Viel Öl im Feuer

Garmisch-Partenkirchen - Das Verhältnis zwischen dem SC Riessersee und den Starbulls Rosenheim ist nicht mehr nur unterkühlt, sondern eisig

Für den Briefkopf taugt er nicht. Zum einen würde er sich neben zehn Deutschen Meisterschaften recht mickrig ausnehmen, zum anderen ist der Titel Bayerischer Meister der DEL 2 einer ohne Mittel, weil nur inoffiziell. Aber Ralph Bader findet ihn gut, da er dokumentiert, dass der SC Riessersee wieder wer ist im deutschen Eishockey. „Ich habe der Mannschaft versprochen, dass sie einen Pokal bekommt“, witzelt er. Gegen die Zweitliga-Mannschaften aus Bayern erreichten die Riesserseer die meisten Punkte in der Hauptrunde und können nicht mehr eingeholt werden. „Landshut und Rosenheim sind ja nicht irgendwelche Gegner“, sagt der SCR-Manager. Der EVL und die Starbulls zählen zu den ersten Adressen der DEL 2. Experten nannten beide Teams zu Saisonbeginn als Titelanwärter, Riessersee galt bei wohlwollender Betrachtung als Kandidat auf einen Playoff-Platz. Mittlerweile bewegen sich die drei Mannschaften auf Augenhöhe.

Eine Entwicklung, die man besonders in Rosenheim nicht gerne sieht - wie vor allem der Umgang in der vergangenen Woche beweist. „Das zeugt von Respekt. Viele sehen uns mittlerweile als Geheimfavorit“, sagt SCR-Trainer Toni Krinner. Besonders Rosenheims Coach Franz Steer scheint der Aufstieg des SC Riessersee ein Dorn im Auge zu sein. Deshalb trachtete er danach, den Wechsel von Torwart Niklas Treutle per Förderlizenz von Red Bull München zum SCR zu verhindern. Die Starbulls-Funktionäre - auf Bader nicht gut zu sprechen, seit sich der im Streit zwischen den ESBG-Clubs und dem DEB auf die Seite des Verbandes geschlagen hatte - setzten alle Hebel in Bewegung. Sie schalteten sogar die Ligenleitung der DEL 2 und den Aufsichtsrat ein - und scheiterten mit ihrem Vorstoß.

Jörg von Ameln, Ligenleiter der DEL, erklärte den Deal für zulässig. Zwar hatte der SCR wegen Verteidiger Marcus Weber zunächst eine Kooperation mit den Nürnberg Icetigers geplant. Doch da Weber keine Sekunde für die Riesserseer auflief, war der Wechsel zu den Münchnern möglich. „Das hat uns Herr von Ameln bestätigt“, sagt Bader. „Sonst hätten wir uns nie zu diesem Schritt entschlossen.“

Der Grund für die Querschüsse aus Rosenheim ist leicht zu durchschauen. Ohne Treutle im Tor rechnete sich Steer vermutlich größere Siegchancen aus, weil er Korbinian Sertl als schwächer einschätzt als den DEL-Mann aus München. Eine Hoffnung, die sich nicht erfüllte, obwohl Treutle am Sonntag bei den Münchnern auf der Ersatzbank saß. Sertl hielt beim 2:1-Erfolg des SC Riessersee stark und überraschte selbst seinen Trainer mit „vier bis fünf überragenden Reaktionen. Die Mannschaft hat aber auch hervorragend für ihn gearbeitet“.

Auf der Pressekonferenz am Sonntagabend nach dem Spiel hatte Krinner noch halbwegs gute Miene zum bösen Spiel gemacht, obwohl unter seiner Oberfläche ein Vulkan brodelte. Doch er hielt die Fassade aufrecht - wenn auch unter größten Mühen. „Ich wollte nicht, dass unser Sieg und die grandiose Leistung der Mannschaft dadurch in den Hintergrund gerät.“ Von allen Fesseln befreit, zog er gestern allerdings vom Leder. Die Rosenheimer Aktionen nennt er „unsportliches Verhalten und Egoismus pur. So etwas vergesse ich nicht. Da habe ich ein Gedächtnis wie ein Elefant“. Und Bader legt nach: „Fairplay sollte im Sport das höchste Gebot sein. Man kann sich beim Zündeln auch verbrennen.“

Auch, weil sich die Rosenheimer nach dem Spiel nicht scheuten, weiter Öl in das Feuer zu gießen. Sie verfassten einen Zusatzbericht, in dem sie monierten, dass Sertl beim Penaltyschießen zweimal absichtlich das Tor verschoben habe. „Lächerlich“, meint Krinner zu dem Vorwurf. In der Niederlage zeige sich Stil und die Größe eines Clubs, „und die ist in Rosenheim anscheinend klein“. Sein Rat an die Starbulls-Verantwortlichen: „Sie sollen vernünftige Löcher bohren, damit das Tor nicht bei der geringsten Berührung rausrutscht.“

Peter Reinbold

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