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Ernst Höfner vor 18 Jahren, als er den Sportbund DJK Rosenheim sensationell von der 2. Bundesliga zurück in die 1. Liga führte.

Nachahmung empfohlen

Rosenheim - Die 2. Liga ist für die Starbulls Neuland - beinahe, denn vor 18 Jahren war bereits der Sportbund zweitklassig und damals gab es einige Rosenheimer Rekorde.

Statistische Vergleiche sind nicht sehr aussagekräftig, nicht nur, weil nur zwei der aktuellen Gegner (Lausitzer Füchse, damals ES Weißwasser, und Hannover, damals EC statt Indians) 1992/93 mit von der Partie waren. Eine kleine Auffrischung der Eishockey-Historie ist aber sicher reizvoll.

1992, zwei Jahre vor Gründung der DEL, zog sich der Sportbund als Vizemeister nach Differenzen zwischen Sponsor, Stadt und Liga freiwillig aus der damals höchsten Spielklasse zurück, die man seit fast zehn Jahren zusammen mit Düsseldorf, Köln und Mannheim dominiert hatte. Zwei Levels tiefer, in der Oberliga, sollte mit einer reinen Rosenheimer Mannschaft ohne Stars und Ausländer "auf Sparflamme" weitergemacht werden. Doch die Wirtschaftlichkeitsprüfer des Verbandes machten den Sportbundlern einen Strich durch die Rechnung und stuften den ehemaligen Vorzeigeklub in die Zweite Liga ein. So wurde das "All-Rosenheim"-Konzept unter Ernst Höfner (eben noch Seele des Angriffs, jetzt Neuling hinter der Bande) modifiziert und im Wesentlichen auf vier Säulen gestellt.

Säule Nummer Eins: rund ein Dutzend Nachwuchsspieler, die meisten noch Teenager, darunter auch beide Torhüter, Marc Seliger und Patrick Lange. Zweite Säule: Einige Rosenheimer, die den Sprung ins Spitzenteam nie geschafft hatten, aber bei anderen Zweit- oder Oberliga-Klubs Stammspieler waren, wie zum Beispiel der derzeitige DNL-Trainer Tom Schädler sowie Walter "Max" Deisenberger. Dritte Säule: drei "Leitwölfe aus dem Topteam der Jahre davor, wie Nationalspieler Ron Fischer, "Butzi" Reil und Manfred Ahne. Und als vierte, entscheidende Säule: Mit Doug Derraugh aus Norwegen und dem inzwischen leider verstorbenen Mark Teevens aus Unna (Oberliga Nord) sowie dem bei Riessersee ausgemusterten Deutsch-Kanadier Rick Boehm eine Super-Troika, die im Laufe der Saison Tore und Scorerpunkte en masse produzierte und somit für statistische Vorgaben sorgte, die die aktuellen Starbulls kaum werden toppen können.

Zu den Favoriten gehörte der SBR damals nicht. Da wurden in erster Linie die mit bundesliga-erfahrenen Profis bestückten Teams von Nürnberg, Kassel und vor allem Augsburg genannt. Zumal die Starbulls wegen Stadion-Problemen die gesamte Vorbereitung in Bad Aibling absolvieren mussten und in die Punkterunde mit vier Auswärtsspielen starteten, von denen prompt drei verloren gingen. Als das Team aber einmal in Schwung kam, war es kaum mehr zu bremsen. Vor allem das Marox-Stadion (wer erinnert sich noch an den Namen?) war eine Festung wie zu besten Meisterzeiten. Nur ein einziges Heimspiel ging verloren, und zweistellige Siege waren zwar nicht an der Tagesordnung, gelangen aber doch in schöner Regelmäßigkeit. Trotzdem reichte es nicht zu Platz Eins nach der Doppelrunde, denn Favorit Augsburg hatte nach 44 Spielen die Nase vorn. Doch da kam den Rosenheimern der Mitabsteiger aus der Bundesliga, der ES Weißwasser, zu Hilfe. Während sich Ernst Höfners "Kindergarten", so die spöttisch-bewundernde Bezeichnung, in Viertel- und Halbfinale fast mühelos in Minimaldistanz über Iserlohn und Nürnberg hinwegsetzte, warfen die Sachsen im Halbfinale den großen Favoriten sensationell aus dem Rennen. Rosenheims Weg für den eigentlich nicht geplanten sofortigen Wiederaufstieg mit glatten neun Siegen in neun Spielen war frei.

Leider konnten der Sportbund (und nach Gründung der DEL 1994 die Starbulls) nie mehr an glorreiche Spitzenzeiten anknüpfen, aber das einzige Zweitligajahr bleibt den alten Fans in Erinnerung als sechs Monate der Euphorie und des ungeahnten Höhenflugs. Aufgrund des sagenhaften Play-offs wurden Mark Teevens und Doug Derraugh Topscorer der Gesamtsaison 1992/93, nachdem sie diesen Titel in der Doppelrunde noch dem Iserlohner Duo Greg Johnston und Bobby Reynolds hatten überlassen müssen, und sie stellten dabei eine Reihe von Rekorden auf, an denen man Konrad Reeder, Mitch Stephens & Co. der Fairness halber nicht messen sollte. Nur ein paar Beispiele: Fünf Tore in einem Spiel, sechs Assists in einem Spiel, sieben Scorerpunkte in einem Spiel, alle durch Mark Teevens.

Serien von neun Spielen mit Toren (Teevens), elf Spielen mit Assists (Derraugh) sowie zwölf Spielen mit Scorerpunkte (Derraugh, Teevens und Boehm) sowie drei Hattricks in drei Spielen nacheinander (Teevens).

Ron Fischer stellte mehrere Verteidiger-Rekorde auf, darunter acht Spiele mit Assists in Folge.

Als Mannschaftsrekorde wären nur zu nennen: Sechs Powerplay-Tore in einem Spiel, sechs zweistellige Siege (die höchsten 11:1 zuhause und 11:2 auswärts), Serien von 14 Siegen, 19 Heimsiegen und 18 Spielen ohne Niederlage (damals gab es noch Unentschieden).

Wie gesagt, zur Nachahmung zwar empfohlen, aber bei allem Optimismus vermutlich nicht zu realisieren...

re/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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