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Glücklich und in Bierlaune: Marius Möchel mit Fan-Hut und Matthias Bergmann mit Play-Off-Bart.

"Lena" tröstet, Zach gratuliert

Rosenheim - Es war rund 100 Minuten nach dem großen Moment: Vor dem Peitinger Eisstadion kam Starbulls-Trainer Franz Steer aus dem Dunkel wieder ans Licht – fast so wie sein Team während der Play-offs.

Steer hatte gerade telefoniert, via Handy Glückwünsche zum Meisterstück entgegengenommen. „Der Hans Zach hat gerade angerufen“, erzählt Steer. Der frühere Rosenheimer Meisterspieler, der jetzt als Coach der Hannover Scorpions im DEL-Finale steht, fieberte mit den Starbulls und gratulierte dem früheren Weggefährten Steer zum Titel. Der war zu diesem Zeitpunkt immer noch patschnass. Nicht nassgeschwitzt, sondern von seinen Spielern nassgemacht: Mit Sekt, Bier, Wasser und Elektrolytgetränk wurde der Starbulls-Coach überschüttet, nachdem die ersten Feierlichkeiten mit der offiziellen Übergabe des Meisterpokals über die Bühne gebracht wurden.

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Tropfnass war der Meistertrainer dann zur Pressekonferenz marschiert, machte dort dem Finalgegner erst einmal verdientermaßen artig Komplimente („Peiting kann stolz auf seine Mannschaft sein, sie hat uns alles abverlangt“) und kehrte dann die Gefühlswelt der gesamten Spielzeit nach außen: „Es war zunächst eine durchwachsene Saison und wir mussten viel einstecken. Aber die Mannschaft ist eng zusammengerückt“, sagte Steer – und fügte mit Genugtuung an: „Wir wollten es unseren Kritikern zeigen.“ In der Tat: „Es hat doch keiner einen Cent auf uns gesetzt“, meinte Starbulls-Urgestein Mondi Hilger, rückblickend auf die Ereignisse vor einigen Wochen. Die Fans waren unzufrieden, die Starbulls in der Tabelle auf Rang fünf zurückgefallen und dann hatte man auch noch das erste Play-off-Spiel in Bad Nauheim mit 1:7 verloren. „Du musst ganz unten gewesen sein, dass man es zu schätzen weiß, wenn man oben ist“, sagte Dritter Vorstand Richard Diebald. Er habe immer darauf gehofft, dass es aber jetzt geklappt habe, sei „einfacht nur geil“, so Diebald weiter.

Starbulls feiern den Aufstieg in die 2. Liga

Starbulls-Vorstand Wilhelm Graue sah die Meisterschaft als Zeichen an, „dass wir doch ganz schön viel richtig gemacht haben“. Man habe der Mannschaft Vertrauen geschenkt, am Trainer festgehalten und sich zudem sehr sinnvoll im Laufe der Saison verstärkt, so Graue. Ins gleiche Horn blies auch Zweiter Vorstand Karl Aicher; ihn freute diesmal das gute Händchen bei den Transfers: „Es ist toll, dass wir so einen Spieler wie Mitch Stephens holen konnten. Auch die Nachverpflichtung von Dylan Stanley hat sich voll ausbezahlt. Die Kanadier haben in den Play-offs richtig aufgezeigt.“ Dies musste auch Peitings Trainer Leos Sulak anerkennen: „Man hat gesehen, was Rosenheim für eine Power hat, wenn die drei Ausländer fit sind.“

