Uli Maurer im SCR-Trikot.
+
Mit diesem Blick hat Uli Maurer den einen oder anderen Gegenspieler schon vor dem ersten Bully eingeschüchtert.

Der SC Riessersee verliert eine Identifikationsfigur.

Servus Uli

  • VonPatrick Hilmes
    schließen

Lange hat er überlegt, nun ist seine Entscheidung gefallen: Nach 19 Jahren als Eishockey-Profi hängt Uli Maurer seine Schlittschuhe an den Nagel.

Garmisch-Partenkirchen – Die Antwort lautet: Nein. Uli Maurer hört auf. Er hängt nicht noch eine weitere Saison dran, sondern seine Schlittschuhe an den berühmten Nagel. Das ist ein herber Schlag für den Eishockey-Oberligisten SC Riessersee – aus sportlicher wie auch aus menschlicher Sicht. Das weiß auch SCR-Geschäftsführer Pana Christakakis nur zu gut: „Das tut richtig weh.“ Damit verlieren die Weiß-Blauen eine absolute Identifikationsfigur, für die Mitspieler, die Fans, die Sponsoren, für den gesamten Verein. Entsprechend lange hatte Christakakis um den Leitwolf gekämpft. Denn bereits kurz nach Saisonende hatte Maurer dem Geschäftsführer gesagt, dass es seine letzte Spielzeit war. Doch Christakakis wollte diese Entscheidung nicht so einfach hinnehmen, gab Maurer noch mehrere Wochen Zeit. Er sollte sich seine Gedanken machen, ins Grübeln kommen, vielleicht seinen Entschluss revidieren und die 20. Saison im Profi-Eishockey bestreiten – natürlich im SCR-Trikot. Doch das alles war vergeblich, Maurer blieb bei seiner Entscheidung und beendet nun eine Karriere.

Und das nach einer Saison ohne Zuschauer und dem frühen Aus im Playoff-Viertelfinale. Doch das spielte keine Rolle in den Überlegungen des 36-Jährigen. „Denn es gibt nie den richtigen Zeitpunkt. Aufhören ist immer scheiße. Gerade nach so vielen Jahren und wahnsinnig schönen Momenten.“ Doch im Leben des Garmisch-Partenkirchners stehen die Zeichen nun mal auf Veränderung. Zum einen ist da sein neuer Posten hinter dem Grill als „Würschtlmo“, zum anderen seine Familie. „Unsere Kinder sind jetzt vier und sechs Jahre alt. Diese Zeit will ich noch ausnutzen, denn in ein paar Jahren interessiert der Papa sie nicht mehr so sehr“, betont Maurer schmunzelnd. Eine Doppelbelastung – Firma plus Eishockey – hätte die Zeit mit der Familie rapide gekürzt. „Und wenn ich was mache, dann zu 100 Prozent.“

Auf den SCR wird er aber immer ein Auge haben, die Spiele – wenn möglich – verfolgen. „Mit meinem Stand bin ich regelmäßig auf dem Balkon vor dem Nordfoyer, da werde ich sicher auch mal ins Stadion schauen.“ Dann erblickt er den Ort, wo alles angefangen hat. Maurer ist der Beweis, dass eine Bilderbuch-Eishockey-Karriere aus dem Nachwuchs des SCR durchaus möglich ist. Er durchlief alle Jugendteams der Riesserseer, schnell wurden auch die Trainer der Nachwuchs-Nationalmannschaften auf ihn aufmerksam. Sie luden Maurer zu drei Weltmeisterschaften ein. Im Seniorenbereich brachte er es nochmals auf 17 Länderspiele für Deutschland bei verschiedenen Turnieren. Mehr als 600 Spiele bestritt er in der DEL für Nürnberg, Augsburg, München und Schwenningen. 2018 kehrte er aus dem Oberhaus zum SCR zurück, absolvierte noch drei Saisons für seinen Heimatverein, half mit beim schwierigen Neustart nach dem Aus in der DEL2. In der vergangenen Saison führte der Routinier nochmals die teaminterne Scorerliste mit 54 Punkten an.

Blickt Maurer zurück, dann denkt er natürlich auch an die sportlichen Höhepunkte: DNL-Titel mit dem SCR 2001, DEL-Vizemeister mit Nürnberg und Augsburg, dazu die Deutsche Meisterschaft 2016 mit Red Bull München. „Das war vielleicht der Höhepunkt meiner Karriere. Denn wir sind in München durch dick und dünn gegangen, da hab’ ich alles mitgemacht – Aufstieg, fast Pleite, Meisterschaft.“ Doch das Schönste waren nicht die großen Siege oder die großen Trophäen. „Das waren die super Menschen, die ich in meiner Karriere kennengelernt habe. In jeder Mannschaft habe ich Freunde gefunden, klasse Typen.“ Und an die Kehrseite? Daran kann und will sich Maurer gar nicht mehr erinnern. „Gott sei Dank vergisst man ja das Schlechte wieder. Ich schaue nur auf die schönen Momente zurück.“

Und wenn er schon dabei ist, dann vergisst er auch nicht, wem er viel zu verdanken hat nach 19 Jahren im Eishockey-Geschäft. „Ich möchte mich bei meinen Eltern und meiner Familie für die jahrelange Unterstützung bedanken. Danke auch an meinen Heimatverein für die Ausbildung zum Profispieler sowie an alle Mannschaften und deren treue Fans, bei denen ich spielen durfte.“

Nun fällt dem SCR eine Stütze weg, die schwer zu ersetzen sein wird. „Natürlich reißt Uli eine große Lücke, denn mit seiner Einstellung und seinen Führungsqualitäten war er ein sehr wichtiger Spieler. Er ging voran und war stets ein Vorbild“, betont Christakakis. Doch einfach so wird das Kapitel nicht beendet, denn „der Uli“, wie sie ihn alle nennen, soll auch den Fans Servus sagen können. „Einen derart verdienten und sympathischen Spieler wollen wir im Rahmen eines Heimspiels gebührend auf dem Eis verabschieden.“ Ginge es nach Maurer, dem Mann der klaren Worte in puncto Lob wie auch Kritik, bedarf es dieser Verabschiedung gar nicht. „Im Mittelpunkt zu stehen ist nicht so meins. In Garmisch-Partenkirchen kenn’ ich doch sowieso jeden Zweiten oder Dritten.“ Doch natürlich wird er da sein. Und vielleicht wird es ja auch ein „bis bald“. Denn auf die Frage, ob der Rücktritt vom Rücktritt ausgeschlossen ist, antwortet Maurer nach kräftigem Durchpusten: „Ich sag’ niemals nie.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare