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Moment des Grauens: Der Bietigheimer Stürmer Tyler McNeely (mit Bart) jubelt nach dem Treffer zum 2:1, der Finalspiel drei entscheidet.
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Von der Kritik ausgenommen: der Fanblock der Gastgeber, der im Gegensatz zu den übrigen Plätzen ordentlich gefüllt ist.
SC Riessersee: Bietigheim Steelers 1:2
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Eishockey: Playoff-Finale

Wegen Deutschland-Fahne: SCR verliert drittes Finale unglücklich

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Bitteres Ende für den SC Riessersee: Das Siegtor der Bietigheimer zum 2:1 fällt, kurz nachdem der Puck die neu-montierte Deutschland-Flagge getroffen hat. Viel mehr ärgert sich der Coach aber über die schwache Offensive – und die Zuschauerzahl.

Garmisch-Partenkirchen gewöhnt sich an Finalspiele. Einen Sänger, wie ihn die Bietigheimer haben, fehlt dem SC Riessersee zwar noch. Dort läuft die Nationalhymne noch vom Band. Aber man muss den Steelers ja zugestehen, dass sie mit den Abläufen dieser Endspiele mehr Erfahrung haben und zum sechsten Mal in Folge dort stehen. Seit Neuestem baumelt wenigstens eine Deutschland-Fahne einsam von der Hallendecke im Olympia-Eissportzentrum. Es hätte sicher andere Plätze für die Flagge gegeben, aber an diesem Platz über dem Eis sah sie jeder. Oder – und das wäre das Beste für den SCR gewesen – man hätte sich das Teil komplett gespart.

In der entscheidenden Szene, die den SC Riessersee erledigte, traf ein Befreiungsschlag der Hausherren die Fahne. Es gab Bully vor dem eigenen Tor – danach stocherte sich Bietigheim zum 2:1-Siegtreffer. „Wir haben das ganze Jahr ohne Fahne trainiert“, sagte Trainer Toni Söderholm. „Aber solche Dinge passieren.“ Er machte die Niederlage nicht an dem unglücklichen Zwischenfall fest. Das große Thema, das ihn beschäftigte, war die Offensive. Die Aktionen: „nicht schlau genug, zu langsam“ – moniert der Finne. Außerdem schossen die Hausherren zu wenig. „Der letzte X-Faktor war nicht da. Wir können viel, viel besser spielen.“

Bietigheim sei allerdings defensiv auch „gut eingerichtet angekommen“. Die Steelers wechselten vom Angriffs- in den Verteidigungsmodus. Viel zurückhaltender agierten sie. „Die Defensive gewinnt immer – egal in welcher Sportart“, sagt Kevin Gaudet. Er sieht es auch als Nebenwirkung der harten Playoffs. Beide Teams absolvierten Viertel- und Halbfinale mit drei Reihen. „Die Müdigkeit ist da“, sagt Gaudet. Es gelte, kleine Fehler zu nutzen. Bietigheim hat sich den Ruf als effektivste Mannschaft der DEL2 erarbeitet. Es ist die besondere Kombination aus Routine und Klasse, mit der die Oldies ihre Tore schießen. Kein Team der Zweiten Liga hat in der aktuellen Spielzeit weniger Schüsse pro Tor (7,6) benötigt als die Steelers. Sie führen die Statistik mit riesigem Vorsprung an. Nach Fehlern, die den Gegner in seinem Innersten verwunden, stürzen sie sich auf ihn. Kurze Momente sind das oft. Nach neun Minuten stand kein Bewacher bei Benjamin Hüfner ein paar Meter vor dem Tor. Er zog frei ab und traf. Sein Jubel danach fiel emotional aus. Er hatte voriges Jahr beim SCR gespielt und war wegen Einsparmaßnahmen vor dem Start nach Bietigheim geschickt worden.

Doch wenn Riessersee in dieser erfolgreichen Saison eine Fähigkeit ausgezeichnet hat, dann die Kunst, auf Rückschläge zu reagieren. Udo Weisenburger verglich es mit dem Champions-League-Finale der Bayern gegen Manchester 1999, als die Engländer in der Nachspielzeit einen 0:1-Rückstand drehten. Solche Momente, sagt der Geschäftsführer, „erleben wir in dieser Saison häppchenweise“. Trainer Toni Söderholm hält die Ruhe seiner Spieler nach Rückschlägen für entscheidend. Nach dem 0:2 am Sonntag habe keiner auf der Bank Hektik verbreitet. Andreas Driendl verkörpert diese Gelassenheit. Nur zwei Minuten nach dem 0:1 spielte er Andreas Eder frei, der kurz vor dem Tor platziert ins Kreuzeck abschloss.

Von der Kritik ausgenommen: der Fanblock der Gastgeber, der im Gegensatz zu den übrigen Plätzen ordentlich gefüllt ist.

Im Anschluss begann das große Zögern und Zaudern. Das hatte durchaus System. Beide Mannschaften verzichteten auf Risiko. Diese ökonomische Spielweise rettete den Gästen zudem ein paar Kraftreserven, die sie im Schlussabschnitt verwendeten. „Wir haben Energie gefunden“, sagt Gaudet. In den letzten zehn Minuten zeigten beide, wie wenig Lust sie auf Verlängerung hatten. Shawn Weller schoss nach einem Befreiungsschlag vorbei. Sturmpartner Tyler McNeely – das Duo mit den längsten Bärten – traf auf kuriose Weise. Riessersee verbaute sich die Chance auf den Ausgleich, weil Simon Mayr und Driendl mit überflüssigen Fouls auf die Strafbank wanderten. Söderholm sagt: „Man kann heute sauer sein, aber morgen scheint die Sonne wieder.“ Die Mannschaft habe genug Seele und genug Leidenschaft. „Wir kommen stärker zurück.“

Der dritte Auswärtssieg im dritten Final-Duell überrascht selbst Gaudet. „Das gibt’s nicht oft.“ Söderholm wollte auf diese Besonderheit nicht eingehen. „Ich kann mich über viele andere Sachen wundern.“ Zum Beispiel ärgerte ihn die Zuschauerzahl gewaltig. Nur 2518 Besucher kamen. In einem Finale der Zweiten Liga. „Für mich ist das enttäuschend. Ich finde das traurig für die Spieler, die für so etwas gekämpft haben.“ Immerhin die Fankurven hätten für ordentlich Stimmung gesorgt. Ansonsten könne er sich das fehlende Interesse nicht erklären, sagt der Heim-Coach. „Ich kann mir nicht vorstellen, was der SCR noch mehr machen könnte.“

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