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Zufrieden mit der Entwicklung des SC Riessersee: Die Unternehmer Markus und Christian Schwinghammer (v.l.).

Etat von knapp über einer Million Euro

Die schwarze Null steht - SC Riessersee ohne Verluste

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Der SC Riessersee hat im vergangenen Jahr einiges erlebt. Nach dem Lizenz-Entzug samt Zwangsabstieg hat die neue Führungsriege nun dafür gesorgt, dass der Verein finanziell wieder auf gesunden Beinen steht.

Garmisch-Partenkirchen – Das Abenteuer geht weiter. Donnerstagmittag fällt offiziell der Startschuss zur neuen Eishockeysaison beim SC Riessersee. Dann geht das Team um Coach George Kink erstmals gemeinsam aufs Eis. Natürlich haben sich einige der Spieler zuletzt schon regelmäßig im Stadion getroffen, um untereinander zu spielen – mit hochkarätigen Gästen wie Marcus Weber (Nürnberg), Martin Buchwieser (Frankfurt) und anderen SCR-Größen, die in anderen Ligen ihrem Beruf nachgehen. Nun aber wird es ernst. Das Oberliga-Team kommt zusammen, um sich der nächsten Herausforderung zu stellen: die erste Saison ohne Einschränkungen, ohne Zwangsversetzung in eine Bayernliga-Aufstiegsrunde.

Diese Premieren-Spielzeit nach dem großen Knall hat viele geprägt, letztlich auch zusammengeschweißt. Vor allem das kleine Team der damaligen Retter und jetzigen Macher. Christian und Markus Schwinghammer, Marcus Wolsdorf, Andreas Wieland, Pana Christakakis und natürlich Christian Winkler vom EHC Red Bull München, der im Hintergrund an vielen Strippen zog. „Wenn ich so zurückschaue, dann bin ich froh, dass wir es gemacht haben“, sagt Christian Schwinghammer. „Ich denke, wir haben unsere Firmensanierung sehr gut umgesetzt, und ich glaube, dass sich vieles positiv entwickeln wird.“

Schwinghammer und Co. setzten alles auf die Karte SCR

Vor allem die Unternehmer Schwinghammer sowie Wolsdorf haben alles auf die Karte SCR gesetzt. Sie haben nicht nur aus ihrer Tasche das Geld zugeschossen, um das Insolvenzverfahren abwickeln zu können, sie gaben auch die Bürgschaft in Höhe von 75 000 Euro und unterzeichneten die Patronatserklärung, die besagt, für alle wirtschaftlichen Probleme im Notfall geradezustehen. „Wir wollten einfach zeigen, dass der SCR unter widrigen Bedingungen ohne Playoffs und mit der Goldenen-Ananas-Runde überlebensfähig ist“, betont Schwinghammer. Fazit: „Ich glaube, dass ist uns sehr gut gelungen.“

Dabei war der Weg alles andere als einfach – gerade finanziell. Während der Saison deutete vieles zunächst auf die angestrebte schwarze Null hin. Doch da irrten die Beteiligten. Ein paar Nachwehen aus der K.o.-Saison 2017/18 tauchten auf: Das Insolvenzverfahren kam dem SCR teurer als angenommen. „Der Insolvenzplan sah solide aus. Aber dann sind doch mehr Kosten aufgelaufen, als geplant waren.“ Letztlich ging es auch um Dienste der Insolvenz-Verwalter, klärt Andreas Wieland auf, der als Buchhalter für die Zahlen verantwortlich ist. „Es war eine Summe X vorgesehen, aber es kam ein Y dazu, das wir dann aus dem laufenden Betrieb erwirtschaften mussten.“ Eine genaue Summe möchte Wieland nicht nennen. „Aber es waren mehr als 20 000 Euro, die als neue Hürde auftauchten.“

Das Länderspiel als Segen

Diese zu meistern, stellte keine einfache Aufgabe dar. Doch die Mannschaft zog durch, die Zuschauer gingen den Weg mit. „Aus unserem Geschäftsbetrieb mit den beiden gespielten Runden haben wir die Null geschafft“, bilanziert Wieland. Das Länderspiel des DEB-Teams gegen die Slowakei, bei dem der SCR Werbeflächen vermarkten durfte, an den Ticketeinnahmen beteiligt war und für die Gastronomie verantwortlich zeichnete, half schließlich, das Budget auszugleichen.

Ohne Alternative war im Endeffekt die Trennung von Geschäftsführer Stefan Endraß. „Wir hätten ihn uns gar nicht mehr leisten können“, sagt Schwinghammer offen. „Wir können nicht einen Mann beschäftigen, der so viel kostet wie die Hälfte der Mannschaft.“ Der fürstliche Vertrag – eine Altlast aus Udo Weisenburgers Zeiten. Auch Wieland machte die Beendigung des Arbeitsverhältnisses zur Voraussetzung, sich voll für den SCR zu engagieren. „Wir können nicht auf der einen Seite ein Betteljahr machen und uns auf der anderen einen so teuren Geschäftsführer leisten.“ Beide Verantwortlichen machen klar, dass sich am eingeschlagenen Weg erst einmal nichts ändert. Schwinghammer: „Wir werden nur das ausgeben, was wir haben.“

Lob für Pana Christakakis

Auch nicht zur Saison, die nun bevorsteht. Pana Christakakis, der Endraß folgte, loben die Männer des Beirats in höchsten Tönen. „Er arbeitet hart. Einen wie ihn würde ich mir für meinen Betrieb wünschen“, sagt Schwinghammer. „Er kann die Leute begeistern, er hat mit dafür gesorgt, dass wir ein Sponsoring fast wie zu DEL2-Zeiten haben.“ Hinsichtlich der Spielzeit 2019/20 ist es gelungen, viele Partner zu einem größeren Engagement zu bewegen. „Das müssen wir auch schaffen, um in eine sichere Zukunft gehen zu können“, betont Christakakis. Das neue Budget orientiert sich grob am alten. Es liegt bei knapp über einer Million Euro. „Ein wenig konnten wir aufstocken“, betont Wieland. Die SCR-Verantwortlichen haben mit einem Plus von zehn Prozent bei den Zuschauereinnahmen kalkuliert. Sollte mit der angepeilten Playoff-Teilnahme machbar sein. Auf der Ausgabenseite musste freilich bei vielen der Spieler, die beim Neustart mitgeholfen haben, ein wenig nachgebessert werden. „Wir wollen ihnen ja auch zeigen, dass sich ihr Engagement lohnt“, stellt Schwinghammer klar. Ein großes Plus nennt Christakakis: „Wir haben jetzt den Vorteil, alle Zahlen genau zu kennen und tagesaktuell zu bekommen.“ So ließ sich der Etat leichter aufstellen. „Wir kennen einige der Aufs und Abs, die es in einer solchen Saison gibt“, sagt Wieland. Dem neuen Team sind aber auch viele Punktlandungen in wirtschaftlicher Sicht gelungen. „Bei den Stadionkosten und beim Material lagen wir ein bisschen drüber.“ Dinge, die nun allesamt einkalkuliert sind für das nächste Kapitel des neuen SC Riessersee.

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