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Ausgezeichnete Riesserseer: (v.l.) Stefan Endraß, Udo Weisenburger, Florian Vollmer und Richard Mueller mit Liga-Boss Rene Rudorisch, der die Preise an den SCR überreicht.
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Eishockey: DEL 2

2:5 zum Auftakt: SCR noch nicht im Playoff-Modus

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Schock zum Auftakt für den SC Riessersee: 2:5 unterliegt der Vorrundenmeister dem ETC Crimmitschau. Der Gegner zeigt, was dem SCR noch fehlt: Einsatz, Kampf und viele Checks.

Garmisch-Partenkirchen– Theoretisch weiß der SC Riessersee, welche Typen es für Eishockey in den Playoffs braucht. Spieler wie Andreas Raubal und Josef Lehner. Die Ex-Verteidiger, in der aktiven Zeit für jeden Check zu haben, holte sich der Hauptrundenmeister als Einpeitscher für das erste Playoff-Duell gegen Crimmitschau. Man sah sie auf der riesigen Leinwand. Die beiden erzählten, was es in der Endrunde braucht. Raubal veranschaulichte das sogar bildlich. „Auf die Zähne beißen“, sagte er und entfernte sein Zahn-Implantat. Die Zuschauer lachten – zum letzten Mal an diesem Abend.

Solche harten Hunde hätte der SCR gestern gut vertragen können. Lehner, der Ex-Kapitän, hatte im Vorfeld eine winzige Sorge geäußert: Dass Riessersee Probleme mit der physischen Spielweise einiger Gegner bekommen könnte. Nun treffen die Garmisch-Partenkirchner in der ersten Runde blöderweise auf ein Team, das seine Stärken in diesem Bereich sieht. Hinten verteidigen die großen, schweren Brocken – Elia Ostwald, Ole Olleff und Co. –, die im Vergleich zu den recht zierlichen SCR-Stürmern wie Oakley und Beck eher Bulldozern gleichen und alles aus dem Weg räumen. Im Sturm erinnern die Mähnen von Patrick Pohl und Jordan Knackstedt an Löwen. Die beiden Anführer und gefährlichsten Akteure in Crimmitschau verhalten sich auch so bissig. Sie jagten ihre Gegenspieler in die Bande, checkten jeden, der sich bewegte. Sie taten, was man von einer Playoff-Mannschaft erwartet. Es tat weh, gegen die Kämpfer zu spielen. Diese Schmerzgrenze überschritt beim SCR keiner. Das ärgerte Trainer Toni Söderholm, weil er doch bei der Vorbesprechung der Serie am Sonntag in seinem ersten Punkt auf die Physis des Gegners hingewiesen hatte. „Wir wussten, wie körperlich Crimmitschau spielt.“

Ausgezeichnete Riesserseer: (v.l.) Stefan Endraß, Udo Weisenburger, Florian Vollmer und Richard Mueller mit Liga-Boss Rene Rudorisch, der die Preise an den SCR überreicht.

In manch einer Vorrundenpartie wäre das kein Hindernis gewesen. Zu überlegen und zu eingespielt präsentierten sich die Werdenfelser. Doch diese Sicherheit haben sie in Spiel eins eingebüßt. „Wir waren nicht im Rhythmus“, sagt Söderholm. Nach zehn Tagen Pause sei das auch schwierig. Dazu quälten sich einige Cracks zuletzt krank durchs Training. Vor der Partie ehrte die Liga auch noch die Gastgeber als Hauptrundenmeister und Fairplay-Sieger sowie Richard Mueller als Top-Scorer. Auf den besten Plätzen saßen die Meister von 1978 – 40 Jahre nach ihrem Coup. Viel Ablenkung vor diesem großen Spiel. Zwei Drittel mühten sich die Hausherren, überhaupt einen ordentlichen Spielaufbau zustande zu bringen. Der ETC bremste sie schon in der neutralen Zone ab wie ein Stoßdämpfer. „Das ist der Trick gegen die Schnelligkeit des SCR“, sagt Gäste-Coach Kim Collins. All der Schwung verpuffte im Ansatz. Praktisch jeder wichtige Zweikampf ging an die Sachsen. Jede Scheibe fiel ihnen zu. Sie hatten sich das verdient mit ihrer kämpferischen Art.

Nicht einmal die Top-Reihe rettete diesmal in der brenzligen Lage. Matthias Beck erwies sich gestern nicht als das passende Puzzlestück zwischen Richard Mueller und Andreas Driendl. Ab und an lieferte Driendl – der Spieler des Jahres in der Zweiten Liga – einen dieser Überraschungsmomente. Daraus endstand jedoch nichts Produktives. Für das ganze Team galt: Es spielte zu umständlich, zu ungenau und vor allem mit zu wenig Kampf. „Das war ganz weit weg von dem, was wir besprochen haben“, kritisiert Coach Söderholm.

Die „andere Mannschaft“ – damit zielt er auf den ETC ab – sei nach einer Woche in der Quali-Runde längst im Playoff-Modus, den Riessersee noch sucht. Einen Schönheitspreis für außergewöhnliche Spielzüge werden die Sachsen nicht gewinnen. Seine Mannschaft habe sicher nicht das ansehnlichste Eishockey gezeigt, sagt Coach Collins, „aber dafür sehr effektives“. Wann immer sich die Möglichkeit ergab, visierten sie das SCR-Tor an. Manchmal – wie bei Ostwalds Schuss durch die Beine eines Gegners zum 2:0 – rutscht ein solcher Versuch durch. Außerdem zeichneten sich die Crimmitschauer als erstklassige Verwerter der Riesserseer Fehler aus. Beim 0:1 spielte ihnen Felix Thomas den Puck zu. Beim 0:3 (der Entscheidung) kurvte Knackstedt ohne Gegenwehr über das Eis. Trainer Söderholm möchte das deutliche Ergebnis und den 0:1-Rückstand aber nicht überbewerten. Er sagt: „Das war nur ein Spiel. Die Serie ist eröffnet.“ Freitag wird sie fortgesetzt.

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