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ETC-Version von Mueller/Driendl: Top-Torjäger Robbie Czarnik (37 Treffer) klatscht nach einem Tor mit den Kollegen ab, dahinter Jordan Knackstedt – bester ETC-Scorer.

Eishockey: DEL2

Vor dem Viertelfinale des SCR: der große Team-Check 

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Brandgefährlicher Sturm, löchrige Abwehr: Das Tagblatt hat SCR-Gegner Crimmitschau analysiert und beide Mannschaften verglichen.

Garmisch-Partenkirchen/Crimmitschau– 52 Spiele hat der SCR hinter sich. Es gab wenige traurige, aber sehr viele schöne und emotionale Momente. Für die vielleicht prägendsten Szenen sorgte die Mannschaft gegen Crimmitschau. Sie bewies, dass sie nicht nur schön spielen, sondern auch Siege erkämpfen kann. In zehn Minuten drehten sie einen 1:3-Rückstand in ein 4:3. Richard Mueller traf dreimal. Es war zudem die Magie der Weihnachtsspiele, die das Duell umgab. Hinterher sagte Toni Söderholm: „Das war wie Playoffs.“

Drei Monate später treffen die beiden Mannschaften in der Meisterrunde aufeinander. Der ETC – zu Saisonbeginn das Sensations-Team neben dem SCR – rutschte im Endspurt ab, rettete gerade noch Rang zehn, präsentierte sich aber in den Pre-Playoffs abgezockt und schlug Ravensburg 2:0. Eine Überraschung? „Ja und nein“, sagt Coach Söderholm. In Ravensburg habe es viele Veränderungen gegeben. Vor dem Auftakt der Serie am heutigen Dienstag hat das Tagblatt die beiden Mannschaften in einem Team-Check verglichen.

Torhüter

Olivier Roy war zu gut für die Eispiraten. Nach 21 Partien holten ihn die Augsburger in die DEL. Er ist dort Stammtorhüter und hat seinen Vertrag bereits verlängert. Doch frühzeitig sicherte sich der ETC ab, holte Brett Kilar, einen Deutsch-Kanadier. An Roys Klasse reicht er nicht heran. Der 25-Jährige lieferte solide Leistungen ab. Weder Fangquote noch Gegentorschnitt zählen zu den Top-Werten. Dagegen steht beim SCR das beste Torwart-Duo der Liga im Kasten. Es hat sich ausgezahlt auf einen Routinier (Matthias Nemec) samt Thronfolger (Kevin Reich) zu setzen. Bis auf wenige Ausnahmen lieferten beide Spitzen-Auftritte. Reich half zuletzt als Vertreter in München, dürfte aber in den Playoffs für Riessersee auflaufen. David Leggio wird beim EHC noch in dieser Woche zurückerwartet. Söderholm verrät natürlich noch nicht, wer im Tor steht. Sein System möchte er erst nach der Saison entschlüsseln.

Tagblatt-Urteil: Vorteil Reich/Nemec. – Stand: 1:0.

Verteidigung

Zahlen gefällig: Elia Ostwald, 2,00 Meter, 107 Kilo. Will Weber, 1,93 Meter, 103 Kilo, Ole Olleff, 1,88 Meter, 89 Kilo. In der Defensive vertraut der ETC auf Masse und Härte. „Es ist nicht leicht, vors Tor zu kommen“, sagt Söderholm. Allerdings haben die Crimmitschauer Probleme mit flotten Gegenspielern. „Sie haben ihre Schwächen“, sagt der SCR-Coach. 181 Gegentreffer sind ligaweit der drittschwächste Wert. Söderholms Ausbildungskonzept ist bei den Werdenfelsern voll aufgegangen. Neben jeden Routinier stellte er einen eher unerfahrenen Mann. Stephan Wilhelm lieferte ein überragendes Jahr und glänzte als Torjäger (zehn Treffer), Felix Thomas zählt längst zu den besten Allroundern der Liga.

Tagblatt-Urteil: Klarer Vorteil SCR. – Stand: 2:0.

Angriff

Die Crimmitschauer tragen nicht umsonst rote Trikots: Rücken ihre zwei Sturmreihen an, gilt Alarmstufe rot für jede Abwehr. „Zwei Top-Reihen“, sagt Söderholm. Jordan Knackstedt (68 Punkte) und Liga-Top-Torjäger Robbie Czarnik (37 Tore) bilden die ETC-Version von Driendl/Mueller. Patrick Pohl, früher DEL-Stürmer in Berlin, Wolfsburg, Hamburg und Schwenningen, ist nicht nur einer der besten deutschen Stürmer, sondern auch schon ein Playoff-Held mit drei Treffern samt Verlängerungssiegtor gegen Ravensburg. „Brandgefährlich“ machen Crimmitschau die vielen unberechenbaren Aktionen seiner Könner. „Da kommt auch mal ein Pass hinter dem Rücken oder zwischen den Beinen“, sagt Söderholm. Seinen Berechnungen nach hat kein Team der Liga mehr echte Torchancen gegen den SCR herausgespielt.

Konkurrent Riessersee ist deutlich breiter aufgestellt. Egal ob die Münchner Fraktion, die Ausländer Gomes, Beck und Oakley oder die abgezockten Deutschen (Vollmer, Richter) – jeder ist in der Lage, das Tor zu treffen. In dieser Spielzeit überstrahlt natürlich die Top-Formation um Driendl, Mueller und Dibelka alles. 91 Tore sind ein Gütesiegel für das Trio – auch wenn Dibelka erst einmal ausfällt.

Tagblatt-Urteil: Enge Kiste Punkt für beide. – Stand: 3:1.

Trainer

Je länger die Saison dauert, desto absurder wird diese Geschichte: Eigentlich wollten die Eispiraten Kim Collins gar nicht. Er sei nur die zweite oder dritte Wahl gewesen, ein Notnagel. Doch der Kanadier, der schon den SCR betreut hat, führte den ETC in die Playoffs und scheut auch vor Kritik an den Besten nicht zurück. Toni Söderholm hat in seinem ersten Jahr gezeigt, dass er ein mindestens genauso guter Trainer wie Spieler werden kann (er holte immerhin WM-Silber). Die Playoffs sind seine nächste Herausforderung. Da wächst ein Spitzen-Coach heran – für DEL2-Verhältnisse ist er das bereits.

Tagblatt-Urteil: Vorteil SCR. – Endstand: 4:1 für den SCR.

Prognose: Der Team-Check endet 4:1 – genauso auch die Serie. Allerdings werden es, speziell in Sachsen, enge Partien. Das Duell am Freitag in Crimmitschau entscheidet bereits viel.

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