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Hat die Finanzen im Blick: Buchhalter Andreas Wieland, der gemeinsam mit Geschäftsführer Pana Christakakis dafür sorgen will, dass der SC Riessersee vor einer erneuten Insolvenz verschont bleibt.

„Wir starten bei Null“

Zuversicht ja, Euphorie nein: SCR-Führung mahnt zur Geduld

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Das Jahr der Konsolidierung ist vorbei beim SC Riessersee. In die kommende Saison startet der Traditionsverein ohne Auflagen oder Altlasten. Die Verantwortlichen warnen dennoch davor, von der Mannschaft den sofortigen Aufstieg in die DEL2 zu erwarten.

Garmisch-Partenkirchen – Immer wieder kommen sie. In der Fußgängerzone, im Eisstadion, im Büro. Die Fragen nach der Zukunft des SC Riessersee. „Wann steigen wir wieder auf?“, wollen die SCR-Fans von Pana Christakakis wissen. „Greifen wir heuer an?“ Die Euphorie ist groß wenige Wochen vor dem Saisonstart. Und der Geschäftsführer will diese auch keinesfalls bremsen. Die Anhänger dürfen ruhig träumen. Eines ist ihm jedoch wichtig. „Wir müssen realistisch bleiben“, betont Christakakis. „Niemand sollte vergessen, wo wir letzten Sommer gestanden sind.“

Nämlich kurz vor dem Kollaps. Nach Insolvenz und Zwangsabstieg hielt lediglich der immense Einsatz einiger weniger Retter den Patienten SCR am Leben. Nicht viel hatte gefehlt, und Profi-Eishockey in Garmisch-Partenkirchen hätte der Vergangenheit angehört. Das abgelaufene Jahr stand für den Traditionsverein im Zeichen der Konsolidierung. Mit dem erfolgreichen Bestehen in der Abstiegsrunde haben die Weiß-Blauen ihre Schuld abgegolten, den Klassenerhalt in der Oberliga letztlich souverän gemeistert. Der Blick – er geht nach vorne. „Wir starten jetzt bei Null“, sagt Buchhalter Andreas Wieland.

Neustart für den SC Riessersee

Gemeinsam mit Christakakis ist der Steuerberater für die Finanzen beim SCR verantwortlich. Eine erneute Pleite wollen die beiden mit allen Mitteln verhindern. Gesundes Wirtschaften steht für das Duo an erster Stelle. „Wir geben nur das Geld aus, das wir haben“, ist einer von Wielands Lieblingssätzen. Und davon haben die Riesserseer im Vergleich mit den anderen Oberligisten nicht übermäßig viel. „Wir stehen an sechster oder siebter Stelle“, sagt Christakakis. In Rosenheim, Regensburg oder Deggendorf liegen ihm zufolge „ein paar hunderttausend Euro mehr auf dem Konto“. Entsprechend größer seien die Möglichkeiten bei der Kaderplanung. Dass der Vergleich aufgrund der Kooperation der Werdenfelser mit dem EHC Red Bull München zumindest ein wenig hinkt, verschweigt Christakakis nicht. „Da kommt es aber auch immer darauf an, welche und wie viele Spieler uns verstärken.“

Mit ihrem Budget gehen die Verantwortlichen unter der Alpspitze zurückhaltend um. Das zeigte sich nicht zuletzt bei der Teamvorstellung, die deutlich weniger prunkvoll als in den Jahren zuvor ablief. „Ein bewusste Entscheidung“, unterstreicht Wieland. „Geld für eine Show zu verpulvern, das uns dann später fehlt, macht keinen Sinn.“ Sein großes Ziel: Rücklagen bilden. „Wir können nicht ständig am Limit leben.“ Macht Sinn. Nur wer etwas auf die Seite schafft, ist in der Lage zu investieren oder bei plötzlichen Rückschlägen wie Verletzungen oder leeren Zuschauerrängen zu reagieren. So blieb der Finanz-Plan auch nach dem spontanen Testspiel gegen München samt unerwarteter Einnahmen im fünfstelligen Bereich unangetastet. „Wir werfen deswegen nichts um.“

Dauerkartenverkauf steigt

Mehr Erträge im Vergleich zum Vorjahr erhoffen sich Wieland und Christakakis durch Ticketverkäufe. An der Tageskasse möchten sie pro Partie im Olympia-Eissportzentrum 825 Eintrittskarten an den Fan bringen, 2018/2019 lag die Zahl bei 753. Das entspräche einer Steigerung von rund zehn Prozent. Bei den Dauerkarten ist dieses Ziel längst erreicht. Schon jetzt hat der SCR 314 davon verkauft – ohne die Tickets für Sponsoren mitzuzählen. „Ein überragender Wert“, sagt Christakakis. Vergangene Saison lag dieser noch bei 222. Der Zuwachs beschert dem Verein ein Plus von rund 12 000 Euro Brutto.

Das gestiegene Interesse sieht der Geschäftsführer vor allem darin begründet, dass die Mannschaft heuer nicht mehr automatisch in der Abstiegsrunde landet, sondern nach der Haupt- in die Meisterrunde einziehen darf. „Endlich sind es keine 16 Freundschaftsspiele mehr.“ Zudem hat Christakakis das Gefühl, dass die Fans den Ärger und Frust über die Insolvenz langsam abgelegt haben. „Die Zeit heilt alle Wunden – und hoffentlich schenken uns die Leute wieder ihr Vertrauen.“

Der Aufstieg hat noch Zeit

Die positive Entwicklung rund um den SCR ändert jedoch nichts an der Erwartungshaltung der Verantwortlichen hinsichtlich der kommenden Saison. Christakakis verweist auf den Kader, der gespickt ist mit jungen, einheimischen Spielern, die erst noch Erfahrung im Herrenbereich sammeln müssen. „Wer von diesem Team den Aufstieg fordert, verkennt die Situation“, betont er. Dennoch: Dass ein Verein wie der SC Riessersee nicht zufrieden sein kann, dauerhaft in der Oberliga zu spielen, ist Christakakis klar. „Irgendwann müssen wir wieder hoch.“ Doch sei dafür noch zwei bis drei Jahre Zeit. Kontinuierlich und auf eine gesunde Weise sollen Verein, Mannschaft und Umfeld wachsen. Klappt das früher als erwartet, wird sich der Geschäftsführer nicht dagegen sträuben. Ein Aufstiegsverzicht kommt für ihn nicht in Frage. „Niemals“, stellt er klar. „Wir sind ja nicht Peiting.“

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