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Eine seltsame Serie

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Das Unterzahltor von Greg Squires gegen Hannovers Goalie Jonas Langmann. Fotos Ruprecht
Das Unterzahltor von Greg Squires gegen Hannovers Goalie Jonas Langmann. Fotos Ruprecht © OVB

Rosenheim - Was wäre wohl, wenn... die Starbulls mal nicht mit zwei Toren Vorsprung in Führung gehen würden? Denn das haben sie in dieser Saison immer geschafft.

Es ist schon kurios, aber in allen acht Punktspielen der neuen Saison lagen sie zu irgendeinem Zeitpunkt entweder 2:0 oder 3:1 in Front, aber die Endresultate könnten verschiedener nicht sein: Ein hoher, zwei klare, ein knapper Sieg, dazu einer im Penalty-Schießen, stehen zwei klaren und einer hauchdünnen Niederlage (in Overtime) gegenüber.

Dreimal wurden also Führungen vergeigt, während man umgekehrt selbst noch keinen Rückstand umbiegen konnte. Erst in drei Spielen lag man zurück, zweimal folgten dem gegnerischen 3:2 noch zwei weitere Gegentreffer (Parallele: der letzte jeweils ins leere Tor), in Heilbronn hatte man keine Gelegenheit mehr, auszugleichen, da der erstmalige Rückstand zum "Sudden Death", wie es früher so treffend hieß, führte.

Der Grundstein für den Sieg, so einer herausspringt, wird dabei grundsätzlich im ersten Drittel gelegt. Noch keines der acht Anfangsdrittel haben die Starbulls verloren, dabei lediglich ein einziges Tor kassiert und selber acht erzielt. Mitteldrittel (zweimal positiv, je dreimal remis und negativ, 7:8 Tore) und Schlussabschnitt (je viermal pro und kontra Starbulls, 10:9 Tore) verliefen statistisch ausgeglichen, wobei beim Schlussdrittel auffällt, dass hier das Pendel relativ heftig ausschlägt: Fünf der acht Schlussdrittel gingen klar an eine der Mannschaften (0:2, 0:3, 3:0, 0:2, 2:0).

Das Team von Franz Steer spielt heuer aber auch "streaky", wie es in der NHL heißen würde, also lange Phasen der Überlegenheit wechseln mit solchen, in denen wenig gelingt. So kassierte man bei der einzigen Heimniederlage gegen Schwenningen und bei der Niederlage am Freitag in Ravensburg jeweils fünf Treffer am Stück, brachte dieses Kunststück selbst auch gegen Bremerhaven zustande und kam, da man auch mit zwei Toren in Ravensburg startete, da sogar auf sieben Tore ohne Gegentor dazwischen. Und eine Woche davor hatte man gegen Landshut und Heilbronn schon einmal fünf Treffer in Folge ohne Gegentor erzielt. Da ist es kein Wunder, dass man mit 95:55 "schadlosen" Minuten die zweitlängste Serie in dieser Liga aufgestellt, ein andermal die Top Ten in dieser Rubrik mit 77:36 Minuten nur knapp verfehlt hat und weitere viermal länger als 40 Spielminuten ohne Gegentreffer blieb. Umgekehrt gab es aber auch bereits drei Phasen über 40 Minuten ohne Rosenheimer Tor, die längste 53:09 Minuten.

Dafür, dass solche "Nullphasen" seltener werden, könnte Ryan Del Monte sorgen. Bereits in seinem zweiten Punktspieleinsatz (beim ersten am dritten Spieltag hatte er einen Treffer vorbereitet) trat er in für Rosenheimer Verhältnisse ungewohnter Kaltschnäuzigkeit als Doppeltorschütze in Erscheinung. Er kam, schoss und siegte, könnte man in Abwandlung eines von Lateinunterricht und Asterix-Lektüre bekannten geflügelten Wortes sagen. Da traf der "richtige" Ryan, während die beiden Ryans auf Hannoveraner Seite (McDonough und Olidis) punktlos blieben. Aber seine beiden Treffer wurden noch getoppt vom Gamewinner des Abends. Das Unterzahltor von Gregory Squires war in einem Spiel, das über weitere Strecken zwar flott und kämpferisch war, aber doch Spielkunst oftmals vermissen ließ, das Eintrittsgeld wert. Und man stellt zunehmend fest, dass Squires mit seinem Vorgänger Corey Quirk wohl mehr gemeinsam hat als vier Buchstaben des Namens. Zwei Tage vor Del Montes erfolgreichem Einstand hatte ein anderer Spieler ein lang erwartetes Erfolgserlebnis. Ravensburgs Torhüter Christian Rohde konnte endlich nach fünf Niederlagen in den letzten beiden Jahren seinen ersten Sieg gegen die Starbulls feiern.

Was ein wenig Sorgen macht (auch wenn wir noch in der "eishockey-schwachen" Zeit sind), ist das Zuschauerinteresse. Da haben Franz Steers Mannen nach der Heimpleite zum Auftakt nun mit vier Heimsiegen in Folge den bisherigen Rekord eingestellt, dabei nur drei Gegentreffer zugelassen und 16 teils grandiose Treffer geschossen, und dennoch verlieren sich am Sonntag 1797 Fans in der Halle, die fünftwenigsten der Zweitliga-Geschichte! Wenn man sich da an den 15. März 2009 erinnert, als im Oberliga-Match gegen die Indians 5165 Zuschauer einen 4:2-Sieg bejubelten, wundert man sich schon ein wenig...

Manfred Eder (Oberbayerisches Volksblatt)

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