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Vom Urteil überrascht: der ehemalige Geschäftsführer des SC Riessersee, Ralph Bader, und Anwalt Alexander Stolberg.

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SCR-Hintergrund: Baders teure Übernachtung

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Ralph Baders fristlose Kündigung beim SCR war rechtens – zu diesem Urteil kommt das Arbeitsgericht München. Gereicht hat der Kammer ein Grund. Ob der ehemalige Geschäftsführer in Berufung geht, ist offen. Auf jeden Fall erwartet ihn eine Schadenersatzklage.

Garmisch-Partenkirchen– Ralph Bader verließ den Sitzungssaal 4 des Arbeitsgerichts als Erster. Er stand auf, sagte höflich „Auf Wiedersehen“ zu Richter Tobias Romeikat,öffnete die Türe und verschwand. Ganz alleine.

Udo Weisenburger saß gleichzeitig irgendwo auf den Philippinen. Seine Firma, die TAA-Group, hat dort eine Dependance eingerichtet. Die Geschäfte verlangten nach dem Chef. Sein Handy aber verriet ihm kurz nach 19 Uhr Ortszeit, was im Gerichtssaal, 10 000 Kilometer entfernt, vor sich gegangen war. Über den Nachrichtendienst WhatsApp, sagt Weisenburger gestern am Telefon, habe er vom Urteil erfahren, das ihn acht Monate beschäftigt hat: Die fristlose Kündigung für Bader, den Ex-Geschäftsführer des SC Riessersee, die er selbst ausgestellt hatte, war rechtens.

Richter Romeikat redete nicht lange. Keine Minute dauerte er, bis er die entscheidenden Worte verlas. Die Kammer habe Ralph Baders Klage abgewiesen. „Im Wesentlichen haben Sie den Prozess verloren“, sagte er und blickte dem Ex-Geschäftsführer in die Augen. Aus den Gründen, die Weisenburger und sein Anwalt Gernot Giesecke auf vielen Seiten zusammengetragen hatten, wählte Romeikat einen aus. Der alleine, betonte der Richter, war wichtig genug, um die fristlose Kündigung zu rechtfertigen. Mit allen weiteren Fällen „muss sich die Kammer nicht auseinandersetzen“.

Bader und seinen Anwalt überrascht das Urteil

Am 20. Januar dieses Jahres hatte Bader im Mövenpick-Hotel am Münchner Flughafen eingecheckt. Vor einer USA-Reise übernachtete er dort samt Begleitperson und aß mit ihr. Der Aufenthalt kostete etwas mehr als 400 Euro – abgerechnet über die GmbH. Der Vorsitzende betont aber: „Sie hätten nicht übernachten müssen. Sie hätten aus Garmisch-Partenkirchen anreisen können.“ Außerdem habe es keinen Grund gegeben, eine zweite Person mitzunehmen. Romeikat sah den Tatbestand der Untreue erfüllt, der die fristlose Kündigung stützt.

Bader hat diese Übernachtung nie bestritten, wie er hinterher am Telefon betont. Nach wie vor hält er sie für notwendig. Wie es der Zufall wollte, war die Bundesstraße 2 an diesem Tag „stundenlang gesperrt“, sagt er. „Aber das hilft mir nichts.“ Das Urteil habe ihn „sehr überrascht“. Der 53-Jährige erinnert an Romeikats Worte bei der mündlichen Verhandlung. Vor zwei Wochen hatte der Richter dem Geschäftsführer einen gewissen Ermessensspielraum bei solchen Reisen zugesprochen. Offenbar hat Bader ihn überschritten. Er kann trotzdem nicht nachvollziehen, wie ein noch vier Jahre gültiger Vertrag wegen 400 Euro fristlos gekündigt werden kann. „Die Verhältnismäßigkeit“ stört ihn. Im Gegenzug habe er dem SCR viel Geld geliehen. Auch diese Schriftstücke hatte Bader dem Gericht überreicht. „Es ist ein Wahnsinn“, sagt er, „dass 13 Jahre wegen 400 Euro zu Ende gehen.“ Noch haben er und sein Anwalt Alexander Stolberg nicht entschieden, ob sie in Berufung gehen. Zunächst möchten beide die schriftliche Begründung abwarten, mit der Stolberg Mitte Januar rechnet. Der Anwalt hält die Begründung des Gerichts für „inhaltlich falsch“. Vielmehr glaubt er, dass sich die Kammer „mit dem Rest nicht auseinandersetzen wollte“. Im Zuge der Verkündung teilte Romeikat zudem mit, dass Bader noch 1840 Euro Gehalt zustehen und er 98 Prozent der Gerichtskosten (Stolberg schätzt eine niedrige vierstellige Summe) zahlen muss.

Weisenburger zu Schadenersatzklage: „Die wird kommen“

SCR-Boss Weisenburger kann sich nicht vorstellen, dass Bader gegen das Urteil ankämpft. Seine Seite habe so viele Punkten zusammengetragen, die beweisen, wie „gravierend“ Bader der GmbH geschadet hat. „Mir kann’s recht sein“, dass gleich die Übernachtung im Hotel ausschlaggebend war. „Wir haben viele wichtige Argumente gehabt“, stellt der Geschäftsführer klar. Im Prinzip sei er die ganze Zeit optimistisch gewesen. Doch vor Gericht wisse man nie, wie es ausgeht. „Wir freuen uns alle sehr“, sagt er, da sich der Zweitligist nun auf den Sport konzentrieren kann. „Viel, viel Arbeit“ liege vor dem Team, um dem langfristigen Ziel – der schwarzen Null – näher zu kommen. Bader dürfte eine Schadenersatzklage ins Haus flattern. „Die wird mit Sicherheit kommen“, betont der SCR-Chef. Es geht um Beträge im sechs- und sogar siebenstelligen Bereich, sagt er. „Wir haben einiges beieinander.“ Viele Punkte sind Weisenburger zufolge im aktuellen Fall gar nicht vorgekommen. Wann er die Klage einreicht, weiß er noch nicht. Der Gesellschafter stellt nur klar: „Ich kann mir vorstellen, dass wir die zeitnah einreichen werden.“

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