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Eine Szene aus dem Hinspiel in Dresden, das die Rosenheimer mit 4:2 gewannen: Marius Möchel, der unter der Woche wieder für München in der DEL spielte, scheitert hier am Finnen Pasi Häkkinen.

Starbulls verlieren in Hannover mit 3:6

Rosenheim - Nach einer frühen Führung für die Indians nach 14 Sekunden kamen die Starbulls zwar wieder ran, aber im letzten Drittel konnten sie das Spiel nicht mehr drehen. **Live-Ticker** **PK-O-Töne*

Lange Busfahrt, ungewohnte offene Halle, klirrende Kälte, der Gegner im Aufwind und die eigenen Gedanken schon beim Spitzenspiel gegen Dresden: Insidern war schon vorher klar, dass das Starbulls-Gastpiel beim Tabellenvorletzten der 2. Eishockey-Bundesliga nur von der Papierform her leicht war. Prompt setzte es für Rosenheim gestern Abend eine völlig verdiente 3:6-Niederlage bei den Hannover Indians.

Wozu die letzten zehn Starbulls-Gegner nicht fähig waren, schaffte Hannover in 13 Sekunden: Richardson, von Fox bedient, schlenzte den Puck freistehend unter die Latte – ein Blitz-Treffer, der Norm Maracles grandiose Serie beendete. Zuvor hatte der SBR-Torhüter in zehn Spielen kein einziges Tor im Anfangsdrittel zugelassen. Aber die nächste kalte Dusche ließ nicht lange warten: Diesmal ließ Fox zwei Rosenheimer Verteidiger und den verdutzten Maracle mit einem verdeckten Schuss aus dem Handgelenk schlecht aussehen. 0:2 nach sechs Minuten – das war den Starbulls schon lange nicht mehr passiert. Es lief nichts zusammen bei den Gästen, Torjäger Gottwald (stand zwar auf dem Spielbericht, war aber nicht auf dem Eis) fehlte zunächst an allen Ecken und Enden. Umso überraschender die plötzliche Wende: Gleich im ersten Rosenheimer Powerplay drückte Auger im Nachsetzen zum 2:1 ein (18.), und kurz nach Wiederbeginn umkurvte Zeller bei einem Break ganz abgezockt Indians-Keeper Ower – das 2:2 (23.). Aber fast postwendend das 3:2 durch Schmidt – ein aus Gäste-Sicht umstrittener Treffer nach einem heillosen Durcheinander. Turbulent dann die letzten Sekunden im Mitteldrittel: Dmitriev schloss ein Break zum 4:2 ab (40.), 21 Sekunden später verkürzte Stephens erneut – 4:3 und alles wieder offen.

Gleich zu Beginn des Schlussdrittels überstanden die Rosenheimer zwei ganz „heiße“ Szenen in Unterzahl mit Glück und Geschick, aber danach kam zu wenig vom Steer-Team. Als wieder einmal zwei Indians vor Maracle auftauchten, erhöhte Jelitto auf 5:3 (52.) – die Entscheidung. Maracle verletzte sich dabei leicht, konnte aber weitermachen. Dmitrievs Empty-Net-Goal 33 Sekunden vor Schluss war nur noch eine Zugabe für die fast 3100 Fans im Stadion am Pferdeturm, die den vierten Sieg in Folge ihrer Mannschaft bejubelten. Hannover setzte seine Serie damit fort. Die Rosenheimer gingen dagegen nach dem „goldenen“ November mit 14 von 18 möglichen Punkten erstmals seit langem komplett leer aus, können aber schon morgen, Sonntag, im Top-Match gegen Dresden (18 Uhr, Kathrein-Stadion) den Grundstein für die nächste Serie legen.

Statistik

Hannover Indians – Starbulls Rosenheim 6:3 (2:1, 2:2, 2:0)

Tore: 1:0 (1.) Richardson/Fox, Pyka, 2:0 (6.) Fox/Richardson, 2:1 (18.) Auger/Werner, Rohner, 2:2 (23.) Zeller/Werner, Marsall, 3:2 (24.) Schmidt, 4:2 (40.) Dmitriev/Bombis, Tarkir, 4:3 (40.) Stephens/Marsall, Zeller, 5:3 (52.) Jelitto/Dmitriev, 6:3 (60.) Dmitriev

Strafminuten: Hannover 8, Rosenheim 8

Zuschauer: 3100

ls/Oberbayerisches Volksblatt

Lesen Sie hier den Vorbericht aus dem Oberbayerischen Volksblatt:

Zwei Aufgaben wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten warten an diesem Eishockey-Wochenende auf die Starbulls Rosenheim: Heute, Freitag, 20 Uhr, gastieren die Rosenheimer beim Tabellenvorletzten Hannover Indians und am Sonntag, 18 Uhr, kommt es im heimischen Kathrein-Stadion zum absoluten Zweitliga-Spitzenspiel gegen die Dresdner Eislöwen. Dann stehen sich der aktuelle Tabellendritte Rosenheim und der um einen Punkt besser platzierte Zweite Dresden gegenüber.

