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DEL-tauglich: das Olympia-Eissportzentrum.

Liga der Geeinten

Einer von sechs Zweitligisten: SCR reicht DEL-Bewerbung ein

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Garmisch-Partenkirchen - Das deutsche Eishockey steht vor einer wegweisenden Neuerung: Ab 2018 könnte es wieder Auf- und Abstieg in die DEL geben. Eine große Rolle bei den Verhandlungen spielt der SC Riessersee.

Es war eine dieser Nachrichten, die Fans des SC Riessersee ganz genau lesen mussten: Der Zweitligist aus Garmisch-Partenkirchen hat am Donnerstag die Unterlagen für einen möglichen Aufstieg in die DEL eingereicht und dazu eine Bürgschaft in Höhe von 816 000 Euro hinterlegt. Kein April-Scherz – auch wenn die Meldung am 1. April an die Öffentlichkeit ging. Okay. Jetzt zum wichtigeren Punkt: Was bedeutet sie denn für den SCR?

Nun, nicht das, was man schnell, schnell beim Überfliegen vermuten könnte. Beim Verein ist nicht der Größenwahn ausgebrochen. Mit Sicherheit nicht. „Es ist klar, dass die DEL zum jetzigen Zeitpunkt realitätsfremd ist für uns“, erklärt Geschäftsführer Ralph Bader. Riessersee peilt garantiert nicht den Aufstieg an. Es geht darum, dass es in der Zweiten Liga nach zehn Jahren überhaupt wieder einen geregelten Auf- und Abstieg gibt. Seit 2006 spielt die ganze Klasse um den trivialen Titel des Zweitliga-Meisters. Ein Team wie Bietigheim kann seinen Briefkopf seitdem mit der Anmerkung „Meister der Zweiten Bundesliga/DEL2 in den Jahren 2009, 2013, 2015“ schmücken. Nach oben ging’s für die Steelers nie. In den elitären Kreis der DEL-Teams rückte nur auf, wer genug Geld mitbrachte und sich einkaufte. Im Jahr 2018 – also genau in 24 Monaten – soll sich das ändern. Denn die Zweite Liga peilt für die Saison 2017/18 wieder eine Verzahnung mit der DEL an. Im Gegenzug forderte die Top-Liga von sechs Teams Unterlagen sowie Bürgschaften zu je 816 000 Euro (das Eintrittsgeld) – insgesamt somit etwa 4,9 Millionen Euro. „Das war die Grundvoraussetzung, um darüber diskutieren zu können“, erklärt Bader.

Ziel: sportlichen Aufstieg wiedereinführen

Ralph Bader will, dass sich der Verein weiterentwickelt.

An diesem Punkt kommt der SCR ins Spiel. Als einer von sechs DEL2-Klubs hat Riessersee die Auflagen erfüllt. Die übrigen Teams: Bietigheim, Bremerhaven, Kassel, Ravensburg, Heilbronn. Oder anders gesagt, die Top-Vier nach der Hauptrunde, der Tabellenletzte sowie der SCR. Liga-Krösus Frankfurt beteiligte sich dem Vernehmen nach nicht. Bader betont aber, dass es nicht entscheidend sei, welche Klubs sich bewerben. „Man darf nicht mit dem Finger auf andere zeigen. Wichtig ist, dass die DEL alles fristgerecht vorliegen hat.“ Denn das Ziel, den sportlichen Aufstieg wiedereinzuführen, eint Klubs. Man mag’s kaum glauben, die Kleinen halten zusammen. Das ist keine Selbstverständlichkeit in einer Spielklasse, die früher in jedem Sommer mit Grabenkämpfen und Streitereien aufhorchen ließ. „Die ganze Liga profitiert davon. Sie hilft zusammen, das zu bewältigen.“

Diese neue Einigkeit zahlt sich aus für den SC Riessersee. Denn: Für einen Großteil der Bürgschaft kommt der Klub selbst auf. „Personen, die uns nahe stehen, haben geholfen“, erklärt Bader. Einen weiteren Teil übernimmt – so komisch das klingt – die Liga. Genauer, andere Vereine, die der Geschäftsführer nicht nennen möchte. „Der Rest ist der Solidarität der ganzen Liga geschuldet. Der Wille, nicht aufzugeben, war bei allen da.“ Ähnlich läuft es bei den Heilbronner Falken. Auch ihnen helfen die übrigen Klubs.

Prüfung der Unterlagen dauert bis Ende April

Im Vorfeld war Bader auf Gönner und Sponsoren zugegangen und hatte nachgefragt, ob sie nicht für den Verein bürgen könnten. Viele baten um Bedenkzeit, prüften seine Anfrage intern. Das dauerte. „Die Zeit ist immer knapper geworden.“ Erst zur Frist (31. März) hatte er alle Unterlagen beisammen. Nun ist die Eliteliga am Zug. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Jetzt muss die DEL beurteilen, wie gut.“ Bis Ende April prüfen und bewerten die Verantwortlichen die Unterlagen. „Ich gehe davon aus, dass die DEL das positiv sieht.“

Als Triebfeder hebt Bader Liga-Geschäftsführer René Rudorisch hervor – „er hat nie aufgegeben“ – und vergleicht dessen Situation mit seiner eigenen. „Ihm ging es so wie mir oft in den letzten Jahren. Ich kenne dieses Gefühl.“ Auf den letzten Drücker hatte Bader in der Vergangenheit oft finanzielle Löcher stopfen müssen, um zu überleben. Doch die Horror-Jahre sind vorbei.

Eissportzentrum wäre geeignet für DEL-Spiele

Mittlerweile hat sich der SCR finanziell stabilisiert und im Mittelfeld etabliert. Bader betont: „Wir wollen uns weiterentwickeln.“ Als wichtigen Schritt – nicht nur fürs eigene Image – sieht er die Riesserseer Rolle bei den Verhandlungen. „Ich bin stolz darauf, dass wir als kleiner Klub bei den Sechs dabei sind.“ Geht alles gut, spielt die Liga in den Playoffs 2018 den ersten sportlichen Aufsteiger aus. Auch Riessersee könnte es treffen. Das Olympia-Eissportzentrum wäre jedenfalls DEL-tauglich. „Unser Stadion ist eines der besten der ganzen Zweiten Liga.“ Müsste der Verein tatsächlich noch die 816 00 Euro aufbringen – und den Etat aufstocken. Ein extrem unwahrscheinliches Szenario. Dennoch sagt Bader: „Man muss auch Visionen haben.“

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