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Der „Thermomix“: Routinier Uli Maurer ist momentan in Top-Form. Gestern Abend verwandelt er einen Penalty gegen Füssen-Torwart Andreas Jorde.

Uli Maurer überragt

Wahnsinn im Sekundentakt: SCR schlägt Füssen im Penaltyschießen

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Schon wieder Penaltyschießen. Bereits zum vierten Mal in dieser Oberliga-Saison fällt die Entscheidung bei einem Spiel des SC Riessersee im Duell Mann gegen Mann. Diesmal mit dem besseren Ende für die Weiß-Blauen.

Garmisch-Partenkirchen – Als der SC Riessersee und der EV Füssen Anfang der 1920er Jahre mit dem Eishockey begannen, spielte man noch regelmäßig auf dem See. Als Hommage an die guten, uralten Freiluft-Tage dient heute die Verlängerung mit nur je drei Spielern sowie das Penaltyschießen. Viele Chancen, wenig Taktik, Wahnsinn im Sekundentakt oder wie Andreas Becherer vom EV Füssen sagt: „Ständig kurze Herz-Stillstand-Momente.“ Der SCR lässt sich mittlerweile wöchentlich auf die Zockerei ein. Im siebten Spiel der Saison ging es zum fünften Mal in die Verlängerung. „Bei uns ist immer was geboten für die Zuschauer“, scherzt Trainer George Kink. Gegen Aufsteiger Füssen trat Riessersee zu seinem vierten Penaltyschießen an – und siegte 3:2.

Dieses Duell Mann gegen Mann ist eine faszinierende Sache. Es gleicht einem Fechtkampf, der Vorteil wechselt ständig. Mittlerweile hat es das Penaltyschießen ins Videostudium der Coaches geschafft. Man analysiert jetzt auch den Gegner, seine Vorlieben und Tendenzen. Genügend Bewegt-Material gibt es. Füssen etwa trat am Freitag 24 Mal zum Penalty an – und verlor gegen Rosenheim. Für die Torhüter sei die Situation besonders schwierig, sagt Becherer. Sie müssen wählen zwischen den Informationen, den ihnen die Videos liefern, und ihrer Intuition. „Von der Reaktion lebt der Torwart“, sagt Becherer. Auch unter den Schützen existieren zwei Arten, wie Kink verrät. Die Techniker mit ihrem Beutel an Tricks sowie die Schützen. Je nach Torhüter und Trainingseindruck wählt der Coach seine Kandidaten aus. Mittlerweile könne er sogar ein Ranking aufstellen, witzelt Kink. Auf jeden Fall achtet er genau darauf, „wie gierig die Spieler“ auf die Penaltys sind. In dieser Woche haben sich Verteidiger Emil Quaas (ein Techniker) und Stürmer Uli Maurer (ein Schütze) das Recht zum Antreten verdient. Beide verwandelten auf ihre Art. „Zwei wunderbare Tore“, lobt der gegnerische Coach. Seine Auserwählten scheiterten an Daniel Fießinger, dem Ex-Füssener.

Den entscheidenden Treffer schrieben die Statistiker Emil Quaas zu, weil der zuerst verwandelt hatte. Verdient hätte ihn sich Uli Maurer aber allemal gehabt. Seit dem Ausfall von Florian Vollmer, seinem Spezl, jagt der DEL-Oldie die Drehzahl in jeder Partie noch ein Stückchen höher. „Uli ist super drauf“, lobt Kink. Es sieht so aus, als würde Maurer die Arbeit für zwei, quasi für Partner Vollmer, verrichten. „Motor“ nennt ihn der Coach. Der Spitzname „Thermomix“ passt auch. Maurer vereint alle Zutaten eines außergewöhnlichen Oberliga-Stürmers – und sorgt in Sekundenschnelle für Chancen. „Er verteilt Scheiben, schießt zum richtigen Zeitpunkt“ und trifft das Tor – wie beim 2:1.

Der SCR braucht aber auch einen Maurer in Top-Form angesichts der aktuellen Lage. Ein kleiner Virus hat sich zum Ende der Woche in die Kabine geschmuggelt und unter anderem Sean Morgan erwischt. Gerade drei Reihen bot Kink auf. Umso überraschender war die frühe Dominanz der Hausherren, die nur das Toreschießen übersahen und plötzlich hinten lagen. Die Füssener Mannschaft, wohl die günstigste der Oberliga Süd, zeichnen zwei Dinge aus: Kampfgeist und Konter-Taktik, wie das 0:1 von Samuel Payeur zeigte. Philipp Wachter glich zum Ende des ersten Drittels aus. Nach Maurers 2:1 (26.) wurden die Gäste mutiger, machten direkt das 2:2 (28.). Von diesem Zeitpunkt war’s ein offenes Spiel. Gewinnen hätte jeder können. Entsprechend fällt Kink Fazit aus: „Ein Punkt für jeden nach 60 Minuten geht in Ordnung.“

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