Bester Scorer der Liga: Dresdens Sami Kaartinen.

Müsste man die Chancen der Starbulls im Sonntag-Heimspiel gegen die Dresdner Eislöwen nach dem Stand der Skorerwertung in der 2. Bundesliga bewerten, dann stünden die Chancen der Oberbayern auf einen Sieg bei weniger als zehn Prozent. Während die Gäste aus Dresden drei Stürmer unter den ersten Fünf (!) der Top-Skorer-Wertung platziert haben, rangiert Rosenheims Bester, Stephan Gottwald, erst auf Platz 19. Dresden kommt also mit dem besten Sturm der Liga an die Mangfall: Sami Kaartinen (18 Tore/19 Assists), Patrick Jarrett (8/27) und Jan Zurek (15/13) haben allein zwei Drittel aller Tore der Sachsen erzielt. Wie lautet das Geheimnis dieses Wundersturms? "Die Kommunikation untereinander ist einfach exzellent. Wir reden sehr viel, analysieren die Situation auf dem Eis und haben etwas, was ich als ,The sense of hockey' - ein Gespür für das Spiel - bezeichnen würde, " sagen Torjäger Sami Kaartinen und sein genialer Vorbereiter Patrick Jarrett. Blindes Verständnis mit seinem finnischen Nebenmann zeichnete den Kanadier bereits im vergangenen Jahr aus, doch erst mit dem 34-jährigen Deutsch-Tschechen Jan Zurek scheint die Reihe nun endgültig komplett.

Und wie will sich Rosenheims Trainer Franz Steer gegen diese "Waffe" wehren? "Wir spielen unser Spiel mit vier Reihen. Ich werde keine spezielle Formation auf den Dresdner Topsturm abstellen. Die sollen sich nach uns richten", erklärte Steer selbstbewusst und dieses Selbstbewusstsein haben sich die Rosenheimer über die bisherige Saison auch hart erarbeitet. "Wir wissen was wir können, und wenn wir ins Laufen kommen sind wir schwer zu schlagen. Egal wie der Gegner heißt", vertraut Steer auf seine Mannschaft. Da stört es ihn auch nicht, dass die Skorerwertung ganz klar von Dresden dominiert wird. Viel mehr stört es der Rosenheimer Erfolgscoach, dass im Vorfeld zuviel über Dresden und über den angeblich besten Sturm der Liga (Steer: "Die haben ich bei unserem 4:2-Sieg in Dresden kaum gesehen") gesprochen wird. "Zuerst müssen wir uns heute in Hannover behaupten und das wird schwer genug", warnt Steer davor die "Indianer" zu unterschätzen. Eine lange Busfahrt, eine einmalige Stimmung, das offene Stadion am Pferdeturm, die Kälte - Voraussetzungen, die für Hannover sprechen. "Und sie haben zuletzt gute Ergebnisse erzielt und gemerkt, dass sie gewinnen können", sagt Steer.

Besonders gefreut hat den Rosenheimer Trainer, dass Marius Möchel am letzten Dienstag wieder DEL-Luft schnuppern durfte. München fragte nach, ob der 19-Jährige gegen Krefeld spielen könne, Steer stimmte selbstverständlich zu und war von der Leistung seines Stürmers beim Münchner 4:2-Sieg angetan: "Das bringt ihn weiter, aber auch uns, weil viele junge Spieler merken, dass in Rosenheim super Arbeit geleistet wird." Und die wird mit Sicherheit mehr und mehr von den Zuschauern honoriert. Zum Spitzenspiel am Sonntag hoffen die Verantwortlichen auf über 3000 Fans. Das müsste zu machen sein, denn ein Spiel mit ähnlicher Konstellation auf dieser Ebene hat es über 18 Jahre nicht mehr im Rosenheimer Eisstadion gegeben.

bz/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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