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Weist den Weg zur Meisterschaft: Coach Toni Söderholm, der in der Heimat Finnland sowie mit dem EHC Red Bull München einen Titel gewonnen hat. 

„Meine Frau ist die DEL 2 Frau des Jahres“

SCR-Coach Toni Söderholm im großen Playoff-Interview

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Toni Söderholm ist seit dieser Saison Trainer des SC Riessersee. Im Tagblatt-Interview spricht er über Auszeichnungen, Familie, Humor, die Playoffs, Bier und seine Zukunft.

Garmisch-Partenkirchen – Sein Abenteuer beim SC Riessersee begann er als Neuling, als Rookie – wie die Nordamerikaner sagen. Sieben Monate später hat Toni Söderholm den SCR zum Hauptrundenmeister geformt, ist Trainer des Jahres, erhält Angebote aus der DEL. Vor dem Playoff-Start spricht der Finne über den Traum-Einstand, magische Eingebungen, Familie, Bier und die große Entscheidung, die er bald treffen muss.

-Sie sind jetzt Trainer des Jahres – aber gleichzeitig auch jemand, der den Teamgedanken über alles stellt. Haben Sie die Auszeichnung überhaupt angenommen oder gleich ans Team weitergegeben?

Toni Söderholm: Sicher bin ich stolz darauf und dankbar für das, was die Jungs geleistet haben. Deshalb sind wir alle stolz – nicht nur ich. Alle haben dieses Jahr viel gearbeitet. Wir haben eine ziemlich gute Balance gefunden. Ich bin jedem dankbar, der mir seine Stimme gegeben hat. Es ist zu 150 Prozent eine Mannschaftsleistung. Timi hat mir geholfen, das medizinische Team, die Betreuer, alle. Wir sind auch eine Mannschaft hinter der Mannschaft.

-Vor der Saison haben Sie gesagt, dass Sie weit davon entfernt sind, ein fertiger Trainer zu sein . . .

Söderholm: Da bin ich immer noch sehr weit weg.

-Aber einen Schritt näher dran, oder?

Söderholm: Ja, ich habe ein bisschen mehr gelernt, wie man mit speziellen Situationen arbeitet. Man kann viel planen. Aber es gibt Überraschungen. Es können zwei, drei Spieler vor dem Training anrufen und sagen, sie sind krank. Und es gibt kleine und große Personal-Probleme, die du nicht vorbereiten kannst. Man versucht, die beste Lösung zu finden.

-Mit wem sprechen Sie darüber – mit Ihrer Frau?

Söderholm: Nein, nein. Meine Frau ist wahrscheinlich die DEL2 Frau des Jahres. Sie kümmert sich um das Familienleben. Die muss sich nicht mit unseren Sachen hier beschäftigen.

-Mit Tim Regan?

Söderholm: Ja. Man überlegt sich dann, welche Erfahrungen man als Spieler gehabt hat. Dann macht man sich Gedanken, wie der alte Trainer hier und dieser alte Trainer da reagieren würde. Irgendwann kommt eine Entscheidung mit meinem Bauchgefühl. Man hofft, dass man die richtige trifft.

-Auch mit Don Jackson aus München pflegen Sie Kontakt.

Söderholm: Immer. Ihn kann ihn immer anrufen. Auch Matt McIlvane. Wir reden regelmäßig. Ich gehe oft zu ihnen. Immer wenn ich taktische Detailfragen oder so etwas habe, kann ich Don jederzeit anrufen. Das gilt auch für andere alte Trainer.

- Mit wem reden Sie am liebsten?

Söderholm: Ich habe viel mit Ville Peltonen geredet. Der ist jetzt Assistenztrainer in Bern. Auch mit dem Chefcoach Kari Jalonen, der vorher schon mein Trainer war. Das sind die Zwei. Ich habe auch Kontakt zu Niklas Hede, der in Salzburg in der Jugend arbeitet. Den kenne ich schon lange. Er hat eine sehr offene Denkweise. Das sind die Drei, mit denen ich mich außerhalb am meisten austausche.

-Sie feiern Tore mehr innerlich. Wie sah’s nach dem Hauptrundentitel aus. Haben Sie sich etwas gegönnt?

Söderholm: Nein. Ich habe nach dem Spiel gegen Bayreuth mit den Jungs in der Kabine geredet und ihnen gratuliert. Für mich geht die Arbeit weiter. Ich freue mich brutal für die Jungs, weil sie eine konstante Leistung gebracht haben. Sie haben sich selbst um den Erfolg gekümmert, waren fit genug bei jedem Spiel. Sie haben ein hartes Stück Arbeit geliefert. Ich feiere – ja. Vielleicht, wenn der große Sieg kommt.

-Sind Sie der Typ, der Mal ein Bierchen trinkt?

