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Am Rande eines Skandals

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Von: Martin Weidner

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Heilbronn - Massiv vom Schiedsrichter benachteiligt und doch knapp dran am Sieg – das ist das Starbulls-Fazit nach der unglücklichen Pleite am Freitagabend in Heilbronn. *NEU: Pk-Video*

Die Rosenheimer Eishockeyspieler verloren vor 1.338 Zuschauern in der Kolbenschmidt-Arena bei den Heilbronner Falken trotz zwischenzeitlicher 3:1-Führung letztlich mit 3:4 (1:0, 1:1, 1:2, 0:1) nach Verlängerung. Was allerdings vor allem in der Schlussphase seitens Schiedsrichter Sascha Westrich aus Zweibrücken ablief, brachte die Rosenheimer und deren Fans mehrfach gewaltig auf die Palme.

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Die Statistiken der anderen Freitagsspiele

Bericht der Heilbronner Falken

Doch der Reihe nach: Die Oberbayern begannen konsequent mit vier Reihen und zeigten sich gegen spielstarke Falken defensivstark und gut eingestellt. Das sollte sich in der 9. Minute auszahlen, als die Starbulls in Unterzahl an der eigenen blauen Linie die Scheibe eroberten. Matt Caruana schickte Sturmpartner Greg Squires auf die Reise, der mit seinem „Break“ den DEL-erfahrenen Falken-Goalie Kevin Nastiuk tunnelte und damit zum 0:1 überwand. Die Heilbronner antworteten mit wütenden Angriffen, aber bis auf einen Lattenschuss von Michel Léveillé in Überzahl waren nicht viele klare Möglichkeiten vorhanden. Vielmehr hätten die Starbulls die Führung durch Fabian Zick oder Michi Fröhlich sogar noch ausbauen können. „Im ersten Drittel hätten wir ein zweites Tor machen können“, konstatierte Starbulls-Coach Franz Steer.

Im Mittelabschnitt machten die Rosenheimer mit guter Defensivarbeit weiter und schienen die Weichen in der 33. Minute weiter auf Auswärtssieg zu stellen, als Kapitän Stephan Gottwald aus spitzem Winkel zum 0:2 unter die Latte traf. Zu diesem Zeitpunkt stand dessen Sturmpendant Squires aber bereits nicht mehr auf dem Eis, denn dieser hatte zuvor nach einem dummen Stockschlag gegen Fabian Krull wohl zurecht eine Spieldauerstrafe kassiert, auch wenn der Falke den sterbenden Schwan mimte und im nächsten Wechsel wieder auf dem Eis stand. Die fünf Minuten Unterzahl überstanden die Starbulls allerdings unbeschadet, obwohl die Unterländer nun den Druck sukzessive erhöhten. Die Freude über das 2:0 währte aber nur 64 Sekunden, denn der überragende Fabio Carciola setzte hinter dem Kasten nach und bediente Neuzugang Brent Walton, der die Scheibe nur noch zum 1:2 über die Linie drücken musste (34.).

Das Schlussdrittel und die Verlängerung waren dann an Dramatik nicht zu überbieten. Erst sah es wieder richtig gut aus für die Grün-Weißen, als Fröhlich die Scheibe im Powerplay via Schlagschuss zum 1:3 in die Maschen jagte (42.). Die Gastgeber gaben sich aber noch nicht geschlagen und verkürzten in der 50. Minute erneut, als der starke Pasi Häkkinen einen abgefälschten Schuss von Marco Müller nicht festhalten konnte. Carciola war zur Stelle und netzte ein – 2:3.

In der Schlussphase griff dann Schiedsrichter Westrich massiv ins Spielgeschehen ein. Er schickte in der 56. Minute zunächst Dominik Daxlberger und Bryan Schmidt in die Kühlbox, was die Gastgeber nur Sekunden später durch einen mächtigen Schlagschuss von Walton zum Ausgleich nützten - 3:3 (57.). Vor Daxlbergers Strafe hatte das Gespann allerdings eine klare Abseitsstellung übersehen und die Strafe für Schmidt wegen Behinderung war schlichtweg lächerlich. Da hätte Westrich wenn dann im ersten und zweiten Drittel mindestens drei oder vier Falken wegen denselben Vergehen vom Eis schicken müssen. Direkt beim Wiederanpfiff schmiss dann Heilbronns Richard Gelke seine Handschuhe weg und lieferte sich mit Niko Senger einen filmreifen Fight, doch anstatt den Heilbronner regelkonform in die Kabine zu schicken, bekamen beide Streithähne von Westrich exakt dasselbe Strafmaß aufgebrummt. Steer reklamierte und kassierte auch noch eine Bankstrafe, so dass die Starbulls wieder in Unterzahl spielten.

Die Dramatik war aber noch lange nicht vorbei. Auch Auger musste kurz vor Schluss noch raus – und dennoch hatten die Gäste noch die Riesenchance zum Sieg. In Unterzahl eroberten sie die Scheibe und starteten einen weiteren Break, bei dem sie allen ein Schnippchen hätten schlagen können: Caruana lief alleine auf Nastiuk zu, doch er traf drei Sekunden vor Schluss (!) nur den rechten Pfosten. Das hätte der Siegtreffer für die Grün-Weißen sein müssen. So ging es in die Verlängerung, wo die Starbulls hart um den Zusatzpunkt kämpften, aber nicht belohnt wurden, weil Fabio Carciola auf Vorarbeit von Bruder Adriano in der 64. Minute zum 4:3-Siegtreffer für die Heilbronner traf.

Steer musste sich nachher auf der Pressekonferenz sichtlich zusammenreißen, um nicht die falschen Worte zu wählen: "Gegen Spielende waren heute Schiedsrichter-Entscheidungen dabei, die man so eigentlich nicht akzeptieren kann. Für meine Bankstrafe habe ich mich bei der Mannschaft entschuldigt, weil ich eigentlich muss sich ein Trainer immer im Griff haben, aber heute ging es einfach nicht mehr!" Kollege Rico Rossi konstatierte: "Nach dem ersten Drittel lagen wir verdient zurück. Nach dem 0:2 habe ich kurzzeitig gedacht, dass das heute schief gehen könnte. Meine Mannschaft hat aber nie aufgegeben und bis zum Schluss an den Sieg geglaubt."

Das Spiel in der Statistik:

Heilbronner Falken – Starbulls Rosenheim 4:3 (0:1, 1:1, 2:1, 1:0) n.V.

Tore: 0:1 (9.) Greg Squires (Matt Caruana – Unterzahl-Tor), 0:2 (33.) Stephan Gottwald (Matt Caruana, Niko Senger), 1:2 (34.) Brent Walton (Fabio Carciola), 1:3 (42.) Michael Fröhlich (Bryan Schmidt, Michael Rohner – Überzahl-Tor), 2:3 (50.) Fabio Carciola (Marco Müller, Michel Léveillé), 3:3 (57.) Brent Walton (Fabio Carciola – Überzahl-Tor 2), 4:3 (64.) Fabio Carciola (Adriano Carciola).

Schiedsrichter: Sascha Westrich (Zweibrücken).

Strafen: Heilbronn 20 – Rosenheim 33 plus Spieldauerstrafe für Greg Squires plus je 10 Minuten für Pasi Häkkinen, Dominic Auger und Niko Senger.

Zuschauer: 1.338.

mw

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