Chronologie zum DEL2-Aus

Vom Gönner zum Unglücksbringer: Vier Jahre Weisenburger und der SCR

Neuer und alter Chef: Udo Weisenburger bei der Übernahme der Anteile von Ralph Bader (r.) im April 2016.

Seit seinem Einstieg im Sommer 2014 ist viel passiert. Unser Portal blickt auf Udo Weisenburger und die Meilensteine seines Engagements beim SC Riessersee zurück.

2011:

Udo Weisenburger zieht mit Familie und Firma nach Grainau.

August 2014: 

Der Chef des Kulissenbauers TAA steigt mit seiner Firma als Sponsor beim SC Riessersee ein. Im Vorjahr hatte sich der Geschäftsmann vom Bodensee bereits einige Spiele des Zweitligisten angeschaut. Das Logo seines Unternehmens landet auf der Eisfläche, der Wahl-Grainauer sagt: „Wir finden die Zukunftsperspektiven des SC Riessersee sehr interessant.“

April 2015: 

Weisenburger will mehr: mehr helfen, mehr zahlen, mehr mitreden. Er verhandelt mit Gesellschafter und Geschäftsführer Ralph Bader, der bislang alle Anteile an der Vermarktungs-GmbH hält.

Juni 2015: 

Als Vertrauens-Beweis hilft Weisenburger, finanzielle Löcher zu stopfen. Während der Saison 2014/15 war ein russischer Geldgeber abgesprungen. Nach eigenen Aussagen rettet er dem Klub mit 470 000 Euro im letzten Moment die Lizenz.

August 2015: 

Der halbe SCR gehört Weisenburger. Zum symbolischen Preis von einem Euro übernimmt er 50 Prozent der GmbH. Das Führungsduo – Weisenburger ist nun auch Geschäftsführer – äußert ein Ziel: Der SCR soll in drei bis fünf Jahren ohne Abstiegs- und finanzielle Sorgen in der DEL2 auflaufen. In Bezug auf die Kräfteverhältnisse betont Bader damals: „Wir entscheiden alles gemeinsam.“

April 2016: 

Der SCR bekommt einen neuen Chef: Weisenburger erhält die restlichen 50 Prozent und ist künftig Allein-Gesellschafter. Den Preis verraten beide Seiten nicht. Der Unternehmer schreibt später in seinem offenen Brief nur, dass er im Sommer wieder 250 000 Euro zugeschossen habe, um die Lizenz für eine weitere Zweitliga-Saison zu sichern. Außerdem erhöht er das Kapital. Geschäftsführer Ralph Bader erhält einen Fünf-Jahres-Vertrag. Der neue Boss betont: „Wir brauchen Ruhe. Der SCR hatte zuletzt einige Gönner, viele davon waren aber eher Probleme.“

September 2016: 

Im Hintergrund bastelt Weisenburger an der Zukunft des SCR und arbeitet einen Fünf-Jahres-Plan aus. Der sieht unter anderem eine engere Zusammenarbeit mit dem Nachwuchs und ein aufgehübschtes Stadion samt Sportsbar vor.

Januar 2017: 

In Kooperation mit dem Tagblatt initiiert Weisenburger eine Legendenehrung. Aus drei Epochen möchte er SCR-Größen auszeichnen. Die Fans wählen Toni Biersack, Michael Hobelsberger, Franz Reindl und Ignaz Berndaner, deren Trikots seitdem im Eisstadion hängen.

März 2017: 

Nach 52 Jahren schließt der legendäre John’s Club am Rathausplatz. Weisenburger übernimmt den Laden und eröffnet den Nachtclub „Club Eleven“. Gleichzeitig gliedert er die Gastronomie aus der Vermarktungs-GmbH aus und gründet die Riessersee-Erlebnis-GmbH, zu der auch der „Club Eleven“ gehört. Die Einnahmen sollen via Sponsoring zurückfließen.

24. März 2017: 

Nach dem Aus in den Pre-Playoffs gibt’s in der Führungsetage den großen Knall: Weisenburger kündigt seinen Geschäftsführer fristlos. Bader verlässt nach 13 Jahren den SCR. Das Verhältnis der beiden war über Monate abgekühlt. Weisenburger nennt zunächst keine Gründe, sagt nur: „Es gibt wichtige. Das Ganze war reiflich überlegt. Ich tue nichts im Leben aus dem Affekt heraus. Das Vertrauen ist komplett weg.“

Mai 2017: 

Die fristlose Kündigung landet vor Gericht. Beim ersten Gütetermin legt Weisenburger erste Gründe offen: Unter anderem soll Bader zwei Privatreisen und Haushaltsgeräte über die GmbH abgerechnet haben.

Dezember 2017: 

Das Arbeitsgericht bestätigt: Baders Kündigung ist rechtens. Eine Übernachtung im Flughafenhotel führt der Richter an. Weisenburger kündigt eine Schadensersatzklage an, die er nie erhebt. Bader geht zwei Monate später in Berufung.

Februar 2018: 

Weisenburger verpflichtet Stefan Endraß und stellt ihn als Geschäftsführer vor. Tatsächlich ist der Finanz-Experte aber nur Mitarbeiter der Geschäftsstelle.

22. April 2018: 

Der SCR verliert daheim die Final-Serie gegen Bietigheim. Trotzdem feiert Weisenburger auf dem Eis mit den Fans. Er betont: In die neue Saison soll der Klub schuldenfrei gehen.

16. Mai 2018: 

Weisenburger zieht die Notbremse und verkündet: Der SCR zieht sich aus der DEL2 zurück. Das finanzielle Loch habe sich überraschend vergrößert. Das hatte ihm der Steuerberater kurzfristig eröffnet.

24. Mai 2018: 

Nun doch Zweite Liga: Weisenburger vollzieht eine 180-Grad-Wende und reicht die Bewerbungsunterlagen ein. Im Hintergrund hat sich eine Unterstützer-Gruppe formiert, die um Profi-Eishockey in Garmisch-Partenkirchen kämpft. Ziel ist ein Schuldenschnitt, bei dem Gläubiger auf 50 Prozent ihrer Forderungen verzichten. 

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