Das totale Chaos

Garmisch-Partenkirchen - Diese Saison der 2. Eishockey-Bundesliga wird immer mehr zur Farce. Viel deutet darauf hin, dass es heuer weder einen Aufsteiger, noch einen Absteiger oder eine Playdown-Runde geben wird. Auch aus der Oberliga wird wahrscheinlich keinem Club der Sprung nach oben gestattet.

Dass der Meister keine Chance hat, in die Deutsche Eishockey-Liga aufzusteigen - längst bekannt. Mittlerweile verdichten sich auch die Anzeichen, dass es erneut keinen Absteiger aus der 2. Bundesliga geben wird - analog der Spielzeit 2011/12. Der Grund: Der Eissportverband Nordrhein Westfalen wird einem Westverein als Meister der Oberliga keine Freigabe erteilen und somit den Aufstieg verweigern. Auch Relegationsspiele zwischen einem Zweitligisten und dem unterlegenen Oberliga-Finalisten sind Geschichte.

Eine derartige Verzahnung war seitens der ESBG immer wieder kolportiert worden. „Derzeit existiert kein Kooperationsvertrag mit der ESBG“, sagt Obmann Markus Schweer. Er begründet seine Aussage mit der fristlosen Kündigung der Vereinbarung durch ESBG-Geschäftsführer Alexander Jäger. Dabei plant die ESBG die 2. Liga von 13 auf 14 Clubs aufzustocken. Längerfristiges Ziel von Jäger, der erst seit Saisonbeginn als Nachfolger von Oliver Seeliger im Amt ist, sind 15 oder 16 Mannschaften.

„Was Herr Jäger in seiner Funktion als Geschäftsführer der ESBG entscheidet, entbehrt jeglichem Sinn und Verstand“, wurde Dieter Hillebrandt, Präsident des Bayerischen Eissportverbands und Sprecher der Landes-Eishockey-Verbände, in einer Pressemitteilung des Deutschen Eishockey-Bundes zitiert. Noch vor dem Jahreswechsel habe die ESBG die Zusammenarbeit dann in einem Zweizeiler fristlos gekündigt. Eine Kündigung zum 31. Mai 2013 hingegen hätte die Freigabe für den Aufsteiger hingegen nicht beeinflusst, heißt es aus Funktionärskreisen.

Seit Jäger auf dem Chefsessel im Betzenweg 34 in München sitzt, herrscht Chaos bei der ESBG. Auf seiner Seite stehen elf Zweitligisten, nur der SC Riessersee und der ESV Kaufbeuren verweigern ihm die Gefolgschaft. Jäger wäscht seine Hände allerdings meist in Unschuld - auch im Zwist mit den Landesverbänden. Er setze nur die Beschlüsse seiner Gesellschafter um, betont er. Ansonsten will er sich zur Problematik nicht groß äußern und verweist auf eine Pressemeldung, die die ESBG „bis spätestens Sonntag“ verbreiten wird. Was derzeit passiere, nennt er „einen Irrsinn“, den es differenziert aufzuarbeiten gelte.

Zu den größten Kritikern von Alexander Jäger gehört Ralph Bader, der Geschäftsführer der SC Riessersee Eishockey Vermarktungs GmbH. „Jetzt haben wir endgültig den Salat“, schimpft Bader. Was ihn fuchsteufelswild macht: Kein Absteiger, keine Relegation gegen den Verlierer des Oberliga-Finals, heißt auch: In den Playdowns würde es nur um die Goldene Ananas gehen, was auf den Zuschauerzuspruch fatale Auswirkungen haben dürfte und ein großes Loch in die Kasse reißen würde. „Für alle Zweitligisten, die nicht Playoff spielen, ist das eine Katastrophe“, lamentiert Bader. „Und diesen Scherbenhaufen hat Herr Jäger zu verantworten. Er macht den Sport Eishockey noch mehr kaputt. Ich vermisse seit Wochen seine Reaktion.“

In einigen Punkten teilt René Rudorisch, der Manager der Eispiraten Crimmitschau und ein Parteigänger des ESBG-Chefs, die Baderschen Befürchtungen. Er sieht die Playdown-Runde „ad absurdum geführt“ und bezeichnet sie in einem Schreiben an alle anderen Zweitligisten als „Runde der Farce“, die man nicht spielen sollte, wenn die Landesverbände bei ihrer Haltung bleiben.

Derzeit ist noch vorgesehen, dass die Mannschaften ab Rang zehn die Playdowns ausspielen, während für den Tabellenneunten am 17. März die Saison beendet ist. Um dessen finanziellen Verluste auszugleichen, hatten die ESBG-Vereine beschlossen, jeweils 2000 Euro an jenen Club zu überweisen. Die Zahlung wäre in der kommenden Woche fällig. „Ich werde das Geld erst einmal nicht überweisen“, sagt Bader. prei/mn

Auch interessant

Kommentare