt: Nach der Hauptrunde würde der SCR auf den letzten Rang gesetzt, müsste mit den besten Bayernligisten um einen Platz in der Oberliga kämpfen. „Dieses Thema haben wir nicht vom Tisch bekommen“, sagt Endraß. Aber mit dieser Problematik kann er gut leben. „Wir haben die Möglichkeit, nach einer Saison wieder ein ganz normaler Oberligist zu sein. Ich denke, das ist eine Supersache. Die Alternative wäre das Aus für Eishockey in Garmisch-Partenkirchen.“ Im Gegensatz zu den Schreckensmeldungen von vor acht Tagen ganz sicher.

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