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Ralph Bader hat vier Trainer-Kandidaten in der engeren Wahl. foto: or

Wer ist Täter, wer ist Opfer?

Garmisch-Partenkirchen - Der Rücktritt von Trainer Bleicher hat SCR-Manager Bader erneut geschadet. Einen Nachfolger für Bleicher hat er noch nicht gefunden.

von Peter Reinbold

Wenn zwei sich streiten und sich danach auch noch trennen, bleiben meist Verletzungen zurück - weniger am Leib, mehr an der Seele. Ist erst einmal die Psyche in Mitleidenschaft gezogen, dann helfen alle Versprechungen nicht, Freunde bleiben zu wollen, und so zu tun, als sei man im Guten auseinander gegangen. Heile Welt ist nicht mehr, auch wenn man versucht, sie der Öffentlichkeit vorzutäuschen. Und einen Alleinschuldigen gibt es auch nicht. Geht eine Beziehung in die Brüche - privat oder beruflich -, haben immer beide Parteien ihren Beitrag geleistet.

Eigentlich hatten sich auch Marcus Bleicher und Ralph Bader darauf geeinigt, keine schmutzige Wäsche zu waschen. Gehalten haben sie sich nicht an diese Vereinbarung - weder Bleicher, der hingeschmissen hatte, noch Bader, der den Rücktritt des Trainers des SC Riessersee angenommen hat, ohne Versuch, ihn zum Bleiben zu bewegen. Schon allein das lässt Raum für Interpretationen. Das Verhältnis Bleicher/Bader, die immer die Männerfreunde gaben, zwischen die kein Blatt Papier passe, mag womöglich nicht in dem Maß vorhanden gewesen sein, wie sie den Eindruck vermittelten. Und auch Baders Vertrauen in die Trainerfähigkeiten des 43-jährigen Ex-Nationalspielers erscheinen in einem anderen Licht - sie waren nicht so groß. In einer Stellungnahme zu den Vorwürfen Bleichers schreibt der Geschäftsführer der SC Riessersee Eishockey Vermarktungs GmbH: „Der SC Riessersee wurde Oberligameister, weil alle zusammengehalten haben und auch die Spieler viele Dinge selbst in die Hand genommen haben. Vieles dringt nicht an die Öffentlichkeit . . .“ Damit erhalten jene Gerüchte neue Nahrung, die besagen, die Mannschaft habe sich vor dem letzten Viertelfinal-Playoff-Spiel gegen Deggendorf ohne Trainer Marcus Bleicher getroffen und eine eigene Taktik entwickelt. Sollte dem so gewesen sein, dann war sie erfolgreich.

Als Knackpunkt seines Rücktritts nennt Bleicher das Einmischen Baders in seine sportliche Kompetenz. Bleicher wollte weniger trainieren, Bader forderte mehr. Der SCR-Manager sieht die 2. Bundesliga „als semiprofessionellen bis professionellen Bereich. Ein bestimmtes Trainingsvolumen ist unbedingt erforderlich. Da nur bester körperlicher Zustand der Spieler - und nicht Geld - unsere Ressource ist, kann Erfolg nur über gezielte Trainingssteuerung erreicht werden. Marcus Bleicher war der Meinung, hier genüge ein geringerer Aufwand als in der Oberliga.“ Als vorbeugende Maßnahme sieht er sein Einschreiten: „Wir müssen Verantwortung übernehmen und nicht nur handeln, wenn es zu spät ist.“ Zudem vermutet Bader, dem zurückgetretenen SCR-Trainer habe nicht gefallen, dass er die vielen privaten Privilegien, die Bleicher in der Oberliga besaß, beschneiden wollte. „Sie sind in der 2. Bundesliga nicht mehr machbar.“

Die Bleicher-Demission hat Baders Beliebtheitswerten erneut geschadet. Sie sind tief im Keller. Er musste sich wütender Fan-Anrufe erwehren und die Proteste von Zuschauern ertragen, die ihre Dauerkarten in der Geschäftsstelle abholten. In diversen Internetforen ist er Täter, Marcus Bleicher Opfer. Zu Unrecht, wie er meint: „Als Außenstehender sollte man nicht gleich jeden, der Verantwortung tragen muss, verurteilen. Auch uns tut die Entscheidung, vor allem menschlich, leid. Aber sie wurde von Marcus Bleicher getroffen und nicht von der GmbH.“

Der starke Mann der GmbH ist und bleibt Bader, obwohl es mittlerweile mehrere Gesellschafter geben soll, der 46-jährige allerdings nach wie vor die Mehrheit der Anteile hält. In seiner Funktion als Geschäftsführer bemüht er sich seit Montagmittag um einen neuen Trainer - bisher ohne durchschlagenden Erfolg. Das eine oder andere habe sich erledigt, das eine oder andere sei neu entstanden. Derzeit konzentriert er sich auf einen Kreis von vier Kandidaten, über die er Erkundigungen über Mittelsmänner eingezogen hat oder mit denen er bereits selbst in Kontakt steht. An eine schnelle Einigung glaubt er nicht. „In dieser Woche wird’s wohl nichts mehr.“ Bis der neue Chefanweiser gefunden ist, leiten weiterhin Sepp Staltmayr, Florian Vollmer, Hardi Wild und Tim Regan die Übungseinheiten. Am Freitag wird dann Assistenztrainer Andreas Raubal übernehmen, der sich derzeit im Urlaub befindet. Raubal und Regan werden auch in den beiden Testspielen gegen die Tölzer Löwen (Freitag/Samstag) hinter der Bande stehen. Was die Führungsspieler seit Montagabend leisten, ringt Bader Respekt ab. „Sie zeigen viel Ehrgeiz und machen eine gute Arbeit.“

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