Dennoch verlief das dritte Duell spannender als die beiden Spiele zuvor. Rosenheim führte mit 4:1, sah schon wie der sichere Sieger aus. Beim Stand von 4:2 für die Starbulls marschierte Vorstand Graue nach draußen und „schmuggelte“ bereits den Karton mit den Aufstiegs-T-Shirts in die Mannschaftskabine, Busfahrer Willi Brüchmann hatte die Siegeszigarre für den Trainer bereits in der Jackentasche verstaut. Doch dann kam der Schock: Vier Minuten vor dem Ende 3:4, danach noch der Ausgleich für Peiting – Verlängerung! „Wir waren etwas zu passiv – und schon ist‘s passiert“, merkte Steer kritisch an. „Das war natürlich ein Knick“, bekannte Assistent Oliver Häusler. Doch wer das Herzschlag-Spiel sieben in der Viertelfinal-Serie in Bad Nauheim übersteht, wer im Halbfinale in Herne 14 Sekunden vor dem Ende einen Penalty verwandelt – der lässt sich auch davon nicht beeindrucken. „Wir wollten es unbedingt zumachen“, sagte Häusler – Mitch Stephens sorgte schließlich dafür, indem er in der Verlängerung die mitgereisten über tausend Starbulls-Fans jubeln ließ. „Werdet zur Legende, kämpfen bis zum Ende, für die 2. Liga, SBR“, hatten sie im Laufe der Partie immer wieder angestimmt – mit diesem Schuss hat sich Mitch Stephens in jedem Fall zur Legende gemacht.

„Es waren einfach perfekte Play-offs“, bilanzierte Oliver Häusler, „die Mannschaft hat sich in einen Rausch gespielt“. Cheftrainer Steer, angesprochen auf das Erfolgsrezept, meinte: „Wir haben einen Lauf gehabt, die Jungs haben alles gegeben, die Mannschaft hat sich brutal zusammengerissen und wir haben die richtigen Entscheidungen getroffen.“ So zuletzt mit dem Einsatz von Konstantin Firsanov, der in zwei Finalspielen drei Tore markierte. Und mit jedem Sieg wuchs das Selbstvertrauen an: „Wenn wir das dritte Spiel nicht gewonnen hätten, dann hätte uns das nicht umgehauen“, sagte Alan Reader, der in seinem ersten Jahr in Rosenheim gleich das Maximum errang: „Ich bin hierhergekommen, um aufzusteigen – das sind wir.“ Und damit erfüllte sich auch für Richard Diebald und Mondi Hilger ein Traum: „Vor zehn Jahren hat der Verein unten angefangen. Jetzt sind wir Meister der Oberliga“, freute sich Vorstand Diebald, während Hilger mit einigen Einsätzen auch noch aktiver Bestandteil dieser Meistermannschaft ist. „Viele junge Spieler, viele Rosenheimer – wir wollen genau mit diesen Spielern in die 2. Liga“, so Hilger. Sein Erfolgsrezept lautet: „Die Symbiose zwischen Alt und Jung hat perfekt gepasst.“

Junge, kampfstarke Spieler wie Marius Möchel oder Niko Senger machten Schritte nach vorne – unter der Anleitung der alten Recken Martin Reichel und Claus Dalpiaz. Vor allem Goalie Dalpiaz durfte sich der Ovationen der Fans sicher sein, lieferte er doch auch in Peiting wieder eine blitzsaubere Partie ab. „Er hat eine überragende Saison gespielt“, lobte Steer seinen Torhüter. Kapitän Reichel streckte am Ende den Meisterpokal in die Höhe, den Marcus Marsall in der Kabine nicht mehr aus den Händen ließ.

In der Kabine der Gastgeber regierte zunächst die Enttäuschung. Die zweifache Biathlon-Olympiasiegerin Magdalena Neuner stattete den Peitinger Spielern nach der Begegnung einen Besuch ab und musste trösten – ihr Daumendrücken hatte nichts geholfen.

Ganz andere Probleme hatte da der durchnässte Franz Steer: „Ich habe gar kein zweites Gewand dabei“, sagte er, Mannschaftsleiter Ingo Dieckmann musste aushelfen – auch mit einem zweiten Paar Schuhe, denn nach all der Jubelorgie war der Rosenheimer Trainer dann auch mal froh, seine zu engen italienischen Glücksbringer loszuwerden.

Glück wünscht Steer jetzt auch seinem ehemaligen Mitspieler Hans Zach. „Mich würde es freuen, wenn mit ihm ein weiterer deutscher Eishockey-Trainer einen deutschen Meistertitel gewinnt“, so Steer und dann kann ja der Landshuter dem „Alpen-Vulkan“ via Handy zum Meisterstück gratulieren...

Thomas Neumeier/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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