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Beim letzten Punktspiel-Derby gegen Landshut am 20. Februar 1999 spielte Didi Hegen noch für Rosenheim.

Als Jim Hiller Kultstatus erlangte

Rosenheim - Nicht genug, dass die Starbulls mit ihrem Traumstart in die 2. Liga genug Werbung betrieben haben, nein, nun kommt auch noch ein ganz spezieller Gegner an die Mangfall: Der EV Landshut, pardon, die Cannibals!

Special:

Starbulls

Rosenheim gegen Landshut: Diese Spiele hatten in der 1. Bundesliga bzw. DEL nicht nur wegen des Lokalderby-Charakters meist etwas Besonderes. In den 70er-Jahren blickten die Niederbayern, die 1971 ihren ersten deutschen Meistertitel erringen konnten, eher verächtlich auf den "kleinen" EVR bzw. Sportbund herab. In den 80ern änderte sich dieses Bild, als spätestens nach der zweiten Rosenheimer Meisterschaft 1985 Grün-Weiß an der Spitze mitspielte und Rot-Weiß unter "ferner liefen" agierte. Nach dem Aus- und Wiedereinstieg des Sportbunds 1992/93 wurden dann wieder in Rosenheim kleinere Brötchen gebacken, und die Landshuter griffen in einem letzten Aufbäumen nach dem Titel in der höchsten Liga, die inzwischen DEL hieß. Zum Jahrtausendende dann der tiefe Fall: 1999 verkauften die Cannibals ihre DEL-Lizenz nach München an die Barons und machten in der Oberliga weiter, ein Jahr später wanderten die Rosenheimer Lizenz nach Iserlohn und die Starbulls mehr oder weniger freiwillig in die Niederungen der siebt(!)höchsten Spielklasse.

Jim Hiller, der heute in Kanada als Trainer arbeitet, schoss mit seinem Tor am 3. Januar Rosenheim in die Meister- und Landshut in die Abstiegsrunde.

Seither gab es außer einem Freundschaftsspiel zu Rosenheims Bayernliga-Zeiten keine Begegnungen der ehemaligen Rivalen mehr. Am 20. Februar 1999 endete mit Mondi Hilgers verwandeltem Penalty beim 4:3-Sieg im Kathrein-Stadion die bisherige Punktspiel-Historie dieser beiden Teams, in deren Verlauf die Rosenheimer 42 und die Landshuter 50 Spiele gewannen, während elf remis endeten. Namen wie Bernie "Psycho" Englbrecht, Klaus "Butzi" Auhuber, Alois Schloder, Erich Kühnhackl, Helmut Steiger, Henryk Pytel, Mike Bullard oder die Brüder Laycock werden vielleicht nur noch den älteren Fans bekannt sein (die beiden erstgenannten hauptsächlich als Feindbilder), aber wegen der kleineren Zahl von Spielerwechseln in jenen Zeiten hatten die Teams eine viel stärke, nachhaltigere Identität als heute, was wesentlich zu den diversen Rivalitäten beitrug.

Zwei Konfrontationen der beiden Teams seien hier besonders erwähnt. Zum ersten natürlich die Play-off-Runde 1982, als der Sportbund im Halbfinale auf den Doppelrundensieger Landshut traf, der in 44 Spielen 25 Punkte (damals noch mit zwei Punkten für den Sieg) mehr angehäuft und noch nie ein Heimspiel gegen Rosenheim verloren hatte. Der haushohe Favorit konnte zwar an der Mangfall gewinnen, scheiterte aber in beiden Heimspielen des Best-of-three-Halbfinales an der fanatischen Kampfkraft und der taktischen Raffinesse der Hans Zach, Karl Friesen, Wacki Kretschmer und wie sie alle hießen, mit 0:5 und 3:4 und musste später mitansehen, wie der belächelte Nachbar gegen Finalgegner Mannheim seinen ersten Titel holte und damit den Grundstein für die Verschiebung der Machtverhältnisse legte.

Bilder: Starbulls - Hannover

Starbulls - Hannover

Und dann gab es da den 3. Januar 1997. Nur eine Momentaufnahme, zugegeben, aber eine besondere aus Rosenheimer Sicht. In der einzigen wirklich starken Saison der Starbulls seit dem Wiederaufstieg 1993 trafen die beiden Teams am letzten Wochenende vor der Teilung in Meister- und Abstiegsrunde in Rosenheim aufeinander. 6200 Fans verfolgten das Spiel, bei dem die Starbulls mit einem Sieg den Einzug in die Top Six klar machen und zugleich den Rivalen zur Abstiegsrunde verdammen konnten. Trotz guter Leistungen der Scott Beattie, Jim Hiller, Mondi Hilger, Chris Bartolone & Co. waren die Niederbayern wieder einmal Favorit und hatten mit einem 2:2-Unentschieden nach regulärer Spielzeit die Nase vorn. Doch nur 93 Sekunden lang, bis Jim Hiller in der Overtime den Siegtreffer schoss und damit Kult-Status in Rosenheim erlangte. "Hiller, Hiller - Landshut-Killer" skandierten die Fans. Da war es auch nebensächlich, dass die Starbulls in der Meisterrunde 16 von 20 Spielen verloren, Hauptsache, das Prestige-Duell war gewonnen.

Bilder: Bietigheim - Starbulls

Steelers vs. Starbulls am 19. September 2010

Nun, so viel Zündstoff sollte man in die Partie am Freitag sicher nicht bringen, aber reizvoll ist der erste Punktspielvergleich seit langer Zeit allemal. Interessant wird es sein, zu verfolgen, wie das neue Rosenheimer Team mit der (erstmaligen) Bürde des Favoriten zurechtkommen wird, und da die Starbulls in den ersten beiden Wochen mit dem unbestritten besten Eishockey seit einem Jahrzehnt prächtige Eigenwerbung betrieben haben, sollte es für den vielleicht noch zweifelnden Fan ein Muss sein, am Freitag ins Stadion zu kommen, sodass die Zahl von 3800 Zuschauern, die das letzte Punktspiel gegen Landshut verfolgten, locker erreicht wird.

Manfred Eder (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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