Rosenheims Curtis Leinweber erzielt gegen Christian Schneider, SCR-Goalie, das 3:0 für die Starbulls.
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Hatte nicht nur in dieser Szene das Nachsehen: SCR-Goalie Christian Schneider musste gegen Rosenheim fünfmal hinter sich greifen.

SCR unterliegt den Starbulls Rosenheim mit 3:5

Kein Feiertag für den SC Riessersee

  • vonPatrick Hilmes
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Gerne hätte sich der SC Riessersee am Zweiten Weihnachtstag selbst mit drei Punkten in der Eishockey-Oberliga beschenkt. Doch nur ein gutes Drittel genügte beim 3:5 gegen die Starbulls aus Rosenheim nicht.

Garmisch-Partenkirchen – Mal sieht man vereinzelte Spaziergänger auf den Gehwegen, mal blenden einen die grellen Scheinwerfer weniger Autos. Ansonsten sind die Straßen in Garmisch-Partenkirchen verwaist. Ausnahmsweise hat das mal nichts mit Corona zu tun. Es ist der Zweite Weihnachtstag. Das besinnliche Fest inklusive der Minusgrade treiben die Menschen am Abend nicht nach draußen, sondern hält sie daheim auf dem Sofa, vor dem warmen Kamin. Hier und dort packen Kinder noch ihre x-ten Geschenke aus, während sich die Erwachsen geschafft zurücklehnen, nachdem sie das dritte zünftige Weihnachtsmenü verputzt haben. Alle machen es sich gemütlich. Dasselbe hätten die Spieler des SC Riesserseebestimmt auch gerne gemacht, sicherlich lieber als solche zwei Drittel gegen die Starbulls aus Rosenheim zu spielen. Denn gemütlich machten es sich lange Zeit im Olympia-Eissportzentrum ausschließlich die Rosenheimer, die das Spiel der Eishockey-Oberliga mit 5:3 gewannen.

Rosenheims Matchplan geht auf

Ihr Lieblingsplätzen, quasi ihr Sofa, hatten die Starbulls schnell gefunden: das SCR-Drittel. Sie nisteten sich ein, machten es sich gemütlich. Wie? Sie hatten einen funktionierenden Plan. Die Starbulls wussten ganz genau, wie sie den Gastgebern das Fest vermiesen konnten. Vollgas vorne draufgehen, den Weiß-Blauen keine Luft zum Atmen lassen. Das aggressive Forechecking war kein ein Festschmaus für die Gastgeber. Im Gegenteil, es schmeckte ihnen ganz und gar nicht. Die Folge: kein strukturierter Spielaufbau des SCR. Und er kassierte auch direkt einen ersten Nackenschlag: Bereits in Minute zwei fälschte Louis Anders einen Schuss von der blauen Linie ab. 1:0 für die Gäste, bei dem Goalie Christian Schneider auf dem falschen Fuß erwischt wurde. Zwar versuchte der SCR, ins Spiel zu finden, doch die Starbulls ließen das nicht zu und legten nach. Der nächste abgefälschte Schuss, der nächste Treffer. Diesmal wurde die Flugkurve der Scheibe kurz vor Schneider verändert, der somit keine Chance hatte. Und so nahm es seinen Lauf. Riessersee gelang nichts, auch sämtliche Bullys gingen verloren. Demnach kaum Scheibenbesitz gegen die passsicheren und mit gutem Auge agierenden Rosenheimern, die ihr zweites Powerplay zum 3:0 nutzten. Ein gebrauchtes erstes Drittel für den SCR.

Mit gesenkten Köpfen in die Drittelpause

Das zweite brachte nur marginale Verbesserung mit sich. Riessersee überstand zwar ein Drei-gegen-Vier schadlos und verbuchte zwei gute Chancen durch Robin Soudek und Moritz Miguez, doch es lief weiter wenig zusammen. Das wurmte insbesondere Uli Maurer. Der Frust staute sich auf und entlud sich in einem lautstarken Anranzer gegen Simon Mayr. Dabei stand dem SCR das Schlimmste im zweiten Durchgang noch bevor. Binnen 49 Sekunden schlugen die Starbulls doppelt zu. Riessersee wechselte, Rosenheim erzielte das 4:0. Riessersee antwortete wütend, Rosenheim antwortete per Konter mit dem 5:0. Die Entscheidung schien gefallen. Mit gesenkten Köpfen verließen die Gastgeber das Eis zur Drittelpause.

Rosenheim schaltet zwei Gänge runter, wird aber nicht entscheidend bestraft

Abschlachten lassen wollte sich Riessersee dann aber auch nicht. Die Starbulls schienen daran ebenfalls kein Interesse zu haben, denn sie schalteten mindestens zwei Gänge zurück. Sie gewährten fortan dem SCR ihren strukturierten Spielaufbau, das Forechecking war passé. Ein Fehler der Gäste. Soudek trifft zum 1:5 aus Sicht der Gastgeber – keine Reaktion der Rosenheimer. Miguez trifft zum 2:5 – keine Reaktion der Rosenheimer. Benjamin Kronawitter trifft zum 3:5 – langsam werden die Rosenheimer nervös. Müssen wir hier 3:49 Minuten vor Schluss doch noch was tun, schienen sie sich zu fragen. Kronawitter erzielt beinahe das 4:5, anschließend verliert der Gäste-Goalie seinen Schläger im Zweikampf – plötzlich herrscht Hektik bei den Rosenheimern. Der SCR wittert seine Chance, doch Starbulls-Coach John Sicinski erstickte die Hoffnungen direkt im Keim: Auszeit, ein paar beruhigende Worte. Am besinnlichen Fest sollten sich seine Mannen doch wieder auf die notwendigen Tugenden besinnen. Das half. Die Garmisch-Partenkirchner drückten zwar weiter, doch eine erneute Wendung im Schlussdrittel wie zuletzt gegen Memmingen sollte nicht gelingen. Es sollte kein Feiertag für den SCR werden.

Fazit von SCR-Coach George Kink

„Im ersten Drittel war unser Spielaufbau Katastrophe, die Passqualität mangelhaft, und die Verteidigung war nicht in der Lage, das Tempo des Gegners mitzugehen. Zudem sind das zwei bittere, abgefälschte Tore. Im zweiten Drittel hatten wir weiter eine zu lange Leitung. Auch im Schlussdrittel war das nicht optimal. Man muss aber auch sagen, dass Mannschaften wie Rosenheim, Regensburg und Selb eine Qualität haben, die wir nicht haben – allein schon von der Breite her. Wir haben nun mal in dieser Saison einen kleinen Kader, von dem kann man nicht immer Wunderdinge erwarten. Um gegen die Top-Teams zu gewinnen, muss alles stimmen – auch das Glück.“

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