Söderholm: Ja, ab und zu. Ich genieße auch das Leben. Es ist nicht so, dass ich jeden Tag 24 Stunden im Stadion sitze. Aber ich brauche kein Bier, um zu feiern. Für mich ist feiern auch, einen freien Abend mit den Kindern zu verbringen. Das braucht man im Leben.

-Pressekonferenzen mit Ihnen gelten als sehr unterhaltsam. Wo haben Sie diesen Humor her?

Söderholm: (Lacht.) Das weiß ich nicht. Ich denke, dass die Arbeit, die wir alle machen, ab und zu ein bisschen anders ablaufen muss und nicht zu seriös werden sollte. Man kann nicht nur in einem Tunnel leben. Man muss auch über sich selbst und über Dinge auf wie neben dem Eis lachen können. Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass die Spieler wissen: Wir sind auch nur Menschen, die Emotionen haben.

-War es eine göttliche Eingebung oder Gefühl, Dibelka, Driendl und Mueller zusammenzustellen?

Söderholm: Den Gedanken hatte ich ganz früh. Irgendwann habe ich mit Andi geredet, wie er es sieht. Der hat gemeint, es wird funktionieren. Am Anfang wollte ich es nicht gleich probieren, weil ich das Gefühl hatte, dass es sowieso gut wird. Ich wollte bloß nicht, dass es die anderen zu locker nehmen. Jeder muss vors Tor gehen und harte Arbeit liefern, damit es nicht zu viel Schönspielerei wird. Die haben sich sofort gefunden.

-Warum haben Sie nach außen hin nie die Top-Vier als Ziel angegeben.

Söderholm: Jetzt kann ich’s ja sagen: Das Ziel der Mannschaft war immer ein Platz unter den besten Vier. Wir hatten einen Plan, wie wir die Top-Vier erreichen. Es nützt in dieser Situation nicht, dass alle dieses Ziel kennen. Es reicht, wenn es die Jungs wissen. Damit können sie ruhiger arbeiten. Wenn man sieht, wo diese Mannschaft herkommt, war es vielleicht besser, wenn sie von außen Ruhe hat. Aber sie wusste ganz früh, dass sie die Qualitäten für die Top-Vier hat.

-Wie wichtig ist es, als Erster in die Playoffs zu gehen?

Söderholm: Im Endeffekt ist es schön, aber es bringt uns nicht einen Sieg. Wir müssen verstehen, dass wir uns komplett neu beweisen müssen. Mit dem ersten Platz haben wir uns gezeigt: Mit der Seele, die in uns drin ist, können wir etwas erreichen. Aber wir müssen die Arbeit noch einmal machen.

-Wir groß sehen Sie Ihre Meisterchancen?

Söderholm: Wir sind eine von acht Mannschaften, die noch drin ist. Es ist schwierig zu sagen. Manche sagen, die erste Runde ist die schwierigste. Andere sagen, dann kommen die meisten Partien und du spielst an jedem zweiten Tag. Es hat viel mit Glück zu tun, wie viele Ausfälle und viele Spieler in Schwung sind. Es kommt so viel dazu. Das wichtigste in den Playoffs ist, dass du nur auf den nächsten Tag hinarbeitest. Wenn deine Gedanken irgendwo anders hingehen, bist du fertig. Nur was grade passiert, ist wichtig. Wenn du einen Fehler machst, musst du sofort zurück. Man muss mit dem Kopf arbeiten. Für 60 oder 100 Minuten.

-Färben Sie Haare oder tragen Sie einen Playoffbart?

Söderholm: (Lacht.) Früher hatte ich meine Routinen. Es war nicht immer einfach, mit denen zu leben. 2011, als wir ins Finale gekommen sind, gab es so viele verschiedene Dinge. Ich musste denselben Weg zur Eishalle fahren, vor dem Spiel eine Birne essen. Das war extrem.

-Heute verzichten Sie?

Söderholm: Ich versuche, meine Arbeit zu machen. Falls wir lang genug spielen, kriege ich auch ein bisschen Bart.

-Wann entscheiden Sie Ihre Zukunft?

Söderholm: Das weiß ich noch nicht. Das passiert heute oder morgen. Zu 100 Prozent liegt mein Fokus auf dem, was wir jetzt machen. Ich würde der Mannschaft Unrecht tun, wenn ich mich jetzt mehr auf meine eigenen Entscheidungen konzentrieren würde. Das würde ich nie machen. Was die Jungs seit 1. August geleistet haben, dafür sollte man das Team respektieren und niemals seine eigenen Entscheidungen darüber setzen.

-Bleiben Sie, wenn das Team Meister wird?

Söderholm: So einen Bonus habe ich nicht. (Lacht.) Ich weiß nicht, was in der Zukunft passiert. Ich hoffe, dass es gute Dinge sind. Die Jungs haben mir die Möglichkeit gegeben, eine Entscheidung zu treffen. Jetzt gebe ich ihnen so viel wie möglich zurück.

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